Negative Folgen für das Klima
Planvoll und fair einkaufen

Warendorf -

Es lohnt, immer wieder intensiv über die eigene Ernährung nachzudenken. „Wie gehe ich mit Nahrungsmitteln um, wie verwerte ich diese“? Die Fastenzeit kann nicht nur Verzicht bedeuten, sondern vielleicht geht es auch um gezielte und bewusste Ernährung.

Samstag, 27.02.2021, 10:30 Uhr
Mit der fair gehandelten Tafel Bio-Schokolade, die Martina Grundkötter, Vorstandsmitglied im Weltladen Warendorf, hier in den Händen hält, kann der Käufer aktiv zum Klimaschutz beitragen. 20 Cent des Kaufpreises kommen Klimaschutz-Projekten zugute
Mit der fair gehandelten Tafel Bio-Schokolade, die Martina Grundkötter, Vorstandsmitglied im Weltladen Warendorf, hier in den Händen hält, kann der Käufer aktiv zum Klimaschutz beitragen. 20 Cent des Kaufpreises kommen Klimaschutz-Projekten zugute Foto: Joke Brocker / dpa (rundes Bild)

Nur in den monotheistischen Religionen spielt die Fastenzeit eine bedeutende Rolle. Die Tradition des Fastens, auf tierische Produkte, Süßigkeiten oder anderes zu verzichten, hat sich allerdings stark gewandelt. Viele nutzen heutzutage die Fastenzeit, um sich mit der Thematik „Wie gehen wir mit unseren Nahrungsmitteln um?“ auseinanderzusetzen und kritisch zu hinterfragen, welche Auswirkungen die Nahrungsmittelproduktion auf das Klima hat. „Die industrialisierte Lebensmittelproduktion ist ein riesiges Problem“, findet Inge Seelige , Mitglied der Warendorfer Fairtrade-Steuerungsgruppe, und beklagt die damit einhergehende Lebensmittelverschwendung, eine völlig übertriebene Lebensmittelproduktion, die nur gestoppt werden könne, wenn die mangelnde Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln enden würde und die Verbraucher bereit wären, angemessene Preise zu zahlen.

Sie selbst legt Wert darauf, ortsnah einzukaufen, kauft gerne auf dem Markt regionale und saisonale Produkte, die keine langen Transportwege hinter sich haben. Beim Einkaufen orientiert sich die pensionierte Lehrerin an einem Kochplan, den sie jede Woche neu erstellt. „Wenn man danach einkauft, hat man alles im Haus, kauft nicht mehr ein, als man wollte, und verschwendet keine Lebensmittel“, erläutert sie. Wer einen Kochplan erstellt, überlegt sich schon im Vorfeld, wozu der Rest des selbst zubereiteten Kartoffelpürees auch am nächsten oder übernächsten Tag schmecken könnte.

Alte Brötchen oder altes Brot können zu Semmelbrösel verarbeitet werden.

Auch alte Brötchen oder altes Brot wirft Inge Seelige selbstverständlich nicht weg, sondern verarbeitet sie zu Semmelbröseln oder – noch besser – zu Semmelknödeln. Den Fleischkonsum, findet Seelige, könne man erheblich reduzieren, was insbesondere die Gesundheit fördere. Laut Ernährungsreport 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist der Fleischkonsum der Deutschen während der Pandemie gesunken. Hatten 2015 noch 34 Prozent der Befragten angegeben, täglich Fleisch und Wurst zu essen, sind es 2019 nur noch 26 Prozent der Befragten gewesen. Insbesondere immer mehr Männer verzichten auf ihre tägliche Portion Fleisch. Bei ihnen sank der Anteil von 39 Prozent im Jahr 2019 auf nun 32 Prozent. Einen Rückgang des Fleischkonsums bei jungen Menschen beobachtet auch der Fleischatlas, ein Kooperationsprojekt von Heinrich- Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique. Danach hat rund ein Drittel derjenigen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, erst im vergangenen Jahr auf fleischfrei umgestellt. Zur Verringerung des Fleischkonsums trage auch der Anteil der Flexitarier bei, der bei den jungen Menschen rund 25 Prozent betrage. Flexitarier essen nur manchmal Fleisch. Dass etwa bei der Hälfte dieser Generation die Reduktionsbotschaft also angekommen ist, hat nach Ansicht von Fachleuten auch mit der Klimabewegung Fridays for Future zu tun.

Flexitarier essen nur manchmal Fleisch

Welche Auswirkungen übermäßiger Fleischkonsum auf das Klima hat, ist vielen bekannt. Um landwirtschaftliche Flächen für die Beweidung zu erhalten, werden Wälder gerodet, was zu Treibhausgasemissionen führt. Nachteilig wirken sich zudem die direkten Emissionen der Tiere, darunter CO und das noch schädlichere Methan auf das Klima aus. „Auch der Anbau von Lebensmitteln in Monokulturen auf Riesenplantagen verursacht erhebliche Klimaschäden“, ergänzt Martina Grundkötter, Vorstandsmitglied des Weltladen Warendorf, in dem fast nur Bio- und CO-neutral hergestellte Produkte angeboten werden. „Das sollte man auf jeden Fall bedenken, wenn man Produkte wie zum Beispiel Kaffee und Tee genießen möchte.“ Fair gehandelte Lebensmittel aus den Weltläden, die gewährleisteten, dass Kleinbauern ihr Auskommen haben, wären ein gutes Signal für den Konsumwandel und würden einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum „Klimafasten“ leisten.

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