Weihnachtsgeschichte unter Corona-Bedingungen
Dürfen die Hirten kommen?

Warendorf -

Wie würde die Weihnachtsgeschichte aussehen, wenn sie in Zeiten von Corona passiert wäre? Dürfen die Hirten und die Könige überhaupt kommen?

Samstag, 02.01.2021, 09:31 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 09:40 Uhr
In der Klosterkirche merkt man keinen Unterschied beim Aufbau der Weihnachtskrippe. Doch wie würde die Szenerie aussehen, wenn sich die Geschichte zur heutigen Zeit zugetragen hätte?
In der Klosterkirche merkt man keinen Unterschied beim Aufbau der Weihnachtskrippe. Doch wie würde die Szenerie aussehen, wenn sich die Geschichte zur heutigen Zeit zugetragen hätte? Foto: Rebecca Lek

Von der Geburt Jesus Christi gibt es in der Bibel im Neuen Testament zwei Versionen. Sowohl der Evangelist Lukas wie auch der Evangelist Matthäus widmeten sich der Weihnachtsgeschichte. Bekannter ist jedoch die Version nach Lukas. Gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Maria machte sich Josef auf den Weg nach Bethlehem, um dem Ruf von Kaiser Augustus zur Volkszählung nachzukommen. Weil sie keine Herberge fanden, ließen sie sich in einem Stall nieder, wo Maria ihren Sohn gebar. Ein Engel erschien derweil einigen Hirten auf dem Feld und verkündete ihnen die Geburt Jesu Christ in Bethlehem. Sie gingen, um sich das Wunder anzuschauen. Im Evangelium nach Matthäus ist sogar die Rede von drei Heiligen Königen, die sich mit Geschenken auf den Weg zum Jesuskind machten.

Projiziert man die Geschehnisse in das Corona-Jahr 2020, sähe die Geschichte wohl ein wenig anders aus. Vor allem die AHA-Regeln würden die Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellen. Schon die Grundsituation ist verzwickt, denn aufgrund des Beherbergungsverbotes würden Maria und Josef nicht einmal in einem Stall unterkommen. Obwohl: Der kleine Stall, in dem sich die Geburt des Christkindes ereignet, ist zu einer Seite hin offen. Das Problem mit dem zwanzigminütigen Lüften würde sich also in diesem „Offen-Stall“ nicht stellen.

Der Stall müsste allerdings deutlich größer sein als das zwölf Quadratmeter große Standard-Doppelzimmer in einem Hotel, um Maria und Josef, deren Sprössling und den Besuchern genügend Platz zu bieten. Wäre er so klein wie ein Einzelhandelsgeschäft, müsste vermutlich Josef draußen bleiben. Um der Corona-Schutzverordnung gerecht zu werden, wäre es aber auf jeden Fall angezeigt, dass die Besucher Abstand zur Heiligen Familie wahren.

Und nun wird es kompliziert. Ist die Weihnachtskrippe ein privater Raum? Dann wäre so ziemlich alles erlaubt, sofern es keinen Party-Charakter hat. Auch wenn die Regierung an die Bevölkerung appelliert, bestimmte Obergrenzen einzuhalten, gelten die eigenen vier Wände als unantastbar. Angesichts der dramatischen Zahlen sollten Zusammenkünfte jedoch auch zu Hause nicht ausarten. Wird die Krippe also als „privater Raum“ definiert, gibt es zumindest einige Grauzonen.

Bei einer Weihnachtskrippe ist klassischerweise Jesus der Mittelpunkt. Auf der linken Seite findet man Maria, den Ochsen, die Hirten und die Schafe. Auf der rechten Seite stehen wiederum Josef, der Esel sowie die Heiligen Drei Könige. Oberhalb des Krippenstalls schwebt der Verkündigungsengel Gabriel. Sind weitere Engel zugegen, bilden diese den himmlischen Engelschor.

Josef, Maria und Jesus bilden den ersten Hausstand, doch was ist mit den Hirten? Nicht davon auszugehen, dass sie alle aus einem Haushalt stammen. Wie viele Hirten es genau sind, wird in der Bibel nicht gesagt. Dort ist lediglich von „Hirten“ die Rede, also müssen es mindestens zwei sein. Das Treffen mit Mitgliedern eines weiteren Hausstands ist während des Lockdowns auch im öffentlichen Bereich erlaubt, sofern die Obergrenze von fünf Personen nicht überschritten wird. An den Weihnachtsfeiertagen gab es weitere Lockerungen, so das zu dem eigenem Hausstand vier weitere Personen hinzu stoßen durften. Per Corona-Schutzverordnung allerdings nur enge Verwandtschaft mit Partnern.

Und was ist mit dem Erzengel Gabriel? Kann man ihn im klassischem Sinn als eine Person bezeichnen oder handelt es sich bei ihm um ein himmlisches Wesen, dem Corona nichts anhaben kann? Sicherheitshalber sollte man ihn in gebührendem Abstand – Minimum 1,50 Meter – über der Krippe anbringen. Unter Corona-Bedingungen ein No-Go ist jedoch der Engelschor. Zum einen besteht er aus zu vielen Mitgliedern und zum anderen soll derzeit bekanntlich auf Gesang verzichtet werden. Wegen der Aerosole in der Luft.

Apropos Aerosole: Bräuchten nicht alle Beteiligten eine FFP2-Maske oder wenigstens eine Alltagsmaske? Und sollten sie nicht tunlichst anderthalb Meter Abstand voneinander halten? Sollte vielleicht sogar die Anordnung der Figuren verändert werden? Eine Möglichkeit: Maria wird neben Josef platziert, um auf Abstand und Maske verzichten zu können. Gehen wir davon aus, dass die Hirten, sagen wir drei, ebenfalls alle aus einem Haushalt stammen, könnte man so zwischen den beiden Hausparteien eine Kluft von anderthalb Metern schaffen und bliebe damit auch unterhalb der Grenze von fünf Personen, denn Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren müssen nicht mitgezählt werden.

Spätestens mit dem Eintreffen der Heiligen Drei Könige am 6. Januar bricht das gesamte Gebilde jedoch zusammen. Die Weisen aus dem Morgenland, Caspar, Melchior und Balthasar, möchten dem Jesuskind Geschenke bringen. Die Corona-Schutzverordnung lässt hier jedoch keinen Spielraum: Nur zwei Haushalte und maximal fünf Personen. Gut also, dass das Evangelium nach Lukas verbreiteter ist – hier tauchen die königlichen Besucher gar nicht auf. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass die Hirten bereits wieder abgereist sind – fliegender Wechsel sozusagen. Doch sind die drei Könige aus einem Hausstand? Bevor diese Frage nicht geklärt ist, können sie den Stall nicht betreten. Bei gekrönten Häuptern scheint ohnehin Vorsicht angebracht. Auf Latein heißt Krone coronam. Trägt einer aus dem Morgenland also eine Krone, sollte er vielleicht aus Prinzip gar nicht erst hereingelassen werden.

Wer führt – nur für den Fall der Fälle – die Liste mit den Kontaktdaten? Und wäre es nicht sinnvoll, mit Einbahnstraßenregelungen (ähnlich wie in der Gastronomie) und Abstandsmarkierungen zu arbeiten? Bleibt die Frage, ob sich Esel, Ochse und Schafe daran halten würden und ob sie nicht am Ende irgendeine Seuche mit in den Stall schleppen, womit ein neues Fass aufgemacht würde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7747409?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker