Stadtwerke-Geschäftsführer im Interview zum Thema „Heizen“
Intelligente Systeme gefragt

Warendorf -

Um Wärme in die eigenen vier Wände zu bringen, stehen Bauherren viele Türen offen. Welche Alternative passt am besten? Oft ist das von ganz individuellen Faktoren abhängig, erläutert Urs Reitis (kleines Bild), Stadtwerke-Geschäftsführer, im Gespräch mit unserer Zeitung

Dienstag, 13.10.2020, 14:32 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 15:40 Uhr
Um Wärme in die eigenen vier Wände zu bringen, haben Bauherren viele Alternativen. Welche passt am besten? Oft ist das von ganz individuellen Faktoren abhängig, erläutert Urs Reitis (kleines Bild), Stadtwerke-Geschäftsführer, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Um Wärme in die eigenen vier Wände zu bringen, haben Bauherren viele Alternativen. Welche passt am besten? Oft ist das von ganz individuellen Faktoren abhängig, erläutert Urs Reitis (kleines Bild), Stadtwerke-Geschäftsführer, im Gespräch mit unserer Zeitung. Foto: dpa/Christian Hager

Gas, Öl, Pellets, Holz oder doch lieber Fernwärme – oder eine Wärmepumpe? In der Welt der Heizungssysteme gibt es viele Alternativen. Urs Reitis , Geschäftsführer der Stadtwerke Warendorf, beantwortete im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Rebecca Lek einige Fragen rund ums Thema Heizungen.

 

Welche Möglichkeiten haben Eigenheimbesitzer, um ihr Haus zu beheizen?

 

Reitis: Es gibt grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten, sein Haus zu beheizen. Welche Variante im Einzelnen gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So ist zum Beispiel im landwirtschaftlichen Außenbereich gegebenenfalls keine Gasleitung vorhanden, an die ich mein Haus anschließen kann. Im städtischen Bereich sind oft Gasleitungen verlegt, und eine Gastherme ist eine Möglichkeit. Es können aber auch Wärmepumpen oder ein Anschluss an eine eventuell vorhandene Fernwärmeleitung in Betracht kommen.

Gibt es Unterschiede, ob ich neu baue oder eine bereits bestehende Immobilie erwerbe?

 

Reitis: Bei einem Neubau ist ein guter Dämm- und Energiestandard bereits gesetzlich vorgegeben, was bei einer älteren Bestandsimmobilie meistens nicht der Fall ist. Von dem jeweils verbauten Wärmedämmstandard ist meistens die Wahl der Wärmeerzeugungsanlage abhängig. Bei älteren Immobilien ist meistens ein hohes Temperaturniveau erforderlich, wogegen im Neubau oftmals Heizsysteme verbaut werden, die mit geringen Temperaturen auskommen wie zum Beispiel eine Fußbodenheizung. Generell kann man sagen, dass Heizsysteme mit geringem Temperaturniveau effizienter betrieben werden können. Aber auch im Altbau ist es möglich, mit entsprechenden Investitionen und intelligenten Systemen einen niedrigen Energieverbrauch zu erzielen.

Welche Heizsysteme bieten die Stadtwerke an?

 

Reitis: Beim Thema Wärme fokussieren wir uns auf die Entwicklung innovativer Nahwärmenetze, die eine möglichst hohe Effizienz und einen Kostenvorteil gegenüber anderen Systemen erzielen. Welches Wärmeversorgungssystem im Einzelnen zum Einsatz kommt, muss projektspezifisch entschieden werden und hängt von vielen Rahmenbedingungen und der vor Ort vorhandenen Infrastruktur ab. Bei unserem ersten Nahwärmegebiet im Baugebiet Kardinal von Galen Straße erfolgt die Wärmeerzeugung durch den Einsatz eines modernen Blockheizkraftwerkes, welches sehr effizient sowohl Wärme als auch Strom produziert. Wärmeübergabestationen in den Gebäuden verbinden unser Netz direkt mit dem Heizsystem der Kunden. Somit wird Wärme verbrauchsnah erzeugt, mit einem Wirkungsgrad von über 90 Prozent.

Im Neubaugebiet In de Brinke sind die Stadtwerke auch aktiv. Was konnte dort umgesetzt werden?

 

Reitis: Im neuen Baugebiet In de Brinke konnten wir noch einen Schritt weiter gehen. Hier gewinnen wir eine nahezu klimaneutrale Wärmeversorgung über Erdwärmesonden und -kollektoren, die die geothermische Energie aus dem Untergrund fördert und über ein Rohrleitungsnetz an die Haushalte verteilt. Wärmepumpen in den jeweiligen Objekten, die an das Nahwärmenetz angeschlossen sind, werden mit 100 Prozent Ökostrom betrieben. Gegenüber einer herkömmlichen Wärmeversorgung können damit 100 Prozent der CO₂-Emissionen eingespart werden. Für Bauherren bedeutet das nicht nur eine entsprechend umweltfreundliche und nachhaltige Wärmeversorgung, sondern auch, dass sie keine weiteren regenerativen Bestandteile zur Deckung des häuslichen Energiebedarfs nach dem Erneuerbare Energien Wärmegesetz nachweisen müssen. Das spart Geld bei den Investitionskosten! Der bescheinigte Primärenergiefaktor liegt bei 0,47. Hier gilt, je geringer der Wert, desto besser. Heizöl liegt beispielsweise bei einem Primärenergiefaktor von 1,1. Mit dem Ziel, weitere Quartiere in Warendorf, darunter auch bestehende, zu erschließen und auf CO-ärmere oder sogar -neutrale Wärmekonzepte umzurüsten, treiben die Stadtwerke die Wärmewende auf lokaler Ebene voran. Schon 2021 erfüllt die Stadt Warendorf in dem neuen Baugebiet die Klimaschutzziele der Bundesregierung für das Jahr 2050.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

 

Reitis: Bei einer Umstellung von Öl auf Gas zahlen wir, die Stadtwerke Warendorf, beziehungsweise die Warendorfer Energieversorgung einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 150 Euro, bei gleichzeitigem Abschluss eines Liefervertrags „WarendorfGas“. Es gibt Bafa-Förderungen für verschiedene Heizsysteme. Beispielsweise werden beim Austausch einer Ölheizung gegen eine Gas-Hybrid (inklusive Solarthermie) 40 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen. Beim Einsatz einer Wärmepumpe sogar 45 Prozent.

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