Vom Verfahrensmechaniker zum Kaufmann: Stefan Kurlovich
„Schmackofatz“ aus der Region

Warendorf -

„Ich lege Wert auf regionale Produkte. Sie stammen ausschließlich von Höfen aus dem Kreis Warendorf und dem näheren Umland“, erzählt Stefan Kurlovich, der mit 51 Jahren seinen Job als Kunststoff-Verfahrensmechaniker an den Nagel gehängt hat und jetzt als Kaufmann den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Nach zwei Jahren Leerstand wird der kleine Laden an der Oststraße 38 wieder mit Leben gefüllt, keine Bäckerei, sondern ein Lebensmittelversorger der besonderen Art, der auch Brot und Brötchen im Sortiment führt. Eröffnung des Ladens mit dem Namen „Kosterei“ (Schmackofatz aus der Region) ist am Montag, 24. August.

Freitag, 31.07.2020, 20:44 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 15:36 Uhr
Bild aus alten Tagen: Bäckerei Schwartze an der Oststraße 38
Bild aus alten Tagen: Bäckerei Schwartze an der Oststraße 38 Foto: Joachim Edler

Im Tante-Emma-Laden gab es einst nichts, was es nicht gab. Emmas Enkel befindet sich in der Oststraße 38, mitten in der Warendorfer Altstadt. Ein Hauch von Nostalgie wird in dem gerade mal 40 Quadratmeter großen Lädchen spürbar. Das Haus ist zwischen 400 und 500 Jahre alt. Die alten Fliesen im Erdgeschoss sind wieder freigelegt worden. Eine alte Ladentheke bildet den Mittelpunkt. An der Wand ein Regal, auch ein Relikt aus alten Tagen, als noch eine Bäckerei im Erdgeschoss beheimatet war.

Nach zwei Jahren Leerstand wird der kleine Laden jetzt wieder mit Leben gefüllt, keine Bäckerei, sondern ein Lebensmittelversorger der besonderen Art, der auch Brot und Brötchen im Sortiment führt. Eröffnung des Ladens mit dem Namen „Kosterei“ (Schmackofatz aus der Region) ist am Montag, 24. August.

„Ich lege Wert auf regionale Produkte. Sie stammen ausschließlich von Höfen aus dem Kreis Warendorf und dem näheren Umland“, erzählt Stefan Kurlovich , der mit 51 Jahren seinen Job als Kunststoff-Verfahrensmechaniker an den Nagel gehängt hat und jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Und er ist begeistert: „Ich wusste gar nicht, dass es so viele Perlen hier gibt. Ein Aha-Erlebnis war für mich der Besuch auf dem Hof Tieskötter in Telgte, wo Sattelschweine gezüchtet werden.“

Kurze Wege sind dem Newcomer in der Lebensmittelbranche wichtig. Gerne erzählt Kurlovich, der in Bonn geboren und in München aufgewachsen ist, wie er den Entschluss fasste, nach 20 Jahren in seinem Beruf, einen Neustart zu wagen. „Nacht-, Früh- Spätdienst. Ich war den Schichtdienst leid, wollte etwas völlig anderes machen.“

Die Freundschaft zu Michael Schwartze , dem Eigentümer und Vermieter des Ladens an der Oststraße 38, gab die Initialzündung. Schnell wurde im erweiterten Freundeskreis, fast ausschließlich ehemalige Kita-Kunterbunt-Eltern, engagiert diskutiert, was man mit dem kleinen Lädchen, machen könnte, in dessen Erdgeschoss seit dem 19. Jahrhundert ununterbrochen ein Bäckermeister seinem Handwerk nachging. Wichtig: Etwas Regionales sollte es sein. Und nach mehreren „Sitzungen“ im Garten der Familie Schwartze bei dem ein oder anderen Glas Bier oder Wein stand am Ende das Konzept für die „Kosterei“. Der Namen ist schnell erklärt: „K“ für Kurlovich, „OST“ für Oststraße und der Rest steht für Verkostung.

Vermieter Michael Schwartze ist das kleine Lädchen wichtig, sein Elternhaus. Und eine wichtige Anlaufstelle im Ostviertel: „Eine dezentrale Lebensmittelversorgung für das Quartier.“ Und natürlich ist ihm der Fortbestand wichtig – auch, wenn es kein Bäcker ist, wie schon seine Eltern und Großeltern und er selbst einer war.

Einen Nachbarschaftstreff, wo sich Menschen kennenlernen und austauschen können, gemütlich Kaffee trinken oder auch ein Bier aus Hoetmar – auch das ist die Kosterei. Aussteiger Kurlovich: „Ich bin für jedes neue Produkt aus der Region, jede neue Idee, offen. Eine Bonbon-Manufaktor oder Lakritz – bei Süßigkeiten bin ich noch nicht fündig geworden. Auch beim Senf nicht – der kommt aus Bielefeld.“ Für Kunden, die einmal sehen möchten, woher das gekaufte Produkt kommt, bietet der Kaufmann Hofbesichtigungen bei seinen Lieferanten an. „Alles soll transparent sein.“

Klein, fein und regional: Kaffee und belegte Brötchen bereits ab 6.30 Uhr für Handwerker, ein Mittagstisch, jeden Tag eine frische Suppe, zum Mitnehmen oder zum Verzehren an den vier Sitzplätzen im Laden. Vormittags denkt Kurlovich über eine zusätzliche Kraft nach, ansonsten steht der Kaufmann allein hinter der Theke, kann sich aber der Unterstützung seiner Familie mit Ehefrau Alexandra und den Kindern Adam, Philipp und Victoria sicher sein. „Die Familie steht voll hinter mir. Meine Frau ist Psychotherapeutin, da bin ich in guten Händen“, scherzt der Kaufmann, „wenn es doch mal nicht so gut laufen sollte.“ Doch davon gehe er nicht aus.

In Corona-Zeiten ein gewagter Schritt in die Selbstständigkeit? Für Kurlovich kein Gegensatz – auch mit Blick auf den Corona-Ausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies im benachbarten Kreis Gütersloh. „Gerade in der Corona-Zeit entdecken Verbraucher zunehmend wieder regionale Lebensmittel, den Einkauf im kleinen Laden um die Ecke oder auf dem Wochenmarkt.“ Und das coronabedingt nur bis zu drei Kunden gleichzeitig den Laden betreten dürfen, spiele dem Kaufmann-Neuling in die Karten. Denn: „Alles ist neu für mich.“

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 6.30 bis 13.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 6.30 bis 12 Uhr.

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