Baumfällaktion
„Warum jetzt alles wegrasieren?“

Warendorf -

Neun stattliche Baumexemplare stehen unter einer Baumschutzsatzung der Stadt Warendorf. Jetzt sollen eventuell fallen, weil die Firma Miele ihr Werk erweitern möchte.

Samstag, 05.12.2020, 07:00 Uhr
Die Firma Miele & Cie. KG möchte ihr Warendorfer Werk erweitern. Neben einer Produktionshalle geht es um Lager- und Sozialräume (die WN berichteten). Um diese Baumaßnahmen realisieren zu können, müssen zehn Bäume weichen.
Die Firma Miele & Cie. KG möchte ihr Warendorfer Werk erweitern. Neben einer Produktionshalle geht es um Lager- und Sozialräume (die WN berichteten). Um diese Baumaßnahmen realisieren zu können, müssen zehn Bäume weichen. Foto: Christopher Irmler

Ihr Warendorfer Werk möchte die Firma Miele & Cie. KG erweitern. Neben einer Produktionshalle geht es um Lager- und Sozialräume (WN berichteten). Um diese Baumaßnahmen realisieren zu können, müssen zehn Bäume weichen. Doch dafür bedarf es einer Fällgenehmigung. Schließlich befinden sich unter den Bäumen in der unmittelbaren Umgebung neun Exemplare, die unter die Baumschutzsatzung der Stadt Warendorf fallen. Sie stehen nahezu in einer Reihe von Nord nach Süd und be- oder verhindern die geplanten Ausbaumaßnahmen und Straßenbauarbeiten für eine Umfahrung.

Besonderer Fall: Eine Eiche stört bei möglichen weiteren künftigen Baumaßnahmen den Hydrantenzugang. Der letzte und dem Stammumfang nach größte Baum in der Reihe sei voraussichtlich nicht zu erhalten, so Dominik Starke vom Baubetriebshof und zuständig für Baum- und Umweltschutz. Er schätzte dessen Alter auf „nicht älter als 50 Jahre“. Hier sei die Nähe zu einer neuanzulegenden Straße mit Blick auf das Wurzelwerk problematisch.

Es geht um Eichen, Weiden und Ahorn mit Stammumfängen zwischen 1,04 und 1,88 Metern. Die Fällungen würden noch bis Ende Februar 2021 erfolgen, so der Plan. Baudezernent Peter Pesch betonte gegenüber den Ausschussmitgliedern, dass aktuell zwar noch keine Genehmigung erteilt wurde, der Antrag jedoch genehmigungsfähig sei.

Starke verwies auf das nötige Votum des Ausschusses. Als Ersatzleistung, so betonte der Fachmann mit Blick auf die Baumsatzung, sei die Firma rein rechnerisch verpflichtet, zwölf neue Bäume anzupflanzen. Diese Ersatzpflanzung müsse bis April 2021 in einem Areal östlich der Stadt mit heimischen Laubbäumen erfolgen. „Es muss in den Geltungsbereich passen“, so Starke.

Rudolf Wand (B90/ Grüne ) fragte, ob ein Rückschnitt einiger Bäume zumindest deren Fällung verhindern könne. Dies verneinte Starke mit Verweis auf die mutmaßlich nicht gewährleistete Standfestigkeit. Durch die Baumaßnahmen käme es zu einem Eingriff in den Wurzelraum. Manfred Lensing-Holtkamp (B90/Grüne) lehnte das Vorhaben in diesem Umfang ab. „Warum jetzt alles wegrasieren? Vielleicht wird ja nie gebaut.“ Das sah Peter Steinkamp (CDU) anders. Eine Erweiterung sei wichtig. „Das kann nur gut sein für Warendorf und die Arbeitsplätze, die gesichert werden.“ Ähnlich äußerte sich auch Dirk Schellhammer (CDU). Er erinnerte an die Investitionen der Firma am Standort. Man könne froh über einen derart großen Arbeitgeber sein.

Simone Lutz (SPD) wollte genau wissen, welche Bäume tatsächlich für die Baumaßnahmen weichen müssten. Die Antwort: alle, bis auf einen. Danach beantragte Lutz eine Sitzungsunterbrechung. Pesch schlug vor, die Fällgenehmigung für zehn Bäume zu erteilen und zwei Bäume erst einmal stehen zu lassen. Mit einer Stimme Mehrheit wurde dieser Antrag verabschiedet. Der Antrag der Grünen, zu vertagen und nochmals das Gespräch mit der Firma Miele zu suchen, scheiterte an einem Stimmenpatt.

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