Erster Arbeitstag für Bürgermeister Peter Horstmann
Einführung in skurrilem Rahmen

Warendorf -

Ohne Selters, Sekt und Kanapees ging die Amtseinführung des neuen Warendorfer Bürgermeisters Peter Horstmann am Montagvormittag im Sitzungssaal des Rathauses über die Bühne. An Tag eins beschäftigte den Verwaltungschef natürlich auch direkt das Corona-Virus.

Montag, 02.11.2020, 14:46 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 17:27 Uhr
Peter Horstmanns erster Arbeitstag als Chef der Verwaltung begann am Montag mit einer Telefonkonferenz mit den Bürgermeister-Kollegen aus dem Kreis. Das zentrale Thema war – natürlich – Corona
Peter Horstmanns erster Arbeitstag als Chef der Verwaltung begann am Montag mit einer Telefonkonferenz mit den Bürgermeister-Kollegen aus dem Kreis. Das zentrale Thema war – natürlich – Corona Foto: Joke Brocker

Das moderne Gemälde eines mit der Familie Horstmann befreundeten Künstlers lehnt noch an der Wand. Auch für die einen Dackel in den Armen haltende Gorilla-Skulptur, an der sein Herz hängt, muss er noch den perfekten Platz finden. Doch zum Einrichten seines Büros hat der neue Warendorfer Bürgermeister Peter Horstmann am Montagmorgen keine Zeit.

Kaum haben das Team und seine Assistentin Ulrike Jakisch ihn mit einem herbstlich-bunten Blumenstrauß und einem kleinen Präsent in Empfang genommen, ruft auch schon die Pflicht. Udo Gohl, Sachgebietsleiter Schule, meldet Gesprächsbedarf an, wenig später sitzt Horstmann in seiner ersten Telefonkonferenz mit den Amtskollegen der umliegenden Städte und Gemeinden. Natürlich geht es um Corona und die neuesten Verordnungen.

Auch danach keine Gelegenheit zum Verschnaufen. Gemeinsam mit dem Ersten Beigeordneten Dr. Martin Thormann macht sich Horstmann auf den Weg ins Historische Rathaus, in der Fußgängerzone freudestrahlend von einem Passanten gegrüßt: „Ah, heute ist der große Tag.“

Kurz vor dem Ziel auf dem Marktplatz ein kurzer Zwischenstopp am Bürgerforum, vor dem der Verwaltungschef seine Eltern entdeckt hat. Der Begrüßung ihres Sohnes durch Rat und Verwaltung, die wenige Minuten später im Sitzungssaal des Rathauses beginnt, können diese aufgrund der Vorgaben der Corona-Schutzverordnung nicht beiwohnen. Noch am Freitag habe er aufgrund der überarbeiteten Verordnung sechs Gästen wenig charmant absagen müssen, bedauert Dr. Martin Thormann, als er Vertreter von Rat, Verwaltung und Medien zu der Veranstaltung in „skurril“ anmutendem Rahmen – es gibt weder Sekt noch Selters noch Kanapees – begrüßt.

Der Bürgermeister werde auf ein engagiertes Team treffen, in dem eine gute Kultur der Zusammenarbeit gepflegt werde, das aber auch geführt werden müsse und wolle, kündigt Thormann in einer kurzen Rede an. Eine gute politische Kultur werde auch im Rat der Stadt gepflegt; ohne Fraktionszwänge, dafür mit Diskussionen auf einer guten Sachebene. Die Zusammenarbeit mit den rund 400 Mitarbeitern der Verwaltung und mit dem Rat könne unter solchen Umständen gelingen. „Das müsste, das könnte gut werden“, so Thormann. Die Bürger der Stadt seien dem neuen Verwaltungschef mit einem beachtlichen Vertrauensvorschuss begegnet. Zudem habe der Umgang mit Corona das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung gestärkt. Also könnte und müsste auch das gut werden.

Das neue Amt bringe aber auch verschiedene Anforderungen mit sich. Horstmann sei nun Chef der Verwaltung. Damit kämen viele Themen auf ihn zu, wegen Corona, aber auch, weil sich die Stadt weiter entwickele. Thormann: „Da ist viel zu tun.“ Als Chef des Rates habe er teilweise schwierige Prozesse zu steuern: „Da kommt was auf Sie zu.“ Als Repräsentant der Stadt müsse Horstmann darauf gefasst sein, dass die Bürger mit immensen Erwartungen an ihn heranträten. Ein Zwölf-Stunden-Tag werde nicht reichen, all diese berechtigten Erwartungen der Menschen erfüllen zu können, bemerkte der Beigeordnete und riet Horstmann, Ruhe und Gelassenheit zu bewahren, die richtigen Prioritäten zu setzen, auf sich zu achten und sich nicht verschleißen zu lassen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser begrüßte Peter Horstmann im Namen ihrer Ratskollegen und erinnerte daran, dass es einer starken Crew bedürfe, um das „Schiff Stadt“ durch alle Unbilden zu steuern. Aristoteles zitierend – „Wir können den Wind nicht bestimmen, aber wir können die Segel richtig setzen“ – signalisierte sie ihm die Bereitschaft des „sehr guten Rates“, mit dem neuen Bürgermeister zusammenzuarbeiten.

Horstmann selbst dankte allen Unterstützern, aber auch CDU und FDP für erst konstruktive Gespräche, Familie und Freunden, insbesondere seinem Bruder Paul, sowie der Verwaltung für die bisher geleistete gute Arbeit. Mit einem 100-Tage-Plan werde er nicht aufwarten, kündigte er an. Natürlich werde ein Haushaltsplan auf den Weg gebracht. Die nächsten, wohl von Corona geprägten Monate wolle er nutzen, die Mitarbeiter kennenzulernen und sich in die komplexen Vorgänge und Themen einzuarbeiten.

Mit Blick auf den in einer „existenziellen Phase“ greifenden „Lockdown light“ rief er alle Bürger dazu auf, die Gastwirte und den Einzelhandel sowie die Kulturschaffenden vor Ort zu unterstützen. Abseits der Krisenbewältigung freue er sich als „erster Freckenhorster Bürgermeister seit Tönne Deiter“ auf die Zusammenarbeit mit allen in Warendorf und Ortsteilen, versicherte Horstmann, um seinen Zuhörern dann zuzurufen: „Ran an die Arbeit!“

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