Friseure dürfen wieder öffnen
Erster Haarschnitt um Mitternacht

Warendorf -

Ob nun „Würde“ zurück erlangen, die Corona-Frise loswerden oder einfach Normalität spüren – egal: Hauptsache zum Friseur.

Montag, 01.03.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 17:10 Uhr
Endlich wieder ihren Beruf ausüben zu können, darauf hat Julia Günnewig (l.) die letzten Wochen gewartet.
Endlich wieder ihren Beruf ausüben zu können, darauf hat Julia Günnewig (l.) die letzten Wochen gewartet. Foto: Rebecca Lek

Eine Durststrecke liegt hinter den Friseuren. Hier herrschte klares Arbeitsverbot: Auch im privaten Bereich war ein Haarschnitt nicht gestattet. Umso mehr freuten sich die Friseure in Warendorf, dass sie als erstes wieder öffnen dürfen. Nach der Bekanntgabe des Öffnungstermins stand das Telefon nicht mehr still, wie Sulay und Murat Monsuroglu vom Friseursalon Murat verrieten. „Seit 14 Tagen vergeben wir wieder Termine. Die nächsten drei Wochen sind wir komplett ausgebucht“, gesteht Sulay Monsuroglu. Frauen müssen tendenziell auch mit einer längeren Wartezeit rechnen.

Montag als klassischer Ruhetag ist vorerst gestrichen. Von 7 bis 21 Uhr werden derzeit die Haare geschnitten – in der ersten Woche kommt hier wirklich nur die Schere zum Einsatz. „Wir hatten so viele Anfragen, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben, erst ab nächster Woche wieder Haare zu färben“, betonen die Inhaber von Murat und sind froh, dass ihre Stammkunden so viel Verständnis für die Situation aufbringen. Denn was unumgänglich gewesen ist, ist eine Erhöhung der Preise.

Seit 14 Tagen vergeben wir wieder Termine.

Sulay Monsuroglu

Diesen Schritt ging Halil Demir von „My Look“ bereits nach dem ersten Lockdown. Zusätzliche Hygienemaßnahmen und weniger Kunden, die parallel bedient werden durften, machten diesen Schritt unumgänglich. Durch ausgeweitete Öffnungszeiten müssen die Kunden derzeit eine Woche auf einen Termin warten. „Das Telefon steht einfach nicht still“, erzählt Demir und geht davon aus, dass die Termine für die kommende Woche auch schnell vergriffen sein werden. Spontanbesuche, wie es normalerweise bei „My Look“ üblich gewesen ist, sind nicht mehr erlaubt. Geschnitten wird nur noch mit Termin.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei „Hartmann & Friseure“ ab. Bereits seit 6 Uhr schnitten sie, was das Zeug hielt. Wer jetzt einen Termin möchte, muss mit einer Wartezeit bis April rechnen.

La Biostethique Günnewig setzte ein zusätzliches Zeichen. Punkt Mitternacht machten sie die Lichter an und schnitten symbolisch die ersten drei Köpfe – der Regelbetrieb startete dann wieder in den Morgenstunden. Um des Andrangs Herr zu werden, wird hier derzeit täglich bis 20 Uhr geschnitten. Eine Selektion der Kunden fand nicht statt: Ob Schneiden oder Färben, alle bekamen einen Termin. Vorrang hatten allerdings die Kunden, die während des Lockdowns bereits einen Termin gehabt hätten.

Die ersten Drei zur Geisterstunde

Insgesamt war es nötig, dass wieder Geld in die Kassen fließt, mein Sulay Monsuroglu. „Wir haben derzeit nicht mal die Erstattung für das Kurzarbeitergeld bekommen.“ Dieses muss von den Unternehmen nämlich erst vorgestreckt werden. Auch von den Überbrückungshilfen ist derzeit noch nichts auf dem Konto eingegangen.

Gleichzeitig fürchten sich die Friseure vor steigenden Zahlen, was möglicherweise wieder zu einer Schließung führen könnte. Das stößt durchweg auf Unverständnis, wenn die reinen Infektionszahlen im Friseurhandwerk betrachtet werden: Laut der Berufsgenossenschaft BGW gab es nur 22 Meldungen von Verdachtsfällen bei Friseuren – und das bei etwa 80 000 Betrieben in ganz Deutschland.

Weiterhin gelten dennoch strenge Regeln für Friseure. „Augenbrauen zupfen können wir derzeit nicht“, betont Halil Demir. Kosmetische Gesichtsbehandlungen seien derzeit nicht vorgesehen. Werden gesichtsnahe Dienstleistungen angeboten, müssten die Mitarbeiter zusätzlich eine Schutzbrille oder Ähnliches aufsetzen. Ebenfalls muss weiterhin bei jedem Kunden eine Haarwäsche vorgenommen und die Kontaktdaten erfasst werden. Alltagsmasken sind ebenfalls nicht mehr zulässig. Wie bereits bei den Supermärkten, müssen sowohl die Angestellten wie auch die Kunden mindestens eine medizinische Maske tragen.

Augenbrauen zupfen können wir derzeit nicht.

Halil Demir

Die Warendorfer Friseure setzen weiterhin auf Sicherheit. Günnewig hat mobile Trennwände angeschafft, damit mehr Plätze belegt werden können. Eine Maßnahme, die nicht bei allen Friseuren funktioniert. „Wir lassen Stühle frei. Aufgrund der Quadratmeterregelung dürften wir trotzdem nicht mehr Kunden reinlassen“, erklärt Demir.

Die Regelungen einzuhalten, ist für alle wichtig. Eine erneute Schließung möchte das Friseurhandwerk nicht riskieren. Denn obendrauf könnte es auch noch teuer werden: Werden Regelungen nicht eingehalten, kann ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro erhoben werden.

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