Über Corona sprechen
Kinder haben ein feines Gespür

Warendorf -

Eltern sollten ihre Kinder nicht von der Realität fernhalten, sondern mit ihnen über alles reden. Das gilt auch für Corona und die Auswirkungen der Pandemie.

Mittwoch, 03.02.2021, 08:30 Uhr
Gespräche mit Kindern über Corona sollten nicht „zwischen Tür und Angel“ stattfinden, sondern nur in ruhiger Atmosphäre, etwa abends vor dem Schlafengehen.
Gespräche mit Kindern über Corona sollten nicht „zwischen Tür und Angel“ stattfinden, sondern nur in ruhiger Atmosphäre, etwa abends vor dem Schlafengehen. Foto: imagoimages

„Eltern sollten ehrlich sein“, findet Mindful-Geschäftsführer Oliver Bokelmann , der es für unumgänglich hält, auch mit Kindern über das unerfreuliche Thema Corona zu sprechen. Zu versuchen, die Realität vor Kindern fernzuhalten, um sie zu schützen, sei „nicht der richtige Weg.“ Kinder hätten ein feines Gespür und registrierten Sorgen und Unsicherheit ihrer Eltern. Vor allem in Zeiten wie diesen, da auch Erwachsene dünnhäutiger seien und nicht immer Ruhe ausstrahlten.

Gespräche über Corona sollten allerdings nicht „zwischen Tür und Angel“ stattfinden, sondern in ruhiger Atmosphäre, rät der Erziehungswissenschaftler. „Vielleicht abends vor dem Schlafengehen.“ Dabei seien Mütter und Väter gut beraten, schwierige Themen wie Tod und Existenzängste nicht auszuklammern. Die besorgte Frage des Kindes, ob ein Familienmitglied an Corona sterben könne, verlange nach einer ehrlichen, das Kind nicht verängstigenden Antwort wie „Ja, das kann sein, aber ich halte das für unwahrscheinlich.“ Auch die eigenen Gefühle, etwa die Sorge um den Job, sollten Eltern im Gespräch mit ihren Kindern thematisieren und dabei deutlich machen, dass keiner wisse, wie lange die Pandemie andauern wird, es aber die Hoffnung gebe, dass sich die Lage bald wieder entspannen wird.

Eltern sollten sich auch in der Ausnahmesituation ihrer Vorbild-Rolle bewusst sein, Vorbild bleiben und Vertrauen ausstrahlen. „Aber auf keinen Fall“, warnt der Pädagoge, „sollte man Dinge versprechen, die man nicht halten kann.“ Wichtig sei es aber, den Kindern mit Sätzen wie „Wir kriegen das schon hin“ ein Gefühl der Hoffnung zu vermitteln.

Wir kriegen das schon hin.

Eltern sollten Kinder beruhigen

Keine gute Idee sei es, die jüngsten Familienmitglieder die Nachrichten mitgucken zu lassen. Sinnvoller sei es, mit ihnen spezielle Kindernachrichten wie „Logo“ im ZDF zu schauen oder die für junge Leser konzipierte Yango-Seite in den Westfälischen Nachrichten zu lesen. Kindgerechte Erklärungen zu Begriffen wie „Risikogruppe“, „Pandemie“ oder „Quarantäne“ finden Eltern im Internet, unter anderem auf der Homepage von Mindful (mindful-jugendhilfe.de). Eltern empfiehlt Oliver Bokelmann, das Verhalten des Nachwuchses zu beobachten. Zögen sich Kinder plötzlich aus dem Alltagsgeschehen zurück, um nur noch traurig herumzusitzen, sollten die Alarmglocken ebenso schrillen wie für den Fall, dass sich ein Kind plötzlich dünnhäutig zeigt und aggressiv gebärdet.

Gute Indikatoren seien auch das Ess- und Schlafverhalten. Wenn ein Kind plötzlich und über einen längeren Zeitraum nicht mehr esse oder aber übermäßig viel Essen in sich hineinstopfe oder tagelang schlecht schlafe, seien das Alarmsignale. Dann sei auf jeden Fall ein Gespräch zur Analyse der kindlichen Gefühlslage notwendig, findet Bokelmann. Dieses könnten die Eltern, aber auch Menschen aus dem Umfeld mit dem betroffenen Kind führen.

Besonders wachsam und sensibel müsse man im Umgang mit Kindern sein, die eine schwere Erkrankung hinter sich haben oder in deren näherem Umfeld ein Mensch verstorben ist. In solchen Fällen sei manchmal die Hilfe eines Kinderpsychotherapeuten oder einer Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche angezeigt.

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