Ausstellung in der Christuskirche will „Tabu-Fass“ öffnen
„Immer noch da“ – Sternenkinder und ihre Familien

Warendorf -

Um das Thema „Fehl- und Totgeburt“ geht es in einer Ausstellung, die in der Christuskirche zu sehen ist. Die Fotoausstellung zeigt keine Bilder der „Sternenkinder“. Dennoch sind die Aufnahmen verstörend.

Sonntag, 21.02.2021, 13:22 Uhr
Das Fotoprojekt von Carina Gundlach (r.) ist in der Christuskirche zu sehen. Die Einführung in das Thema der Ausstellung übernahm Pfarrer Herwig Behring.
Das Fotoprojekt von Carina Gundlach (r.) ist in der Christuskirche zu sehen. Die Einführung in das Thema der Ausstellung übernahm Pfarrer Herwig Behring. Foto: Beate Trautner

Kunstausstellungen findet man mittlerweile als virtuelle Rundgänge im Internet. Aber eine offizielle Ausstellungseröffnung mit vielen Gästen ist definitiv ausgeschlossen.

Für das Fotoprojekt von Carina Gundlach in der Christuskirche: „Immer noch da“ – Sternenkinder und ihre Familien, gibt es dennoch eine offizielle Eröffnung, die sich jeder ansehen kann – im Livestream. Aber was Carina Gundlach und Pfarrer Herwig Behring präsentieren, hat nichts mit einer Kunstausstellung zu tun. Das Thema hat es auf jeden Fall in sich: Es geht um Fehl- oder Totgeburten.

„Jede zweite Schwangerschaft in Deutschland schlägt fehl.“ Mit diesem provokanten Satz beginnt Gundlach. Der Satz ist auch der Beginn ihrer Projektbeschreibung. Totgeburt ist immer noch ein Tabu. Betroffene benötigen Hilfe und erleben oft das Gegenteil. „Es geht nicht ums Sterben, sondern ums Leben“, fügt Behring an. „

Gundlach ist Warendorferin und lebt in Bielefeld. Das Thema „Sternenkinder“ nimmt eine große Präsenz in ihrem Leben ein. Angefangen hat alles mit ihrer Bachelorarbeit. Seit Oktober 2017 ist Gundlach ehrenamtliche Fotografin für die Organisation „Dein Sternenkind“. Die Organisation bietet Eltern die kostenlose Möglichkeit professionelle Fotos ihres verstorbenen oder bald sterbenden Kindes erstellen zu lassen. Durch die Zusammenarbeit mit Eltern, die ihr Kind verloren haben, hat sich in den letzten zwei Jahren ihr Bachelorprojekt „Immer noch da“ entwickelt.

In der Ausstellung in der Christuskirche sind aber keine Bilder der Sternenkinder zu sehen. Trotzdem ist man verwirrt. Kleine unprofessionelle Abzüge hängen collagenartig an der Wand, dazu kleine Texte. Mit den Motiven kann man auf den ersten Blick wenig anfangen. Was soll das? Die Fotos haben nicht Gundlach, sondern die Eltern der Sternenkinder gemacht. Die Fotografin hat den Eltern eine Einweg-Kamera in die Hand gedrückt und dazu die Aufgabe gegeben: Immer in den Momenten, in denen sie an ihr verstorbenes Kind denken, ein Foto zu machen. Herausgekommen sind Selbstporträts der Sternenfamilien und Erinnerungsstücke der verstorbenen Kinder.

Gundlach geht es um die Familien, um ihre Trauer und um ihren Weg zurück ins Leben. Für die trauernden Eltern ist oft das erste und das letzte Bild ihres Kindes besonders wichtig. „Wir wollen ein Fass öffnen“, sagt Herwig Behring und hofft, dass das Thema nun aus der Tabuzone kommt.

Der Stream von der Einführung in die Ausstellung und eine Auswahl der gezeigten Bilder kann über die Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Warendorf aufgerufen werden (www.ek-warendorf.de). Die Ausstellung ist bis zum 12. März täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Wegen der Corona-Auflagen kann die Ausstellung immer nur von Einzelpersonen oder Hausständen besucht werden.

 

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