Keine Auftritte für die „Happy Trumpets“
Freude und Gemeinschaft fehlen

Freckenhorst -

Schon der erste Lockdown im März hatte den „Happy Trumpets“ arg zugesetzt – keine Proben mehr. Corona stellt auch für einige Hobbymusiker aus Freckenhorst alles auf den Kopf.

Mittwoch, 13.01.2021, 19:30 Uhr
Ralf Doodt im Keller seines Hauses: Am Keyboard schreibt der musikalische Kopf der „Happy Trumpets“ neue Noten.
Ralf Doodt im Keller seines Hauses: Am Keyboard schreibt der musikalische Kopf der „Happy Trumpets“ neue Noten. Foto: Joke Brocker

„Es ist ja nicht nur die Musik, die fehlt, sondern vor allem die Gemeinschaft“, bilanziert Ralf Doodt , musikalischer Kopf der „Happy Trumpets“, nach fast einem Jahr coronabedingter Zwangspause. Normalerweise absolviert die 1972 von Doodts Vater ins Leben gerufene 45-köpfige Kapelle, die zu einem nicht unerheblichen Teil aus Familienmitgliedern besteht, rund 50 Auftritte im Jahr. Das Gros während der Karnevals-und Schützenfestzeit. Doch die Bacchus­beerdigung am Klingeldienstag in Ahlen sei der letzte offizielle Termin gewesen, blickt der musikalische Leiter auf die Session 2019/20 zurück, in der das Corona-Unheil im rheinischen Heinsberg seinen Lauf und den Musikern alle Chancen auf weitere Auftritte nahm.

Mit dem ersten Lockdown im März hätten auch keine Proben mehr stattfinden können, erzählt der Freckenhorster, der sich mit seinen Musikern regelmäßig über Whatsapp austauscht. Nach drei Monaten, im Juni, habe es noch einmal eine Probe auf einer Schützenwiese in Ahlen gegeben. Mit coronakonformen Abständen: „Das war total surreal.“

Das war totel surreal.

Ralf Doodt

In kleiner Besetzung hätten die „Happy Trumpets“ später auch noch in einer öffentlichen Schützenmesse und bei einer Kranzniederlegung gespielt. Mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies im Juni allerdings sei an eine Aufnahme der regelmäßigen Proben nicht mehr zu denken gewesen. Als es im Spätsommer so schien, als würde sich die Situation entspannen, erstellten die Musiker ein Hygienekonzept, um im großen Saal von „Hof Münsterland“ in Ahlen zu proben. Unter Einhaltung der Abstandsregeln und Einsatz von Plopp-Schutz vor den Schalltrichtern ihrer Instrumente. Tage später wurde die Corona-Schutzverordnung aktualisiert – schon war die Planung obsolet. Von Proben oder Unterricht per Videochat hält Ralf Doodt im Übrigen nichts: „Das ist nie synchron.“

Die Happy Trumpets müssen von ihrer Musik nicht leben, insofern trifft sie das dauerhafte Wegbrechen der Einnahmen nicht so hart wie Berufsmusiker. „Wir müssen keinen Probenraum oder Fuhrpark finanzieren, und die Versicherungsbeiträge zahlen wir aus unseren Rücklagen“, bemerkt Doodt. Das allerdings schmerzt die Bläser schon, hatten sie doch die Rücklagen gebildet, um zu den Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der „Happys“ am 26. und 27. August 2022 eine renommierte Kölner Mundart-Band verpflichten zu können. Die werde man sich nun wohl nicht mehr leisten können, fürchtet Doodt, „aber feiern werden wir auf jeden Fall“.

Aber feiern werden wir auf jeden Fall.

Ralf Doodt

Was ihm persönlich wirklich fehle, sei es, anderen Menschen mit der Musik Freude zu bringen. So wie noch im März, als jeder Musiker für sich vor der Haustür die „Ode an die Freude“ spielte. Bis Ende Mai hatten auch Ralf Doodt, seine Frau und eines ihrer Kinder sonntags solche Haustür-Konzerte, von den Fans aus der Nachbarschaft ersehnt, gegeben. Youtube-Videos künden davon. „Ohne Corona wäre ich wahrscheinlich nie auf die Drehleiter gekommen“, kann Doodt der Krise auch etwas Positives abgewinnen und erzählt von seinem Auftritt in 30 Metern Höhe. Auf Initiative der Warendorfer Feuerwehr hatte er die „Ode an die Freude“ Anfang April hoch über den Dächern der Stadt intoniert.

Während seine Frau die Trompete seit dem Frühsommer nicht mehr in die Hände genommen hat, sitzt Ralf Doodt regelmäßig im Keller seines Hauses in Freckenhorst, spielt Trompete oder schreibt am Keyboard neue Noten. Auch das Prinzenlied für die neue Ahlener Tollität hatte der ehemalige Ahlener Stadtprinz in der Zeit geschrieben. Erklingen wird es wohl erst in der nächsten Session.

Ralf Doodt hofft, dass, sollte der Lockdown noch länger dauern, seine Musiker bei der Stange bleiben. Was den Nachwuchs betrifft, hat er weniger Bedenken. Sorgen machen ihm ältere Mitglieder, die möglicherweise feststellten, dass es auch ein Leben ohne „Happy Trumpets“ gibt.

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