Konfirmanden setzen sich mit der Bibel auseinander und schaffen kleine Kunstwerke
Glaube, Kreativität und Spiritualität

Warendorf -

Die Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde haben sich künstlerisch mit ihrem Glauben auseinandergesetzt. Dabei sind ganz individuelle Werke entstanden, die in der Christuskirche zu sehen sind.

Mittwoch, 04.11.2020, 22:29 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 11:09 Uhr
Ganz individuelle Kunstwerke von Jugendlichen werden noch bis zum 28. November in der Christuskirche ausgestellt.
Ganz individuelle Kunstwerke von Jugendlichen werden noch bis zum 28. November in der Christuskirche ausgestellt. Foto: Stephan Ohlmeier

Viele Bücher fristen jahrelang ein unscheinbares Dasein im Bücherregal. Angestaubt, weil selten noch herausgeholt. Dass in den „alten Schinken“ noch viel mehr steckt, wenn man ihnen eine zweite Chance gibt, haben rund 20 Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde bewiesen. Über die Herbstferien gestalteten sie ganz individuelle Kunstwerke, die so vielfältig wie ihre eigene Persönlichkeit und ihr Glauben sind.

Neues Leben

„Innerhalb der Fachkonferenz Jugend des Evangelischen Kirchenkreises Münster haben wir überlegt, wie wir Jugendliche zum Reformationstag durch die Arbeit mit Bibeln miteinander verbinden können“, verrät Pfarrer Herwig Behring. Daraufhin sei die Idee geboren worden, im Rahmen der Aktion „Reformationstag – irgendwie anders“ Bücher upzucylclen – diese zu reformieren und ihnen neues Leben einzuhauchen: „Alte Bücher gibt es schließlich ohne Ende.“

Pfarrer Behring ist überzeugt, dass es nicht wenigen Menschen zunehmend schwerer falle, die in der Bibel verwendete Sprache zu verstehen. Umso wichtiger sei es, Möglichkeiten zu schaffen, wie man sich mit seinem Glauben auseinandersetzen und diesen erlebbar machen kann.

Im Konfirmationsunterricht habe er den Jugendlichen eine alte Bibel aus dem Jahr 1912 mitgebracht und ihnen gesagt, dass sie diese auseinanderreißen dürften. Niemand habe sich jedoch getraut, was auch als Zeichen des Respektes vor der Bibel zu werten sei: „Dann habe ich selbst angefangen, Seiten herauszureißen.“

Gott ist nämlich das ganze Jahr bei uns.

Joyce Haldorn

Ihm sei wichtig, den Konfirmanden die Möglichkeit zu geben, neue Seiten an sich – wie zum Beispiel Glaube, Kreativität und Spiritualität – zu entdecken.

Über die Herbstferien habe er ihnen daher den Auftrag gegeben, eigene Kunstwerke zum Thema „Bibel und Glaube“ zu entwickeln.

Während einige sich gleich noch im „Konfi-Unterricht“ an die Arbeit gemacht hätten, um ein altes Gesangbuch zu einem Schatzkästchen oder Leinwände zu bemalen, brauchten andere zunächst einen Moment zum Nachdenken. „Ich habe mir erst überlegt, was ich gerne machen möchte“, verrät Konfirmandin Joyce Haldorn. Ohne zu googeln sei ihr schließlich die Idee gekommen, in einem Buch die vier Jahreszeiten darzustellen: „Gott ist nämlich das ganze Jahr bei uns.“

Chinesisch

Eine ganz andere Idee hatte Ava Linning: „Ich lerne chinesisch und habe auf eine Leinwand Schriftzeichen gemalt, die für das stehen, was ich mit Gott verbinde.“ Es sind Begriffe wie Liebe, Hoffnung, Treue und Vertrauen in Gott.

Maya Böhm hingegen hat ein Kirchenfenster gestaltet, bei dem der Betrachter nicht genau wisse, ob er in oder vor der Kirche stehe: „Gott ist überall, egal wo man ist und was man sieht.“

Thematisch sind vor allem Schatzkästchen aus alten Büchern und Leinwandmalereien entstanden. „Es ist nicht ,Copy and Paste‘, sondern etwas ganz Eigenständiges entstanden. Diese Kreativität beeindruckt mich“, lobt Pfarrer Herwig Behring die Konfirmanden und einige Jugendlichen aus dem „@ttic“, die ebenfalls an der Aktion teilgenommen haben: „Glaube ist bunt und vielfältig.“ Ohne ein Werk hervorheben zu wollen, sei er von der Arbeit von Lennon Risse beeindruckt, der rund um den Psalm 46 aus der Lutherbibel „Eine feste Burg ist unser Gott“, eine echte Burg gezeichnet habe.

Halt geben

Alle Werke sind noch bis zum 28. November in der Christuskirche ausgestellt. „Ich möchte, dass die Kirche ein Ort der Hoffnung für alle Menschen ist“, sagt Behring. Gerade jetzt, wo das öffentliche Leben wieder deutlich heruntergefahren wird, habe er sich bewusst dafür entschieden, die Öffnungszeiten der Christuskirche auf täglich von 11 bis 17 Uhr auszudehnen: „Jeder ist willkommen. Die Arbeiten der Konfirmanden regen an, still zu werden und sich eigene Gedanken zu machen.“

Für dieses Angebot ist auch Martin Borowy-Böhm dankbar: „Hier in der Gemeinde lebt man den Glauben und lässt Raum, sich mit Gott auseinanderzusetzen. Das gibt mir Halt.“ Zugleich seien die Arbeiten der Jugendlichen ein Zeichen dafür, wie wichtig Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft sind.

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