Jugendschöffengericht
Neun Monate Haft für 22-Jährigen

Warendorf -

Von einer Entwicklung „in Wellen“ sprach die Bewährungshelferin des Angeklagten. Jetzt steht für ihn eine Freiheitsstrafe an.

Freitag, 05.02.2021, 18:53 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 19:00 Uhr

Eine Freiheitsstrafe von neun Monaten muss ein 22-jähriger Warendorfer verbüßen. Zu dieser Strafe verurteilte ihn jüngst das Jugendschöffengericht. Von ihm ursprünglich vier vorgeworfenen Straftaten sah das Gericht zwei als zweifelsfrei erwiesen an.

Der schwerwiegendste Fall ereignete sich am 30. Juni 2019 gegen 3 Uhr. Die heute 21-jährige Geschädigte schilderte sichtlich bewegt den Tathergang. Demnach befuhr sie mit dem Fahrrad die Reichenbacher Straße, als der Angeklagte sie unvermittelt einholte, in ihre linke Brust kniff und im Verlauf mit offener Hose auf seinem Rad neben ihr herfuhr. Dabei masturbierte er. Nachdem sie in einiger Entfernung einen anderen Radfahrer entdeckte, rief sie um Hilfe, woraufhin der Warendorfer umkehrte und sich in Richtung Splieterstraße entfernte. Vor Gericht erkannte die Geschädigte den Angeklagten wieder.

Die zweite Tat ereignete sich am 14. August 2020 auf dem Emsweg nahe der André-Marie-Brücke. Hier ging eine heute 20-Jährige mit ihrem Hund am frühen Abend spazieren, als sie auf den Warendorfer traf. Er habe plötzlich mit heruntergelassener Hose hinter ihr gestanden und masturbiert, so die Zeugin. Der Angeklagte bestritt die Taten.

Schwere Kindheit wurde thematisiert

Im Prozess wurde auch dessen schwierige Kindheit thematisiert. Im Alter von vier Jahren trennten sich seine Eltern, zeitweise lebte er im Heim oder auf der Straße. Auch deshalb warb seine Verteidigerin für die Anwendung von Jugendstrafrecht. Dem widersprach die Staatsanwältin – auch mit Blick auf ähnliche aktenkundige Vorfälle in der Vergangenheit. Sie glaube nicht, dass es sich um jugendtypische Taten – sprich um jugendlichen Leichtsinn – handle. Von einer Entwicklung „in Wellen“ sprach die Bewährungshelferin des Angeklagten. Mal klappe die Zusammenarbeit reibungslos, mal tauche er ab. Dabei habe der Angeklagte sogar von der Corona-Pandemie profitiert. Schließlich war eine vollständige Ableistung seiner Sozialstunden – resultierend aus einem anderen Verfahren – in dieser Zeit unmöglich; er bekam somit eine weitere Chance, die er ungenutzt ließ. „Die Bewährung lief nicht glatt“, so das Fazit des Vorsitzenden Richters. Auch er verneinte eine jugendtypische Tat. Die Taten seien zudem während noch laufender Bewährung begangen worden. Daher die Haftstrafe.

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