Kläranlage muss für 14,5 Millionen Euro saniert werden
Schnecken-Pumpwerk statt Propeller

Warendorf -

Ein Grund für die Modernisierung der Kläranlage: Feuchttücher machen den Pumpen im Klärwerk immer wieder den Betrieb unmöglich. Während Toilettenpapier keine Probleme bereitet, verstopfen die feuchten Tücher mit ihren Kunststoff-Fasern das Innere der Pumpen. 14,5 Millionen Euro investiert die Stadt in den nächsten drei Jahren in ihre Zentralkläranlage aus dem Jahre 1957. Betriebsleiter Ralf Bücker sprach am Montagabend im Betriebsausschuss von einem Millionenprojekt, das nach Fertigstellung die nächsten 30 Jahren Bestand hat.

Dienstag, 24.11.2020, 11:38 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 18:04 Uhr
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sind am Zulaufpumpwerk, in der mechanischen Abwasserbehandlung und in der Schlammbehandlung Defizite festgestellt worden
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sind am Zulaufpumpwerk, in der mechanischen Abwasserbehandlung und in der Schlammbehandlung Defizite festgestellt worden

14,5 Millionen Euro investiert die Stadt in den nächsten drei Jahren in ihre Zentralkläranlage aus dem Jahr 1957. Betriebsleiter Ralf Bücker sprach am Montagabend im Betriebsausschuss von einem Millionenprojekt, das nach Fertigstellung die nächsten 30 Jahre Bestand habe. Zwar sei die Anlage in Neuwarendorf immer wieder punktuell ausgebessert worden, zuletzt 1992. Das reiche jetzt aber nicht mehr aus und sei im Endeffekt auch teurer, setzen Bücker und sein Team auf ein ganzheitliches Konzept für die Kläranlage.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie seien am Zulaufpumpwerk, in der mechanischen Abwasserbehandlung und in der Schlammbehandlung Defizite festgestellt worden, die eine Sanierung dringend erforderlich machen. Die Anlagen seien zwar in einem gut gewarteten Zustand, würden aber nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entsprechen.

Die Stadt hat die Ingenieurleistungen europaweit ausgeschrieben. Am Dienstag war Abgabeschluss. Ende Januar will der Betriebsausschuss die Planung vergeben. Die Bagger sollen dann 2022 auf der Kläranlage anrücken. Aus den Reihen des Ausschusses kam der Wunsch, sich noch vor einer Vergabe im Januar ein Bild vom Zustand der Kläranlage zu verschaffen. Aufgrund strenger hygienischer Maßnahmen in Zeiten der Corona-Pandemie kommt für eine Besichtigung nur ein Samstag oder Sonntag infrage, um Kontakte mit Mitarbeitern der Kläranlage zu vermeiden, die sowieso schon räumlich getrennt in einem Schichtsystem arbeiten.

Ein Grund für die Modernisierung der Kläranlage: Feuchttücher machen den Pumpen im Klärwerk immer wieder den Betrieb unmöglich. Während Toilettenpapier keine Probleme bereitet, verstopfen die feuchten Tücher mit ihren Kunststoff-Fasern das Innere der Pumpen (die WN berichteten). Die Entfernung ist nur durch enormen Mehraufwand möglich, der viel Geld kostet (die Reparatur einer Pumpe kostet 30 000 Euro) und für den am Ende die Kunden wieder geradestehen müssen – nämlich durch gestiegene Abwassergebühren.

Auf steigende Gebühren wird sich der Kunde wohl auch nach der millionenteuren Sanierung einstellen müssen. Zwar weist der Abwasserbetrieb, eine Tochter der Stadt, mit 64 Prozent eine hohe Eigenkapitalquote auf, muss – um die Sanierung stemmen zu können – die 14,5 Millionen Euro aber finanzieren. Bücker hat einmal nachgerechnet: „Bei einer Abschreibungszeit von 30 Jahren müssten wir pro Jahr 500 000 Euro mehr an Gebühren einnehmen.“

Bei der Begutachtung des Status quo kamen zwei Empfehlungen heraus: Entweder lässt der Abwasserbetrieb ein Pumpwerk mit Schneckenförderung bauen, die nicht nur Feuchttücher, sondern, wie der stellvertretende Betriebsleiter Thomas Meier im Ausschuss erläuterte, auch Fahrräder fördern kann.

Oder, das wäre Variante zwei, die Entscheidung fällt für eine Grobrechenanlage mit Kombipumpwerk in 8,50 Metern Tiefe. Auch dort arbeiten andere Pumpen als die jetzigen Propeller. Und was bei der Begutachtung auch herauskam: Das bestehende Gebäude ist für die neuen Pumpen zu klein.

Favorisiert wird das Schneckenpumpwerk, das an der Stelle errichtet werden soll, so Thomas Meier, an der heute ein nicht mehr benötigtes Tagesausgleichsbecken steht. Und da, wo sich das abgängige Regenwasser-Pumpwerk befindet, soll ein neues Vorklärbecken gebaut werden. Die Modernisierung umfasst neben der Erhöhung der aktuellen Pumpleistung die Sanierung der Feinrechenanlage sowie die Verbesserung der Schlamm-Entwässerung.

Die Machbarkeitsstudie ist die Richtschnur für die Modernisierung, die 2022 starten und drei Jahre später abgeschlossen sein soll. Um den Betrieb auch während der Bauphase sicherzustellen, soll im Baukastensystem gearbeitet werden.

Erst wenn die neugebauten Anlagenteile verlässlich laufen, können die nicht mehr benötigten Altteile abgeschaltet werden. Betriebsleiter Bücker: „Wir können die Kläranlage nicht einfach abschalten. Sie muss 24 Stunden am Tag betriebsbereit sein. Das ist damit sichergestellt.“

 

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