Stadt verleiht kostenlos Lastenfahrrad – und die Nachfrage ist groß
Die neue Lust an der Last

Warendorf -

Ein Blickfang im Stadtverkehr sind die Lastenräder aber auf jeden Fall. Vor allem junge Familien entdecken die Lust an der Last. Die Last sind vor allem kleine Kinder, die mit Menschenkraft auf drei Rädern transportiert werden. WN-Redakteur Joachim Edler nutzte das kostenlose Angebot der Stadt und war mit dem E-Lastenrad in der City unterwegs. Hier der Bericht:

Samstag, 28.11.2020, 05:13 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 15:17 Uhr
Ausprobiert: WN-Redakteur Joachim Edler mit dem Lastenrad auf Einkaufstour in der Stadt.
Ausprobiert: WN-Redakteur Joachim Edler mit dem Lastenrad auf Einkaufstour in der Stadt. Foto: Privat

Der Motor erleichtert das Anfahren mit dem schweren Lastenrad enorm. Mit dem Gleichgewicht ist das so eine Sache – vor allen in den Kurven. Der große Wendekreis ist gewöhnungsbedürftig. Es empfiehlt sich unbedingt eine Probetour ohne Zuladung, um ein Gefühl für das Verhalten des Lastenfahrrades zu bekommen, hatte mir der Städtische Klimaschutzbeauftragte Paul Hartmann bei der Übergabe des städtischen Lastenfahrrades noch gesagt. „Und Vorsicht bei Kurven! Versuchen Sie es zuerst mit einer Hand am Lenker, dann bleiben Sie gerade sitzen.“ Tatsächlich, nachdem ich mit beiden Händen am Lenker das Gefühl habe, vom Sattel zu kippen, geht es mit einer Hand durch die Kurve erst einmal besser. Übung macht auch hier den Meister. „Das Babboe-Lastenrad ist eine Familienkutsche, für kurze, ebene Wege gut geeignet. Die Akzeptanz von Lastenrädern als Dreirad ist bei Anfängern höher als für einspurige, langgezogene Lastenräder mit Box in der Mitte“, erläutert Hartmann.

Kopfsteinpflaster ist mit Vorsicht zu genießen, auch unebene Wege sind eher etwas für geübtere Fahrer, die schon Erfahrung mit solchen Lastenrädern haben. Im Zweifelsfall einfach absteigen und das Hinterrad per Handgriff in die richtige Position bringen, wenn der Wendekreis nicht reicht.

Wenn nur die vielen Autos nicht wären, mit denen man sich den Platz teilen muss. Fürs Parken braucht das Rad einfach mehr Platz.

Ein Blickfang im Stadtverkehr sind die Lastenräder aber auf jeden Fall. Radfahrer, die einem entgegenkommen, winken freundlich.

Vor allem junge Familien entdecken die Lust an der Last. Die Last sind vor allem kleine Kinder, die mit Menschenkraft auf drei Rädern transportiert werden. Und die haben ihren Spaß. Mütter, die ihre Kinder in der Kiste zum Kindergarten radeln und anschließend die Einkäufe damit erledigen. Ein Vorteil: das Lastenrad ist kommunikativer gegenüber dem klassischen Anhänger. Mann oder Frau haben die Kinder vorne im Blickfeld. Das Zuladegewicht für die Transportbox ist 100 Kilogramm. Es können vier Kinder bis zu dem Gesamtgewicht mitgenommen werden.

Meine Kinder sind erwachsen. Ich nutze das Lastenrad zum Einkaufen und bin erstaunt, wie viel Stauraum ich habe. Locker eine Kiste Mineralwasser plus die üblichen Lebensmittel. Und ab geht die Post . . .

Nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland spare ein Lastenrad, das 20 Kilometer täglich im Stadtverkehr zurücklegt, im Vergleich zu einem Kleinwagen 800 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr.

Das städtische Rad sei mit 2800 Euro brutto im untersten Preissegment anzusiedeln, so der Klimaschutzbeauftragte. Ein zweites Lastenrad – mit abschließbarer Kiste – sei bereits bestellt, das dann rein für städtische Veranstaltungen genutzt werden soll und nicht in die Ausleihe kommt.

Das städtische Ausleihrad wird zu 70 Prozent gefördert. Der Anteil der Stadt beträgt 1000 Euro. Wer will, kann sich das Fahrrad für eine Woche kostenfrei ausleihen. Die kostenfreie Nutzung dient nach Worten des Klimaschutzbeauftragten Paul Hartmann sehr unterschiedlichen Zwecken: „Viele bringen damit Sachen zum Recyclinghof, andere fahren zum Baumarkt oder benutzen das Fahrrad für ganz normale Einkäufe. Und das Rad mit seinen Kindersitzen ist natürlich wie geschaffen für Familienausflüge und hat dafür auch eine rege Nachfrage.“

Es gibt bereits eine lange Warteliste. Dieses Jahr sind alle Termine ausgebucht und auch im Frühjahr ist das Lastenrad weiter gefragt. Es gibt aber noch einzelne freie Wochen. Eine wichtige Zielgruppe seien junge Familien, so Hartmann, die über die Testfahrt Interesse an Lastenrädern vermittelt bekommen sollen. „Wie es genutzt wird? Da kann ich nur spekulieren. Es sind aber zwei Frauen unter den Ausleiherinnen, die es definitiv zum Transport mehrerer Kinder nutzen wollen. Von den anderen werde ich es noch erfahren.“

Bereits im vergangenen Jahr legte die Stadt einen Fördertopf „Lastenräder“ auf. Bürger, die sich ein Lastenrad anschaffen wollten, konnten erstmals bei der Stadt einen Zuschuss beantragen. Im Fördertopf: jährlich 10 000 Euro. Das Programm ist auf drei Jahre befristet und soll auch 2021 fortgesetzt werden. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. In 2020 war der Fördertopf binnen zwei Tagen ausgeschöpft. Zehn Bürger sicherten sich einen Zuschuss. Die Förderhöhe für Privatpersonen beträgt 500 Euro oder maximal 30 Prozent des Kaufpreises. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Elektro-Lastenrad zu kaufen, darf auf 1000 Euro oder höchstens 30 Prozent hoffen. Die Förderung wird mit Aufklebern auf den Lastenrädern kenntlich gemacht. Die gezielte Förderung des Radverkehrs, unter anderem zur Vermeidung von CO2-Emissionen, entspricht dem Klimakonzept der Stadt Warendorf. Hartmann: „Lastenräder können dazu einen Beitrag leisten, insbesondere, wenn sie die Nutzung eines motorisierten Fahrzeuges ersetzen.“ Ausgeschlossen von dem Förderprogramm sind die hiesigen Unternehmen, da es für sie extra Förderungen durch den Bund gibt.

 

 

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