Schwächen des globalen Handels
Lieferengpässe für Medikamente sind ein Problem

Freckenhorst -

Lieferengpässe sorgen immer wieder für Probleme bei der Versorgung mit Medikamenten. Die Ursache liegt offenbar vor allem im globalen Handel, wird doch ein Gros der Wirkstoffe in Schwellenländern wie China oder Indien produziert.

Montag, 01.02.2021, 19:21 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 19:30 Uhr
Aufgrund nicht verfügbarer Wirkstoffe sind gängige Medikamente derzeit nicht erhältlich. Manchmal sind sie auch nicht in allen Packungsgrößen zu bekommen. 134 Positionen nicht lieferbarer Medikamente weist die Liste aus, von der Apotheker Markus Neddermeyer hier eine Seite zeigt.
Aufgrund nicht verfügbarer Wirkstoffe sind gängige Medikamente derzeit nicht erhältlich. Manchmal sind sie auch nicht in allen Packungsgrößen zu bekommen. 134 Positionen nicht lieferbarer Medikamente weist die Liste aus, von der Apotheker Markus Neddermeyer hier eine Seite zeigt. Foto: Joke Brocker

Wer bisher geglaubt hat, die Arbeit von Apothekern beschränke sich auf das Produzieren von Salben und Tinkturen und ein bisschen Verkaufen, irrt gewaltig.

Längst gehören Rückrufaktionen von Herstellern sowie Medikamentenengpässe und deren Auswirkungen auf die Versorgung der Kunden zum Alltagsgeschäft, wie Markus Neddermeyer , Apotheker in der Stiftsapotheke, mit Blick auf zwei dicke Aktenordner erzählt.

Der eine, deutlich dünnere, enthält Reklamationen von Kunden, die ausflockende Säfte oder gebrochene Salben beklagen, der andere Rückrufe von Herstellern, die Medikamente wegen fehlerhaft befüllter Blister, fehlender Gebrauchsanweisungen oder verunreinigter Wirkstoffe zurückrufen.

Ein Phänomen, das regelmäßig zu Lieferengpässen bei Medikamenten führt. Allein im vergangenen Jahr seien dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mehr als 300 solcher Engpässe gemeldet worden, berichtet Neddermeyer. „Die Meldungen kommen eigentlich jede Woche“ sagt er und zeigt eine Liste mit 134 Positionen. Alles Medikamente, die Anfang Januar nicht erhältlich waren. „Das betrifft nicht nur einzelne Packungsgrößen, sondern auch Wirkstoffe gängiger Arzneimittel vom Blutdrucksenker bis zum Diabetes-Medikament“, weiß Neddermeyer.

Die Ursache liegt offenbar vor allem im globalen Handel, wird doch ein Gros der Wirkstoffe in Schwellenländern wie China oder Indien produziert.

Gebe es auf dem Weltmarkt lediglich drei Hersteller eines Wirkstoffs und falle auch nur einer von diesen aus, komme es zwangsläufig zu Engpässen, erklärt der Apotheker und erinnert an die Rückrufaktion des in China produzierten Wirkstoffs Valsartan, der in gängigen Bluthochdruckmitteln enthalten ist. Als bekannt wurde, dass viele Medikamente, die Valsartan enthielten, verunreinigt waren, wurden sie vom Markt genommen. Der Wirkstoff war nicht mehr erhältlich, Lieferengpässe waren die Folge.

Ein Dilemma für die Apotheker, die mit den Ärzten ihrer Kunden sprechen und gemeinsam nach einer Alternative suchen müssen. Dabei sind plötzlich nicht verfügbare Packungsgrößen das geringste Übel. Vor allem bei Patienten, die Psychopharmaka oder Medikamente gegen Diabetes einnehmen müssten und von ihren Ärzten gut eingestellt seien, könne jede kleinste Veränderung ernsthafte Probleme hervorrufen, sagt Neddermeyer. Da könne man nicht mal eben den Wirkstoff wechseln. Die Produktion der Wirkstoffe wieder nach Deutschland oder in die EU zu holen, wäre nach Ansicht des Apothekers zwar von Vorteil, „aber sehr teuer.“

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