Interview mit neuem Bürgermeister Peter Horstmann
„Rechne mit Resolution gegen B 64n“

Warendorf -

Der 33-jährige Peter Horstmann setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Axel Linke durch und wird damit neuer Bürgermeister der Stadt Warendorf. Der parteiunabhängige Bürgermeister möchte bei allen Fraktionen um Unterstützung werben. Sein erster  Arbeitstag ist der 2. November. Seine erste Amtshandlung: „Ich werde mich bei meinen Mitarbeitern vorstellen, um sie kennenzulernen.

Montag, 28.09.2020, 04:32 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 11:20 Uhr
Der 33-jähriger Peter Horstmann setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Axel Linke durch und wird damit neuer Bürgermeister der Stadt Warendorf. Der parteiunabhängige Bürgermeister möchte bei allen Fraktionen um Unterstützung werben.
Der 33-jähriger Peter Horstmann setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Axel Linke durch und wird damit neuer Bürgermeister der Stadt Warendorf. Der parteiunabhängige Bürgermeister möchte bei allen Fraktionen um Unterstützung werben.

Jung, dynamisch, parteilos und politisch interessiert – so präsentierte sich Peter Horstmann in seinem Wahlkampf. Er mache vieles in seinem Leben zum ersten Mal, bekannte der 33-Jährige bei seiner Nominierung im Mai: Er habe erstmals ein Büro angemietet (Bürgerforum, Markt 7), erstmals einen Mitarbeiter eingestellt (seinen Bruder, Kampagnenmanager Paul Horstmann ). Vier Monate später bekleidet er das Amt des Bürgermeisters. Sein erster Arbeitstag wird am 2. November sein. Ein Montag. WN-Redakteur Joachim Edler sprach mit dem neuen Bürgermeister.

Als Bürgermeister wollen Sie gegenüber allen Ratsfraktionen, allen Bürgern und Interessengruppen „die gleiche Nähe“ praktizieren. Rechnerisch haben Ihre Unterstützer, SPD, Grüne, FWG, Die Linke und Die Partei, eine Mehrheit im neuen Rat. Was bedeuten die neuen Machtverhältnisse für Ihre Arbeit?

Horstmann: Es ist bunter geworden im Rat. Ich gehe von wechselnden Mehrheiten aus. Das ist auch eine Chance für die alte Mehrheit von CDU und FDP, sich ein Stückweit neu zu erfinden. Und eine Chance für jedes Ratsmitglied, seine eigenen Ideen einzubringen. Ich verspreche mir vom neuen Rat eine offenere Diskussions- und Debattenkultur. Ich werde für jede meiner Initiativen als Bürgermeister um breite Unterstützung möglichst vieler Fraktionen werben.

Was werden die kommenden Themen sein?

Horstmann: Emsinsel, B64n und Mobilitätswende sind nur drei wichtige und spannende Themen. Ich lehne die Umgehungsstraße in ihrer jetzigen Planung ab, verweigere aber nicht automatisch Kompromisse. Das ist für mich keine Kursänderung. Ein Kompromiss könnte am Ende auch eine kleinere Umgehungsstraßen-Lösung sein, nicht so überdimensioniert: Weniger Brückenbauwerke, weniger Flächenverbrauch. Dazu gehört aber auch, sich den Status Quo der jetzigen Bundesstraße mit Blick auf ein Mobilitäts-Konzept (zum Beispiel grüne Welle) noch einmal anzuschauen. Immer unter dem Aspekt: Was können Kompromisse sein, um die Verkehrssituation im Ort zu entlasten?

Können Sie sich vorstellen, dass der neue Rat eine Resolution gegen die bisherige B 64n-Planung auf den Weg bringt?

Horstmann: Ja, meine Unterstützerparteien und auch ich haben sich im Wahlkampf gegen die jetzigen Planungen ausgesprochen. Ich gehe daher davon aus, dass es sehr bald zu einer entsprechenden Resolution kommen wird, wie wir sie aus Münster, Telgte oder Beelen kennen. Wenn sich die ganze Region gegen diese Planung ausspricht, wird dies irgendwann auch in Berlin und Düsseldorf gehört. Und in einem Jahr sind ja Bundestagswahlen und vielleicht ist der Bundesverkehrsminister dann ja auch ausnahmsweise kein CSU-Mann mehr. Dann könnte sich auch in der bundespolitischen Mobilitätspolitik etwas bewegen.

Sie wollen eine Stadt, die grün, lebendig, innovativ, mobil und sozial ist. Was heißt das?

Horstmann: Weniger Müll, mehr Ökostrom, eine Emsinsel mit dem Erhalt von Bau- und Baumbestand und nur zurückhaltender Neubebauung. Gerade für die kleineren Ortsteile sind Bürgerbuslinien, aber auch genossenschaftlich geführte Dorfläden zu fördern sowie Treffpunkte als Orte des Austauschs für jedermann. Die Bedingungen für den Fahrradverkehr müssen besser werden, ebenso das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs, damit Autofahrer gern und freiwillig umsteigen.

Können Sie sich eine autofreie Innenstadt vorstellen?

Horstmann: Ja, eine solche Vision darf man haben. Aber um dieses Thema anzupacken, müssten vom Anwohner bis zum Gewerbetreibendenden, vom jungen Menschen bis zum Senior, alle an einen Tisch. Wichtig finde ich zum Beispiel auch, dass die Aufenthaltsqualität auf dem Stiftsmarkt in Freckenhorst deutlich aufgewertet wird, zum Beispiel durch eine Einbahnstraßenlösung – wie in Telgte.

Wie stehen Sie zur Emsinsel-Planung?

Horstmann: Das wird das dickste Brett bleiben. Die Entwicklung der Emsinsel ist eine riesige Chance für Warendorf, sich weiter zu entwickeln. Ein Anker für die Altstadt. Und eine Warendorfer Position ist noch kein Bebauungsplan.

Was ist gut gelaufen in den vergangenen Jahren in Warendorf?

Horstmann: Das ehrenamtliche Engagement finde ich herausragend. Das gilt es weiter zu bestärken. Auch das Bewusstsein für Klimaschutz und nachhaltiges Leben ist gestiegen. Das innovative Wärmekonzept im neuen Baugebiet In de Brinke ist oberster Standard und findet auch überregional Experten-Beachtung.

Was ist nicht gut gelaufen in den vergangenen Jahren in Warendorf?

Horstmann: Das hat man gerade in der Schlussphase des Wahlkampfes gesehen: das politische Klima ist aufgeheizt. Auch im Bereich der Bürgerbeteiligungen ist es zu großen Enttäuschungen gekommen.

Wie sehen Sie den Wahlkampf rückblickend?

Horstmann: Corona war schon eine große Herausforderung – aber auch eine Chance, neue digitale Formate wie den Podcast „Horstmann hört hin“ zu nutzen. Wir haben uns vorgenommen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, sei es auf Radtouren, hier im Bürgerforum oder an den Infoständen. Das hat mir gezeigt, dass das der richtige Ansatz war. Dass es in der Schlussphase – übrigens von allen Seiten – zu persönlichen verbalen Angriffen gekommen ist, ist beschämend und war sicherlich nicht von den Kandidaten oder den direkten Unterstützern gesteuert. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen meinen Unterstützern, ganz besonders bei meinem Bruder Paul. Er studiert Medienwissenschaften und Pädagogik in Paderborn. Seine Unterstützung war schon sehr außergewöhnlich und eine besondere Vertrauensbasis im Wahlkampf.

Was meinen Sie: Warum haben so viele Bürger Sie gewählt?

Horstmann: Das müssen Sie eigentlich die Wähler fragen. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich es geschafft habe, Vertrauen aufzubauen – Vertrauen in meine Fähigkeiten, meine Persönlichkeit, meine Ansichten und Einstellungen. Der Wunsch nach frischem Wind in Warendorf wurde mir häufig angetragen.

Was ist Ihre erste Amtshandlung als neuer Bürgermeister?

Horstmann: Ich werde mich bei meinen Mitarbeitern vorstellen, um sie kennenzulernen.

Was nehmen Sie an persönlichen Dingen mit in Ihr Büro?

Horstmann: Ein großes Bild des Berliner Malers Dieter Zander. Es hängt jetzt auch in meinem Büro in der Bezirksregierung Münster. Es ist abstrakte Malerei und soll einen Hafen darstellen.

Wo werden Sie wohnen?

Horstmann: Natürlich in Warendorf. Ich habe zurzeit noch eine Wohnung in Münster, die aber während des Wahlkampfes verwaist war. Ich habe in einem Gästezimmer meiner Schwester und ihres Freundes in der Oststraße gewohnt. Jetzt suche ich in Warendorf eine neue Wohnung.

Vielen Dank.

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