Jugendarbeit unter Corona-Bedingungen
Vom Herzen zusammenrücken

Warendorf -

Die Kirche nimmt in der Corona-Pandemie eine besondere Rolle ein, denn für viele Gläubige bildet die Gemeinde einen Versammlungsort. Während Gottesdienste unter strengen Regelungen durchgeführt werden können, liegt die Jugendarbeit indes nahezu brach. Gruppentreffen, auch zur Vorbereitung der Gottesdienste, sind nicht gestattet.

Donnerstag, 26.11.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 15:15 Uhr
Im Sommer konnten einige Projekte mit den Jugendlichen realisiert werden. Dazu gehörte auch ein gemütlicher Filmnachmittag in der Marienkirche.
Im Sommer konnten einige Projekte mit den Jugendlichen realisiert werden. Dazu gehörte auch ein gemütlicher Filmnachmittag in der Marienkirche. Foto: St.-Laurentius-Gemeinde

„Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sich sehr stark verändert, aber sie geht weiter“, betont Ariane Wessels vom Pfarreirat. Gemeinsam mit Pastoralreferent Ulrich Hagemann und Kaplan Matthias Rump als Abordnung des Sachausschusses Jugend beschreibt sie die derzeitige Arbeit mit den Messdienern. „Die Leiterrunde fand in den Wochen vor dem Lockdown wieder statt, die Gruppenrunden sollten wieder nach den Herbstferien starten. Da kam jetzt leider die zweite Welle dazwischen“, sagt Rump. Denn obwohl man sich mit digitalen Medien verständigen könne, fehlten das gesellige Beisammensein und die Kommunikation auf privater Ebene.

Website entwickelt

„Auch wenn es funktioniert, ist es manchmal schwierig, die Messdiener zu erreichen, da der direkte Kontakt fehlt. Digital geht einfach was verloren“, bedauert Tobias Marx von der Leiterrunde. Der 19-Jährige nahm sich die Pandemie besonders zu Herzen und entwickelte mit weiteren Leitern und dem Sachausschuss Jugend eine Website. „Wir wollten schauen, welche Impulse wir setzen können. Die Kinder traten beispielsweise in unterschiedlichen Wettbewerben gegeneinander an und konnten digital Videos und Bilder hochladen.“ In der Ruhephase zwischen den Lockdowns konnte zudem ein Filmnachmittag mit den jüngeren Kindern in der Marienkirche realisiert werden.

Messedienen unter Corona-Bedingungen

Aber nicht nur das Zwischenmenschliche hat sich verändert, sondern auch das Messedienen an sich. Während die Messdiener normalerweise die Hostienschale und den Messkelch zum Altar tragen, wird das aus hygienischen Gründen nicht mehr praktiziert. Dafür nehmen sie jetzt einen zentralen Platz bei der kontaktlosen Hostienverteilung ein: Vier Tische sind im Kirchenraum aufgebaut, auf jedem liegen zwei Olivenbaumscheiben. Darauf liegen Tropfdeckchen, bevor die Hostie darauf platziert wird. „Nach jeder Hostie wird das Deckchen ausgetauscht und ein neues platziert. Insgesamt können somit acht Gemeindemitglieder zeitgleich eine Hostie erhalten“, erklärt Matthias Rump.

Nach und nach trauten sich immer mehr

Von den rund 100 aktiven Messdienern wollte anfänglich unter Corona-Bedingungen nur ein Bruchteil die Aufgabe wahrnehmen. Nach dieser Anfangsphase trauen sich aber immer mehr. „Wir freuen uns, dass wir eigentlich immer alle Messen abdecken können, haben aber natürlich auch Verständnis, wenn jemand nicht aktiv mitmachen kann, wenn beispielsweise ein Risikopatient in der Familie ist“, sagt Marx.

„Social Distancing“ auch bei Pfadfindern

Mit „Social Distancing“ haben auch die Pfadfinder zu kämpfen, die in der kalten Jahreszeit normalerweise auf Räume der Laurentius-Gemeinde zurückgreifen. Der Warendorfer Stamm gehört der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) an und ist froh, dass zwischen den Lockdowns die Rover, die älteste Gruppe, die Möglichkeit hatten, ihr Versprechen abzugeben und ihr rotes Halstuch zu erhalten. Den Wochenendausflug nach Bad Bentheim haben die Jugendlichen jedoch von sich aus storniert – für sie war das Risiko zu hoch. Die Schwedenfahrt, die für die jüngeren Pfadfinder organisiert worden war, haben die Verantwortlichen ebenfalls abgesagt. Mittlerweile finden die Gruppenstunden auch auf digitaler Basis statt. „Wir haben montags unsere feste Runde. Von den 17 Rovern sind im Schnitt immer zehn Leute anwesend. Wir tauschen uns über aktuelle Themen, wie die Präsidentenwahl in den USA, aus oder über typische Themen wie Armut“, beschreibt Franziska Betting. Auch wenn sich alle mit der Situation mittlerweile arrangiert hätten, fehlt Mitstreiter Kilian Kofoth das Gesamtpaket. „Es ist einfach etwas anderes. Das Zwischenmenschliche und die Nähe sind nicht möglich.“

Nachwuchs fehlt

Ein weiteres Problem: Es fehlt an Nachwuchs. Zum einen finden keine Veranstaltungen statt, durch die Kinder auf die Pfadfinder aufmerksam werden. Zum anderen sind die sozialen Kontakte im Privatbereich so heruntergefahren, dass über die Möglichkeit gar nicht gesprochen wird.

Ein Problem, das ebenfalls in der Kirche vorherrscht: „Bei uns werden die Kinder normalerweise nach der Erstkommunion angeschrieben, um das Interesse am Messdienersein zu wecken und darauf aufmerksam zu machen, dass nun das Alter erreicht ist, ab dem man dort aktiv werden kann“, beschreibt Kaplan Rump. Die Rhythmen haben sich jedoch geändert, da bis dato noch nicht alle Erstkommunionen abgeschlossen sind.

Aufgrund der verschärften Hygienemaßnahmen fiel zudem bereits im ersten Lockdown der zentrale Treffpunkt der Jugendlichen im Keller des Marienpfarrheims weg. „Das Lüften mit den Fenstern reichte einfach nicht aus. Wir mussten also auf andere Räumlichkeiten ausweichen, was nicht einfach gewesen ist. Als Alternative haben wir jetzt einen Bereich im Pfarrheim St. Josef hergerichtet. Wir warten nur noch auf die Abnahme und natürlich auf das Ende des Lockdowns“, beschreibt Pfarrsekretärin Andrea Webers, die zentrale Ansprechpartnerin für Raumbuchungen ist.

Insgesamt versuchten alle, so gut es geht, mit der Situation klar zu kommen. „Ideenreichtum und Kreativität sind gefragt. Auch, wenn wir körperliche Nähe vermeiden, rücken wir vom Herzen zusammen“, betont Pastoralreferent Ulrich Hagemann.

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