Langjährige Leiterin der CS-Seniorenheime geht in den Vorruhestand
Mit Eigensinn Ziele erreicht

Freckenhorst -

Reich an überraschenden Windungen ist der berufliche Werdegang Monika Abelings. Heute beginnt für die 62-jährige langjährige Leiterin der Freckenhorster Caritas-Seniorenheime mit der Freistellungsphase der Altersteilzeit ein neuer Lebensabschnitt.

Freitag, 31.07.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 14:08 Uhr
Die Kollegen hatten Monika Abeling zwar schon vor einigen Wochen liebevoll in den Ruhestand verabschiedet, doch erst am heutigen Freitag beginnt offiziell die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Die neu gewonnene Zeit wird die passionierte Gärtnerin auch in ihren Gärten verbringen.
Die Kollegen hatten Monika Abeling zwar schon vor einigen Wochen liebevoll in den Ruhestand verabschiedet, doch erst am heutigen Freitag beginnt offiziell die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Die neu gewonnene Zeit wird die passionierte Gärtnerin auch in ihren Gärten verbringen. Foto: Joke Brocker

Klein, aber oho – wenn diese Redensart auf jemanden hundertprozentig zutrifft, dann ist das Monika Abeling . Mit Hartnäckigkeit, Eigensinn und Zähigkeit ist sie in ihrem Leben einen an Windungen und Überraschungen reichen Weg gegangen, der sie schließlich als Leiterin der örtlichen Caritas-Seniorenheime nach Freckenhorst führte. Am heutigen Freitag beginnt mit der Freistellungsphase der Altersteilzeit für die „Oldenburger Südfrucht“ – die 62-Jährige stammt aus dem Südoldenburgischen – ein neuer Lebensabschnitt.

Als 22-Jährige war sie zum Studium nach Münster gezogen: „Ich wollte Bauingenieurin werden. Ich bin eigentlich der technische Typ und in einer Schmiede groß geworden. Architektur hat mich interessiert“, erzählt die zierliche Frau. Doch nach dem Vordiplom wurde Tochter Kerstin geboren. Monika Abeling blieb drei Jahre zu Hause, fühlte sich nicht ausgelastet, gab Strickkurse. Als ihre zweite Tochter geboren wurde, war an Stricken nicht mehr zu denken. Weil die kleine Anne schwer krank war, verbrachte die Mutter fast ein Jahr mit ihrem Kind im Krankenhaus; und dachte darüber nach, Krankenschwester zu werden. Mit zwei Kindern war das allerdings kaum möglich.

Ein Altenheim dagegen nahm die zweifache Mutter mit Kusshand. Für Wochen­end-Dienste zum Dumping-Lohn: „Ich arbeitete jedes zweite Wochenende. Pro Tag gab es fünf Mark.“ Die miserable Bezahlung schreckte Monika Abeling nicht ab. Sie wollte Altenpflegerin werden und setzte sich über die Bedenken einer Ordensschwester hinweg, die ihr die Aufnahme in einen Kurs verwehrt hatte: „Ich habe mich einfach in den Kurs gesetzt. Ich hatte alles organisiert, die Kinder waren versorgt.“ Allerdings gab es für 200 Bewerber in jenem Jahr nur 25 Stellen. Erst als ihr die Ordensschwester versprach, sie im darauffolgenden Jahr zu berücksichtigen, lenkte Monika Abeling ein. „Ich habe mich immer irgendwie daneben benommen“, bemerkt sie schmunzelnd.

Doch Hartnäckigkeit und Eigensinn sollten sich auszahlen. 1985 durfte die zweifache Mutter im Franziskushospital in Münster mit der Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen. „Morgens Praxis auf Station in Münster, im Rochus oder in Nordwalde, nachmittags Schule, dazu die Kinder, das war ein hartes Jahr“, blickt sie zurück. In Hiltrup absolvierte sie ihr Anerkennungsjahr, wechselte danach zum Altenheim Friedrichsburg nach Münster, wo sie bald die Wohnbereichsleitung übernahm. Als Tochter Tessa geboren war, nahm sie die Kleine einfach mit. Während die Schwestern der Göttlichen Vorsehung das Kind „schuckelten“, kümmerte sich Monika Abeling um den Wohnbereich und fragte sich, „wie die Altenpflege eigentlich finanziert wird“.

Antworten auf diese Frage gab ein vierjähriges Vollzeitstudium Krankenpflegemanagement in Osnabrück. Anschließend betreute Abeling als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Professors für Rechnungswesen Diplomanden, die an einer Studie zur Budgetierung stationärer Einrichtungen arbeiteten. Mit einem von ihnen ist sie heute verheiratet.

Als das Projekt an der Uni Osnabrück abgeschlossen war, wurde Monika Abeling bei der Diakonie Westfalen-Lippe Finanzierungsreferentin für stationäre Einrichtungen. „Die Pflegeversicherung gab es da gerade erst. Ich habe Pflegesatzverhandlungen in ganz Westfalen-Lippe geführt“, erinnert sie sich an eine „anstrengende Zeit mit viel Fahrerei“, in der ihr das Wissen aus der Praxis in die Hände spielte: „Ich kannte die Pflege und konnte ganz anders argumentieren.“

Berufsbegleitend studierte sie in Vechta zweieinhalb Jahre lang Gerontologie und beendete das Studium mit der Diplomarbeit. Zwei Jahre später, im März 2003, stellte Karl-Heinz Sahling, damaliger Geschäftsführer der Caritas-Seniorenwohnheime in Freckenhorst, Monika Abe­ling als Leiterin des Dechaneihofes St. Marien und des Klosters zum Heiligen Kreuz ein.

„Er hat mir meine Spielwiese gelassen – und die brauche ich auch“, hat sie die Zusammenarbeit mit Sahling als harmonisch und vertrauensvoll in Erinnerung. 17 Jahre später blickt sie zufrieden auf ihre Zeit in Freckenhorst zurück, in der ihr auch das Ingenieurstudium gute Dienste erwies. Als die generationsübergreifende Tagespflege „Poggen & Pöggskes“ am Dechaneihof entstand, merkten Architekten und Handwerker bald, dass sie es mit einer Frau vom Fach zu tun hatten. Wenn sie auch nicht nur gute Erinnerungen an dieses aufreibende Jahr hat, die Bauleiterin hat Monika Abe­ling offenbar nachhaltig beeindruckt: „Die hat die Männer strammstehen lassen.“

Über die Jahre im Dechaneihof, dessen Leitung sie 2017 an Andreas Schmidt übergab, sowie im Kreuzkloster, das nun Petra Porz leitet, sagt sie: „Es war ein sehr schönes Arbeiten.“

Leichter geworden sei die Arbeit in all den Jahren allerdings nicht. Einerseits, weil das Klientel schwieriger geworden sei. Früher seien die Bewohner rüstiger gewesen, wenn sie ins Altenheim zogen. Heute seien viele schon beim Einzug pflegebedürftig. Andererseits erleichterten die gesetzlichen Vorgaben nicht gerade das Tun: „Früher haben wir Medikamente, Arztbesuche und die Behandlungspflege dokumentieren müssen. Jetzt muss man alles Mögliche dokumentieren.“ Für die Bezugspflege bleibe den Altenpflegern da kaum Zeit: „Früher sind wir mit den Bewohnern Klamotten kaufen oder mal Eis essen gegangen. Heute machen das der Soziale Dienst oder die Betreuungsassistenten.“ Dennoch sei Altenpflege eine dankbare Aufgabe, findet Monika Abeling. „Man gibt viel und kriegt ganz viel zurück.“

Auf das, was jetzt kommt, freut sie sich. Mit Leidenschaft kümmert sie sich um zwei Gärten, nach einer Radtour zur Ältesten in Lübeck hat sie sich ein E-Bike bestellt, mit dem sie bald die Jüngste in Heidelberg besuchen möchte. Und im Winter wird gestrickt. Für die drei Töchter, den Pflegesohn und die sieben Enkelkinder.

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