Einzige öffentliche Kandidatenrunde
Drei Solo-Bewerbungsgespräche

Freckenhorst -

Es gab keine Überraschungen, weil die Überzeugungen der Kandidaten bekannt sind. Streitgespräche kamen auch nicht auf bei der Freckenhorster Runde im Stiftshof Dühlmann. Aber: Es war sachlich und informativ.

Donnerstag, 03.09.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 16:14 Uhr
Die Kandidaten mussten Antworten auf alle aktuellen Freckenhorster Themen geben: Axel Linke, Peter Horstmann und Peter Huerkamp (v.r.) hatten dafür Zeitvorgaben.
Die Kandidaten mussten Antworten auf alle aktuellen Freckenhorster Themen geben: Axel Linke, Peter Horstmann und Peter Huerkamp (v.r.) hatten dafür Zeitvorgaben. Foto: Andreas Engbert

Zweieinhalb Stunden Positionsabgleich auf einer Gasthaus-Bühne vor Live-Gästen – das war das einzige real-öffentliche Aufeinandertreffen von Warendorfs drei Kandidaten fürs Bürgermeisteramt. Eineinhalb Wochen vor der Wahl war das die Möglichkeit für die rund 100 Gäste im Stiftshof Dühlmann, Amtsinhaber Axel Linke , den parteilosen Kandidaten Peter Huerkamp und den von SPD, Grünen, FWG, der „Linken" und „Die Partei“ unterstützten Peter Horstmann live zu erleben. Ermöglicht hatte das die einladende Werbegemeinschaft.

Alles blieb ohne Überraschungen: Jeder vertrat seine Position, warb für sich, blieb keine Antwort schuldig. Weil Streitgespräche ausblieben, hatte das etwas von Bewerbungsgesprächen.

Kein verbaler Schlagabtausch

Axel Linke verwies  bei den von Christian Murrenhoff angefragten Handlungsbedarfen auf das Erreichte und das, was auf Basis seiner Initiativen durch seine Vorarbeit jetzt weiter vorangetrieben werde: Schaffung des vor fünf Jahren nicht vorhandenen Siedlungsraums, Aufbau von stadtweiter Breitband-Infrastruktur, Start des Strategieprozesses: „Vor fünf Jahren hatten die Ortsteile null Perspektive. Zweieinhalb Jahre später hatten alle Glasfaser, nach fünf Jahren Baugebiete in allen Ortsteilen“.

Vor fünf Jahren hatten die Ortsteile null Perspektive.

Axel Linke

Peter Huerkamp monierte, dass es in Warendorf noch einiges zu tun gebe. Ohne Menschen verunglimpfen zu wollen, nannte er das städtische Bauamt: Die Mehrzahl seiner Ansprechpartner hätten ihn darauf angesprochen. Deshalb werde er sich das, sollte er Bürgermeister werden, „sehr genau ansehen“. Auch das Zusammenwachsen der Ortsteile sei wichtig.

In Peter Horstmanns Augen fehlt es noch an Möglichkeiten für den Bürger, sich stärker einzubringen: „Andere Städte haben eine Bürgerbeteiligungssatzung.“ so etwas finde er wünschenswert auch für Warendorf. Aus seiner Sicht habe eine Verwaltung viel stärker „Ermöglicher“ als „Verhinderer“ zu sein.

Das gilt für alle drei Kandidaten auch in Bezug auf die Führung einer fast 400-köpfigen Verwaltung wie der Warendorfer. Sie legten Wert auf kooperative Leitung mit Zuweisung von Verantwortung.

Andere Städte haben eine Bürgerbeteiligungssatzung.

Peter Horstmann

Durchaus selbstbewusst wiesen Murrenhoff wie Co-Moderator Hermann Flothkötter auf den Stellenwert der Ortsteile hin, die schließlich 40 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Man habe den Eindruck, dass der Weg nach Freckenhorst weiter sei als der von dort nach Warendorf, fasste es Flothkötter augenzwinkernd-provokant zusammen. Gibt es Bürger erster und zweiter Klasse?

Das nun nicht gerade, meinte Peter Horstmann, aber es müsse schon stärker auf eine Behandlung in Augenhöhe geachtet werden, wenn ein Bauwilliger in Milte Grundstücke suche, aber auf In de Brinke verwiesen werde.

Die Ortsteile fühlen sich nicht wirklich wahrgenommen.

Peter Huerkamp

Peter Huerkamp widersprach dem. Die Stadtteile fühlten sich teils abgehängt und „nicht wirklich wahrgenommen“, was er aus Äußerungen über die Bedeutung der Bezirksausschüsse schlussfolgert, die ihm persönlich mitgeteilt worden seien. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, meinte er, sei noch nicht da.

Axel Linkes Gegenthese: Am Ende gehörten alle zu einer gemeinsamen Stadt. Natürlich habe jeder Ortsteil auch eine Identität. Aber die WSU habe auf ihren Kunstrasenplatz verzichtet, „damit Hoetmar und Müssingen zuerst ihren bekommen können.“ Es stimme also insgesamt. Das Thema B 64n fiel sehr kurz aus, was sich an den jedem Bewerber zugedachten, am Ende teils um mehrere Minuten überzogenen Redezeiten bemessen ließ: 15 Sekunden Begründung „pro“ oder „contra“ gab es. Axel Linke brauchte wenig mehr für sein kurzes Plädoyer für die Bundesstraße mit Vorteilen für Warendorf, Horstmann und Huerkamp ebenfalls bei ihrem „Nein“ und dem Appell, moderne Alternativen zu schaffen.

Alle drei für schnellen Bau der Ortsumgehung und Stärkung des Radverkehrs

Konkreter wurde es bei der Ortsumgehung Freckenhorst, deren möglichst schnellen Bau alle drei Aspiranten befürworten: Huerkamp und Linke auf jeden Fall die ortsferne. Sie isoliert, also ohne Anschluss an die B 64n, zu bauen, würde aber laut Axel Linke in Warendorf unzumutbare Verkehrsströme erzeugen.

Immer abhängig vom Bau der Ortsumgehung sieht der amtierende Bürgermeister jeglichen Fortschritt bei der Gestaltung der Ortsdurchfahrt in Freckenhorst. Peter Horstmann würde gerne beides getrennt parallel vorantreiben. Keinen Unterschied gibt es im Trio beim generellen Stellenwert des Radverkehrs.

Nach zweieinhalb Stunden sachlicher Reihung von Stellungnahmen und wenigen Zuschauerfragen endete das Treffen bei Dühlmann vor allem mit einem dicken Dankeschön der Kandidaten für die Organisation des von insgesamt 1000 Streaming-Nutzern verfolgten Abends.

Kommentar:So geht Diskussion

 

...

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7565541?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker