Modehaus Ebbers beteiligt sich an Protestaktion
Berger: „Es müssen jetzt Hilfen kommen“

Warendorf -

Der coronabedingte Lockdown macht vor allem der Modebranche zu schaffen, die „verderbliche Ware“ in den Regalen hat, die sich zu anderen Jahreszeiten kaum oder gar nicht mehr verkaufen lässt. An einer Protestaktion und einer Social-Media-Kampagne, mit der die Branche auf ihre Situation aufmerksam machen will, beteiligt sich am Montag auch das Modehaus Ebbers.

Sonntag, 10.01.2021, 22:33 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 22:40 Uhr
Modehaus Ebbers beteiligt sich an Protestaktion: Berger: „Es müssen jetzt Hilfen kommen“
Foto: Andreas Poschmann

Die strengen Corona-Maßnahmen treiben viele, vor allem Geschäfte, in existenzielle Not. Die Modehändler in Deutschland reagieren auf ihre prekäre Lage nun mit einer Protestaktion und einer Social-Media-Kampagne, mit der die Modebranche an ihre missliche Lage erinnern will. Die Aktion mit dem Namen „Wir machen AUF_merksam“ startet am heutigen Montag um 11 Uhr. Auch das Modehaus Ebbers beteiligt sich mit Großbannern an der Aktion, bei der es sich ausdrücklich nicht um einen Aufruf zu Demos oder zu Ladenöffnungen handeln soll. Man werde sich, versichern die Initiatoren in einer Pressemitteilung, an Regeln und Vorschriften halten.

Die Forderungen: Die Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen lokalen Einzelhandels oder angemessene Entschädigungen. Der Modehandel, heißt es in einer Pressemitteilung der der Initiatoren Uwe Bernecker vom Frankfurter Modelabel Funky Staff und Günter Nowodworski, Inhaber der Agentur Now Communication, gehöre zu den Branchen, die vom wiederholten Corona-Lockdown am stärksten betroffen seien. Anders als viele andere Händler habe die Modebranche „verderbliche Ware“ in den Regalen, die sich in anderen Jahreszeiten kaum bis gar nicht mehr verkaufen lasse. Zudem müsse ständig Platz geschaffen werden für nachkommende Artikel.

65 Prozent des stationären Handels seien durch die Pandemie-Maßnahmen unmittelbar betroffen. Es drohe das Aus dieser Betriebe und der Verlust vieler Arbeitsplätze, heißt es im Protest-Aufruf der Initiatoren, die sich entschieden von „falscher“ Einordnung dieses Protests distanzieren. So stellen sie im ersten Absatz der Presseerklärung in Großbuchstaben klar: „Wir sind keine Corona-Leugner! Wir sind keine Rechten! Wir sind keine Schwurbler! Wir sind keine Maskenverweigerer!“

Möglichst viele Modehändler sollen die ausgedruckten Plakate in ihre Schaufenster hängen und sich sowie die Mitarbeiter samt Plakat fotografieren. Die Fotos, so die Idee, sollen anschließend über möglichst viele Social-Media-Kanäle verteilt werden. „Je mehr Händler es machen, desto größer sind die Chancen, dass die Politik uns erhört“, heißt es auf der Website. Zudem werden alle Posts mit den Hashtags #freundschaftsdienst und #wir machen AUFmerksam auf der Freundschaftsdienst-Site erscheinen.

Christoph Berger , Inhaber des Modehauses Ebbers, hatte sich in den Medien schon im Vorfeld zum Thema Lockdown und Entschädigung geäußert. Zwei Drittel aller innerstädtischen Modehändler sähen sich in der Existenz bedroht, zitiert er die Statistik des Instituts für Handelsforschung aus Köln und fordert: „Es müssen jetzt Hilfen kommen, und sie müssen schnell kommen.“ In vielen Gesprächen stelle er fest, dass die Politik anscheinend keine Ahnung von der Kostenstruktur des Modehandels habe. „Die Politik schätzt die Dramatik der Umsatzverluste als zu harmlos für den Handel ein. In der Industrie haben Sie einen Anteil von flexiblen Kosten, der lässt sich, wenn die Maschinen still stehen, schnell runterfahren. Wir Händler haben einen hohen Fixkostenanteil und einen langen Beschaffungsvorlauf. Deswegen ist es für uns schwieriger, kurzfristige Schwankungen aufzufangen.“ Auf die Zukunft des eigenen Unternehmens angesprochen, bemerkte Berger: „Wir kommen da schon durch, wenn es im Februar weitergeht, aber nur dank stabilster wirtschaftlicher Verhältnisse. In den 120 Jahren seit der Gründung wurde stets verantwortungsvoll gewirtschaftet. Kriege, Inflation, Währungsreform und andere Krisen wurden gemeistert.“ Anders als in den mehr als 120 Jahren allerdings sei die Situation insofern, als dass das das Modehaus seine Türen für den Verkauf erstmalig schließen musste. „Kein Umsatz bei bleibenden Kosten zehrt die Reserven auf“, sagt Berger, der auf finanzielle Hilfestellung von Seiten der Politik hofft.

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