Homeschooling an der Laurentiusschule
Videokonferenz als beliebtes Ritual

Warendorf -

Für viele Menschen hat sich der digitale Kontakt zu den Arbeitskollegen oder der Familie gerade in der Coronazeit intensiviert. Auch an den Schulen hat diese Form der Kommunikation Einzug erhalten. Eltern, Schüler und Lehrer der Laurentiusschule gewährten jetzt einen Blick hinter die Kulissen des Homeschoolings.

Donnerstag, 08.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 00:20 Uhr
Schüler, Eltern und Lehrer der Laurentiusschule haben einen Blick hinter die Kulissen ihres Homeschooling-Konzeptes gegeben (h. v. l.): Schulpflegschaftsvorsitzende Chiara Köhne, Konrektorin Kathrin Sellmeier, Schulleiterin Barbara Schulze Niehues, Klassenlehrerin SEP Hannah Büscher, Klassenlehrerin der 4a Susanne Rees sowie (v. v. l.) Carlotta und Mila.
Schüler, Eltern und Lehrer der Laurentiusschule haben einen Blick hinter die Kulissen ihres Homeschooling-Konzeptes gegeben (h. v. l.): Schulpflegschaftsvorsitzende Chiara Köhne, Konrektorin Kathrin Sellmeier, Schulleiterin Barbara Schulze Niehues, Klassenlehrerin SEP Hannah Büscher, Klassenlehrerin der 4a Susanne Rees sowie (v. v. l.) Carlotta und Mila. Foto: Alex Piccin

Nicht bloß Kinder wachsen mit ihren Aufgaben. Auch die Laurentiusschule hat diese Erfahrung in den vergangenen Monaten gemacht, als es hieß, die Schüler außerhalb des Präsenzunterrichts zu Hause zu beschulen – das so genannte Homeschooling. Jetzt haben Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung einen Blick hinter die Kulissen dieses pädagogischen Modells für die Lockdownphase eröffnet.

Mila ist sieben Jahre alt und im zweiten Lernjahr. Mit der Zeit zwischen März und Mai, als der Schulbetrieb erstmals in Coronazeiten gänzlich zum Erliegen kam, hatte sie sich ganz gut arrangiert. Damals schnürte die Laurentiusschule analoge Lernpakete und gab sie den Schülern mit oder ließ sie verteilen. In den vergangenen beiden Wochen ist das Prozedere für alle Schüler elektronischer geworden, denn sie befanden sich zu Hause in Quarantäne.

Ich fand es gut, die Möglichkeit zu haben, die Lehrerin und die Mitschüler wiederzusehen.

Mila Köhne (7)

Mithilfe von gespendeten Laptops sind alle Kinder „digitalisiert“ worden ( WN berichteten). Als ein beliebtes Ritual galt die tägliche Videokonferenz im Lerngruppenverbund. „Ich fand es gut, die Möglichkeit zu haben, die Lehrerin und die Mitschüler wiederzusehen“, blickt Mila zurück. „Insgesamt war das Lernen zu Hause ganz okay. Ich bin eben gerne in der Schule.“

Ihre Mutter und Schulpflegschaftsvorsitzende Chiara Köhne empfand diesen direkten digitalen Austausch als Erleichterung: „Die festen Zeiten haben den Kindern Struktur in ihrem Tagesablauf gegeben.“

Die ältesten Grundschüler hatten bereits im Frühjahr Videokonferenzerfahrungen gemacht. Das Kollegium hat sein Wissen über das Meeting-Tool „Zoom“ und der Lernplattform „IServ“ im Sommer vertieft. „Es war wichtig, die Eltern und Schüler behutsam heranzuführen“, erklärt Konrektorin Kathrin Sellmeier. Während sich die Lehrkräfte zum Teil erst in die Funktionsweise der Software reinfuchsen mussten, ging den Kindern der Umgang damit nach einer kurzen Anleitung leicht von der Hand.

Positiver Lerneffekt

Sicherlich sei die erste Stunde ungewohnt und bisweilen recht laut gewesen, sagt Hannah Büscher, Klassenlehrerin der Schuleingangsphase (SEP): „Jedes Flüstern mit dem Elternteil oder das Essen eines Apfelstücks wurde über das Mikrofon übertragen.“ Die Geräuschkulisse, die in der Klasse sonst nur sie intensiv erlebt, wirkte sogleich auf die Kinder. In der zweiten Stunde war es deutlich ruhiger. Ein positiver Lerneffekt – oder eben ein ausgeschaltetes Mikro.

Während der ersten Lockdownphase im Frühjahr befand sich Chiara Köhne in einer glücklichen Situation, wie sie sagt: „Ich habe meine Bachelorarbeit geschrieben und war entsprechend zu Hause. Andere Haushalte haben sich gegenseitig unterstützt.“ Schule und Eltern gaben Tipps für den Unterricht in den eigenen vier Wänden und für die Freizeit.

Wir Eltern haben uns durch die Schule sehr gut unterstützt gefühlt.

Chiara Köhne

Dieser positiver Austausch habe sich in den vergangenen Wochen wiederholt, so Köhne: „Wir Eltern haben uns durch die Schule sehr gut unterstützt gefühlt. Es ging nicht bloß um den Wissensstand, sondern auch um die emotionale Ebene. Die Kinder wurden gefragt, wie sie sich fühlen.“

Die Herbstferien sollen in der Laurentiusschule genutzt werden, um das Homeschooling-System weiter zu perfektionieren. Geplant ist, ein digitales Aufgabentool zu implementieren. Die Schule möchte sich für den Fall der Fälle, aber auch für die Zukunft gerüstet sehen. Das digitale Lernen könne durchaus als Ergänzung im Schulalltag dienen, sofern die dazu nötige Infrastruktur geschaffen wird.

Nichtsdestotrotz ersetzt eine Videokonferenz keine sozialen Kontakte. Das wurde am Donnerstagmorgen deutlich, als die über 170 Schüler erstmals wieder in die Klassen durften. Schulleiterin Barbara Schulze Niehues hatte die Szenerie genau beobachtet: „Die Kinder haben sich ohne Ende gefreut.“

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