Merle Peters über ihre Erfahrung ohne Poetry Slam
Die Wärme des Publikums fehlt

wrendorf -

Diese Zeit ist für Künstlerinnen und Künstler keine leichte – das betrifft beispielsweise auch den Bereich des Poetry-Slam. Merle Peters berichtet über ihre Erfahrungen im WN-Interview.

Samstag, 06.03.2021, 08:34 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 08:40 Uhr
Auch beim Jour fixe im Dachtheater trat Merle Peters mit ihren Texten auf die Bühne.
Auch beim Jour fixe im Dachtheater trat Merle Peters mit ihren Texten auf die Bühne. Foto: Rebecca Lek

Zu Hause sitzen und dichten ist das eine, seine eigenen Werke vor Publikum zu präsentieren etwas anderes. Bei einem Poetry-Slam treten Künstler gegeneinander in einem literarischen Wettbewerb gegeneinander an. In einer bestimmten Zeit können die Künstler eigene verfasste Texte zum Besten geben: Lyrisch, sarkastisch, als Monolog oder mit Gesangseinlagen – der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Entscheidend ist es jedoch, dass es dem Publikum gefällt, denn die küren am Ende den Gewinner.

Doch wie ist es derzeit? In Warendorf fand der Poetry Slam vor der Pandemie in der Alten Frieda in gemütlicher Atmosphäre statt. Bei kühlen Getränken standen die Zuschauer dicht gedrängt und lauschten den Poeten. Die Kneipe ist derzeit geschlossen, der Austragungsort fehlt, und die Kontaktbeschränkungen lassen höchstens einen digitalen Wettbewerb zu. Die Westfälischen Nachrichten haben Merle Peters , eine erfahrene Slammerin, nach ihren Erlebnissen während der Corona-Pandemie gefragt.

 

Wann war der letzte Poetry Slam, an dem Du teilgenommen hast?

 

Merle Peters: Ehrlich gesagt ist das eine gute Frage, die ich mir selber immer stelle. Ein ganz normaler Slam muss Anfang 2020 gewesen sein. Ich kann aber nicht mehr sagen, wo das war und wann genau.

Hast Du den Slam genutzt, um Werke zu präsentieren oder hast Du auch dafür Texte verfasst?

 

Merle Peters: Hauptsächlich um Werke zu präsentieren und meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Obwohl ich auch schon an Slams teilgenommen habe, bei denen ein Thema vorgegeben war.

Was vermisst Du am meisten daran, dass es derzeit keinen Poetry-Slam gibt?

 

Merle Peters: Am meisten vermisse ich es, mich in dieser Form auszudrücken und dieses Gefühl von „ich bin okay so wie ich bin“ zu spüren. Diese Wärme vieler Künstler fehlt mir einfach, aber natürlich auch die des Publikums. Es ist immer wieder schön, sich mit unterschiedlichsten Menschen zu unterhalten und durch Texte ins Gespräch zu kommen.

Hast Du trotz Corona Kontakt mit anderen Slammern?

Merle Peters: Tatsächlich recht wenig. Das liegt aber einfach daran das ich ziemlich zurückhaltend bin.

Gibt es virtuelle Poetry Slams oder hast Du an einem teilgenommen, seitdem uns die Pandemie so im Griff hat?

 

Virtuelle Wettbewerbe sind mit der realen Bühne nicht vergleichbar

Merle Peters: Im ersten Lockdown habe ich an einigen virtuellen Slams teilgenommen oder auch mal etwas in meiner Story auf Instagram @poetrypörle geteilt. Das macht mir zwar auch Spaß, aber ist eben nicht das gleiche wie vor Live-Publikum zu stehen. Im Sommer hatte ich noch zwei Mal die Möglichkeit, in einer kleinen Gruppe, mit entsprechenden Hygienemaßnahmen, Videos für YouTube zu drehen. Das war eine coole Erfahrung, aber auch hier fehlt das Publikum, dass dir ein direktes Feedback gibt.

Arbeitest Du trotz Corona an Texten oder vielleicht sogar wegen Corona?

 

Merle Peters: Ja definitiv. In letzter Zeit habe ich zwar nicht so viel geschrieben, was aber nicht unbedingt an der Situation liegt sondern eher an meiner Lust etwas zu schreiben. Ideen sind viele da, nur manchmal scheitert es an der Umsetzung. Neue Texte und auch Texte über Corona existieren bei mir aber auf jeden Fall!

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