Friedel Rose feiert heute einen runden Geburtstag
Der „Heimaterklärer“ wird 80

Freckenhorst -

Seinen 80. Geburtstag begeht heute Friedel Rose, das wandelnde Freckenhorster Geschichtsbuch. Mit den WN hat er auf die letzten acht Jahrzehnte zurückgeblickt.

Dienstag, 10.11.2020, 05:35 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 05:40 Uhr
Friedel Rose, ein wandelndes Freckenhorster Geschichtsbuch, wird heute 80 Jahre alt. Übrigens: Die Bilder an der Wand im Hintergrund hat er
Friedel Rose, ein wandelndes Freckenhorster Geschichtsbuch, wird heute 80 Jahre alt. Übrigens: Die Bilder an der Wand im Hintergrund hat er

„Ich hätte hier nie weggehen können, da wäre ich gestorben“, ist Friedel Rose überzeugt. Selbst im Urlaub habe er stets Heimweh nach Zuhause gehabt. Und wenn er seine Schwester in Berlin besuche, ziehe es ihn spätestens nach drei Tagen zurück nach Freckenhorst.

Dort, in der Feidiekstraße, wurde der Freckenhorster heute vor 80 Jahren geboren. Mitten im Zweiten Weltkrieg „Meine Mutter hat immer gesagt: ,Wenn wir erst mal wieder Frieden haben.‘ Ich wusste gar nicht, was sie meinte. Ich kannte es ja nicht anders“, blickt der Jubilar auf seine von nächtlichen Fliegeralarmen geprägten ersten Kindheitsjahre zurück.

Aufgewachsen seien er und seine drei Geschwister in ärmlichen Verhältnissen, erzählt er. In seinem Geburtshaus an der Feidiekstraße habe es lediglich eine Küche und ein Schlafzimmer gegeben. Als die Engländer einmarschierten und das Haus für sich beanspruchten, musste die Familie binnen Stunden an die Warendorfer Straße umziehen. In eine „Bude“ schräg gegenüber der Bäckerei Averhoff. Dort habe er, auf einem mit Porzellan gefüllten Wäschekorb stehend, den Einzug von Panzern und Soldaten am Karfreitag 1945 beobachtet, bemüht Rose seine frühesten Kindheitserinnerungen. Dabei sei wohl einiges Porzellan zu Bruch gegangen.

Der Fünfjährige besuchte damals bereits den Kindergarten am Kloster. Auf die Frage, warum er denn nicht den deutlich näher gelegenen Kindergarten in einer Baracke unweit des heutigen Friedhofs besuchen dürfe, habe seine Mutter immer einen Spruch parat gehabt: „Händchen falten, Köpfchen senken, stets an Adolf Hitler denken.“ Der Diktator sei zu diesem Zeitpunkt schon fast Vergangenheit gewesen.

Zum ersten Tag in der Volksschule habe es keine Schultüte gegeben, erinnert sich Rose. Eine Schiefertafel sei aus einem Stück Schiefer vom Dachdecker gebastelt worden, den Rahmen habe ein Mitarbeiter der Firma Sendker gefertigt. Auch einen Tornister habe es nicht gegeben. „Die Bücher wurden unter den Arm genommen.“ Als der kleine Friedel schließlich doch einen Schulranzen aus Pappe bekam, war dieser prompt nach dem ersten Regenguss aufgeweicht.

Im Alter von 14 Jahren verließ Friedel Rose die Schule und bekam auf Vermittlung von Dr. Wilhelm Sandforth , Geistlicher und Kunsthistoriker, der sich in St. Bonifatius vor allem um die Messdiener kümmerte, einen Ausbildungsplatz in der Freckenhorster Molkerei. „Ich habe dort eine kaufmännische Lehre gemacht und bis zur Schließung der Molkerei 1976 dort gearbeitet“, blickt der 80-Jährige zurück. Als er anschließend täglich nach Ahlen fahren musste, um in der dortigen Molkerei zu arbeiten, war er froh, jeden Abend in sein geliebtes Freckenhorst zurückkehren zu können. Wenngleich der Name der Firma mehrfach wechselte, habe er bis zu seiner Pensionierung vor 19 Jahren doch nie die Firma gewechselt, bemerkt der Jubilar zufrieden.

Seine Hobbys verdankt der Junggeselle dem Einfluss Dr. Wilhelm Sandforths. Der Geistliche, ein passionierter Maler und Schöngeist, vermittelte seinen Messdienern Liebe und Achtung vor der Kunst. Wann immer sie sich in seiner Wohnung in der Boeselager‘schen Kurie einfanden, wurde zunächst ein Stück aus der Heiligen Schrift vorgelesen, dann eine Epoche der Kunstgeschichte besprochen, ein Gedicht – oft aus der Feder von Annette von Droste zu Hülshoff – rezitiert und abschließend ein Witz erzählt.

Schon als 16-Jähriger durfte Rose den späteren Custos der Essener Münsterschatzkammer häufig bei Führungen durch die Stiftskirche begleiten. Und wie für Sandforth war auch für Rose die Stiftskirche ein beliebtes Motiv, das er gekonnt mit Ölfarben auf die Leinwand brachte. Schließlich führte Friedel Rose selbst Besucher durch das altehrwürdige Gemäuer, darunter die Krupp-Geschäftsleitung, Politiker wie Gerhard Stoltenberg, Alfred Dregger, Kurt Biedenkopf, Peter Lorenz, Norbert Blüm oder Theodor Blank. Mit dem kürzlich verstorbenen Thomas Oppermann hat der „Heimaterklärer“ nach einer Führung durch die Stiftskirche in seiner gemütlichen Wohnung im ältesten Haus Freckenhorsts, die er übrigens vor genau 30 Jahren bezogen hat, sogar ein Glas Sekt getrunken.

Nach Jahren als Vorsitzender der Jungen Union in Freckenhorst und als JU-Kreisvorstandsmitglied engagierte sich Rose für die CDU, der er seit 1963 angehört, und 14 Jahre lang im Rat der Stadt Warendorf. Er war Vorsitzender des Kulturausschusses, saß im Bauausschuss und gehörte dem Ausschuss für Kriegsdienstverweigerer an. Darüber hinaus war er CAJ-Orts- und Bezirksleiter, fast zwei Jahrzehnte Vorsitzender des Freckenhorster Heimatvereins, Mitglied des Pfarrgemeinderates und des Fördervereins Stiftskammer.

Außerdem übernahm er in den 1960er-Jahren als „Primas des Abendlandes“ für etwa 20 Jahre den Vorsitz im Nikolaus-Collegium, nachdem der damalige Kaplan Rüster es abgelehnt hatte, sich um das Collegium zu kümmern. Sieben Nikolause mussten damals bis zu 1200 Kinder am Nikolausabend in der Stiftsstadt besuchen. „Da war man bis 23.30 Uhr unterwegs“, blickt Friedel Rose, heute Ehrenmitglied im Nikolaus-Collegium, zurück. In seiner Amtszeit trug er dafür Sorge, dass die Zahl der Nikolause schließlich auf 23 erhöht wurde.

Weil er seinen 80. Geburtstag coronabedingt nicht so feiern kann, wie er das gerne getan hätte, hat sich Friedel Rose vorgenommen, alle potenziellen Gratulanten auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten. Er werde nun auf den 90. Geburtstag hinarbeiten, verspricht er: „Der wird dann wieder gefeiert.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7670718?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker