Sicherheits- und Hygienekonzepte greift
Bundeschampionate funktionieren auch ohne Besucher

Warendorf -

Rund 40 000 Besucher, zahlreiche Pferde und Reiter, Züchter und Besitzer kommen normalerweise zu den Bundeschampionaten nach Warendorf. Doch in diesem Jahr ist, der Corona-Pandemie geschuldet, vieles anders.

Freitag, 04.09.2020, 19:00 Uhr
Bei den Bundeschampionaten in diesem Jahr sind nur ausgewählte Personen - wie hier ein Wertungsrichter - zugelassen
Bei den Bundeschampionaten in diesem Jahr sind nur ausgewählte Personen - wie hier ein Wertungsrichter - zugelassen. Foto: Jonas Wiening

Als im März endgültig klar wurde, dass die Corona-Pandemie Deutschland und die Welt, zumindest für einige Zeit, erheblich verändert und einschränkt, zogen viele Veranstalter von Festen, Konzerten und Sportevents frühzeitig Konsequenzen. Eine riesige Absageflut zog sich durch das Land. Teilweise bis ins nächste Jahr hinein wurden Veranstaltungen gestrichen.

Bundeschampionate als "gutes Vorbild"

Doch die Veranstalter der Bundeschampionate verschwendeten kaum einen Gedanken daran, die Deutschen Meisterschaften der Jung-Pferde abzusagen. „Wir haben die Organisatoren kleiner Turniere dazu aufgerufen, ihre Veranstaltungen nicht abzusagen. Wir haben Hilfestellung bei Hygienekonzepten angeboten und wollten einfach, dass Reiter, egal ob als Hobby- oder Berufsreiter ihren Sport trotz der Pandemie ausüben können“, erklärt Markus Scharmann , Leiter des Bundesstützpunktes Reiten des Deuten Olympiade-Komitees für Reiterei ( DOKR ). Gerade deshalb habe man selbst die Bundeschampionate in Warendorf auch auf keinen Fall absagen wollen. Man wollte als „gutes Vorbild“ vorangehen.

Trotzdem war die Planung kein einfaches Unterfangen. Bei einer Großveranstaltung wie den Bundeschampionaten wird ein ausgefeiltes Sicherheits- und Hygienekonzept benötigt. „Das ist aber kein Roulette, was wir hier gespielt haben“, so Scharmann. Es sei eine sehr akribische Vorbereitung und Arbeit gewesen. In enger Abstimmung mit den Ordnungsbehörden gelang es dem Stützpunktleiter mit seinem Team ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten.

DSC_1041

Turnierleiter Markus Scharmann ist zufrieden mit dem bisherigen Turnierverlauf. Trotzdem vermisst er die vielen Pferdebesitzer, Züchter und Besucher. Foto: Jonas Wiening

Seit Mitte der vergangenen Woche laufen die Bundeschampionate am weitläufigen DOKR-Gelände jetzt. In den vergangenen Jahren fand das Turnier nur in einer Woche statt.

Um die Personenanzahl möglichst gering zu halten und das Geschehen zu entzerren, entschied man sich in diesem Jahr dazu, die Championate über zwei Wochen laufen zu lassen. Zuschauer sind in diesem Jahr nicht zugelassen. Dort wo sich sonst Tausende Pferdefans tummeln, herrscht in diesem Jahr Stille. Nur die Reiter und je zwei Begleitpersonen sind erlaubt. „Ob das Tierpfleger, Trainer oder gar der Besitzer ist, bleibt dem Reiter selbst überlassen“, so Markus Scharmann, der als Turnierleiter fungiert.

Rund 700 Pferde und fast 500 Reiter

Insgesamt rund 700 Pferde und fast 500 Reiter werden nach dem Wochenende auf den verschiedenen Turnierplätzen bei den Championaten geritten sein. „In der Spitze befinden sich rund 1100 Personen auf dem Gelände“, so Scharmann. Dabei kommt sich aber niemand in die Quere, denn das Areal des DOKR ist riesig. In den vergangenen Jahren waren es teilweise weit über 10 000 Besucher, die sich gleichzeitig auf dem Gelände aufgehalten haben. Die Corona-Regeln können also ohne Probleme eingehalten werden, versichert der Veranstalter.

Wenn Sie den folgenden Facebook Beitrag ansehen möchten, aktivieren Sie diesen bitte über den Button. Mit der Aktivierung des Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden, dass Daten an Facebook übermittelt werden.
Der Facebook-Post wird geladen

Und bis jetzt lief auch alles ohne Probleme. Hochklassige sportliche Wettkämpfe in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit wurden und werden geboten. In diesem Aspekt stehen die Bundeschampionate den Veranstaltungen der vergangenen Jahre in Nichts nach. Und doch ist es anders. „Die Besucher, Züchter und Pferdebesitzer, die fehlen einfach“, so Scharmann, der hinzufügt: „Das Bundeschampionat lebt auch davon, dass sich die Pferdewelt hier trifft.“ Auch wenn dies in diesem Jahr nicht möglich war und ist, erfüllt das Turnier trotzdem wichtige Aufgaben. Züchter, Besitzer und Fans haben die Möglichkeit sich die Prüfungen im Livestream im Internet anzuschauen. „Der Wirtschaftsfaktor ist groß“, so Scharmann, der sagt, dass es sich bei dem Bundeschampionat um ein Gütesiegel handele. Ein Pferd, das sich hierfür qualifiziert habe, steige direkt im Wert.

Die Besucher, Züchter und Pferdebesitzer, die fehlen einfach.

Turnierleiter Markus Scharmann

Einige Änderungen, insbesondere beim Aufbau, sind sogar so gut bei den Reitern und Betreuern angekommen, dass die Veranstalter sich vorstellen können, diese auch fürs kommende Jahr zu übernehmen. So gab es in diesem Jahr zum Beispiel einen neuen Stallaufbau ohne Stallgassen und mit einem für die Pferde freiem Blick nach draußen.

Situation 2021 neu bewerten

Wenn die Bundeschampionate am Sonntag zu Ende gehen, wollen die Veranstalter um Markus Scharmann erst einmal eine Woche durchatmen. Danach lässt man die Veranstaltung Revue passieren. „Und für das nächste Jahr überlegen wir dann neu, wie die Championate über die Bühne gehen können. Es kann ja auch noch niemand absehen, wie die Situation 2021 mit Corona aussieht. Oberstes Ziel wird es aber sein, dass wir wieder den Züchtern, Besitzern und Zuschauern die Möglichkeit bieten wollen, live dabei zu sein“, so Scharmann, der im WN-Gespräch immer wieder betont, wie dankbar er für die viele Unterstützung seiner Mitarbeiter, der treuen Sponsoren und der vielen Institutionen ist.

Pferde-Hochschule in Warendorf?

Ein Besucher, der trotz der strengen Vorgaben zu den Bundeschampionaten zugelassen war, war Bürgermeister Axel Linke. Auf Einladung des Generalsekretärs der FN, Soenke Lauterbach, bekam der Oberste Ratsherr in der vergangenen Woche eine Führung über das Championatsgelände. Linke spricht sich schon länger dafür aus, das Thema Pferd noch stärker als ohnehin schon in Warendorf in den Fokus zu rücken. Immer wieder kommt dabei auch die Idee einer Art Pferde-Hochschule in der Emsstadt auf. Markus Scharmann, Bundesstützpunktleiter des DOKR hält die Konzentration auf das Thema Bildung für eine gute Idee. Wenn FN, DOKR und das NRW-Landgestüt dabei kooperieren und die in Deutschland einzigartige Deutsche Reitschule im NRW Landgestüt weiter zu einer Art Kompetenzzentrum rund ums Pferd ausbauen könnten, „kann dies nur gewinnbringend sein“. Wichtig sei dabei, dass der praktische Aspekt nicht zu kurz komme, so Scharmann, der in diesem Zusammenhang Chancen für die Standortentwicklung und den Ausbau des Wirtschaftsfaktors Pferd für die Stadt Warendorf sieht.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7567540?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker