Durch Corona kaum Aufträge
Kreativität hilft nicht immer

Warendorf -

Das Jahr 2020 war für Beate Trautner geprägt von Neuanfängen – die Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin blickt auf ein Pandemiejahr zurück, das man auch als „zermürbend“ bezeichnen kann.

Donnerstag, 14.01.2021, 18:37 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 18:40 Uhr
Beate Trautner arbeitet vor und hinter den Kulissen – alles als selbstständige Künstlerin. Ihre Projekte sind dabei sehr vielfältig. Durch die Corona Pandemie sieht die Auftragslage jedoch mau aus.
Beate Trautner arbeitet vor und hinter den Kulissen – alles als selbstständige Künstlerin. Ihre Projekte sind dabei sehr vielfältig. Durch die Corona Pandemie sieht die Auftragslage jedoch mau aus. Foto: privat

Ein Bereich, der während der Corona-Pandemie oft vergessen wird: die selbstständigen Künstler. Bühnen und Veranstaltungshallen haben geschlossen, Hochzeitsfeiern und Konzerte sind flächendeckend abgesagt. Die Aufträge sind damit nahezu nicht existent.

Beate Trautner verdient ihre Brötchen als Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin – ist also eigentlich breit aufgestellt. Doch gehört der Bereich des Theaters zu denen, die mit als erstes geschlossen wurden und vermutlich mit als letztes wieder geöffnet werden. Die 55-Jährige erzählt, wie sich die Pandemie für sie anfühlt.

Ein Anstellungsverhältnis hat die Warendorferin nicht, sie arbeitet ausschließlich auf freiberuflicher Basis. „Das ist nichts Ungewöhnliches in der Branche“, erläutert Trautner. Für längere Projekte hatte sie zeitweise Anstellungen, aber eben nur für die Projektdauer. An sich kein Problem, denn an Kreativität fehlte es ihr nie.

Ihre Arbeit als Theater- und Medienpädagogin besteht hauptsächlich aus Projektarbeit an Schulen und ähnlichen Institutionen. Als Schauspielerin lässt sie sich auch gerne mal regieren oder zeigt sich auf der Bühne mit eigenen Programmen.

Ihre freie Theatergruppe „Zeitlos“ liegt ihr besonders am Herzen. Seit 2009 ist sie deren Regisseurin und gleichzeitig auch Autorin. Trautner arbeitete in der Vergangenheit auch eng mit der Stadt Warendorf und dem Theater am Wall zusammen. So inszenierte sie beispielsweise im Rahmen der Hansetage 2019 einen szenischen Stadtrundgang.

Auch für das Jahr 2020 hatte die Künstlerin entsprechende Projekte in der Pipeline. Darunter eine Inszenierung „Hans und Greta“ beim ersten Warendorfer Papiertheater-Festival und auch die nächste Premiere des Theaters Zeitlos.

Doch die immer wiederkehrenden Lockdowns machten ihr einen Strich durch die Rechnung. „Es gab jedes Mal einen Rückschlag. „Jedes Mal, wenn ich mit einem Projekt weitermachen wollte, kam der nächste Lockdown“, zeigt sich Trautner resigniert. „Viele Proben, neue Ideen, neue Texte und noch mehr Vorbereitungen und dann …. patsch!“ Alles wanderte wieder in die „virtuelle Schublade“. Und vor allem: „Es gab keine Honorare.“

Alles wanderte in die virtuelle Schublade. Und vor allem: Es gab keine Hororare.

Beate Trautner

Ein Projekt, auf das Beate Trautner hin fieberte, heißt „Steps“. Dort wollte sie, gemeinsam mit Jugendlichen, verschiedene Haltungen und Lebenswege szenisch umsetzen. Unterstützt wird das Projekt von der VIA- Stiftung der Volksbank. Ursprünglich als Theaterstück geplant, disponierte Trautner bereits während der Pandemie auf ein Videoprojekt um. Da Gruppenarbeit nicht möglich war, konnte das Projekt mit einzelnen Jugendlichen realisiert werden.

Im Rahmen eines ökumenischen Open-Air-Gottesdienstes auf dem Lohwall sollten die Video-Clips uraufgeführt werden. Doch dann wurden alle Gottesdienste zu Weihnachten abgesagt.

„Es ist so ein Kraftakt, immer neu anzufangen. Es ist, als würde man mit 180 auf der Autobahn zu einer Vollbremsung gezwungen werden“, beschreibt die Künstlerin ihre Gefühlslage.

Gleichzeitig sieht sie es geradezu als Beleidigung an, dass Theater im Zusammenhang mit Maßnahmen zum Infektionsschutz als reine Vergnügungsveranstaltung abgetan wird. „Theater ist so viel mehr. Es ist gleichermaßen Kulturgut wie Lernort“, beschreibt die Warendorferin den Stellenwert, den das Theater in ihrem Leben hat. Zur Frustration über den Stillstand ihrer Arbeit gesellten sich aufgrund der fehlenden Einnahmen finanzielle Sorgen. Trautner versuchte Soforthilfen in Anspruch zu nehmen, fiel aber durch jedes Raster.

Ich fühle mich von der Politik allein gelassen.

Beate Trautner

„Ich fühle mich von der Politik alleine gelassen“, stellt sie klar. Am härtesten getroffen hat sie der letzte ablehnende Bescheid. Im Antrag hatte sie nicht nur eine komplette Vita mitschicken, sondern auch Referenzen benennen müssen. „Hier habe ich unter anderem die Stadt Warendorf, Schulen und das Theater am Wall aufgeführt. Die Ablehnung begründete man damit, dass daraus nicht ersichtlich gewesen sei, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene“, zeigt sich Beate Trautner immer noch ungläubig.

Mittlerweile hat sie Grundsicherung beantragt. Große Sprünge kann sie damit jedoch nicht machen. Ihre Hoffnung gilt dem Jahr 2021. Wirklich schlimmer könne es für sie nicht mehr werden.

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