Arbeitskreis Bürgerbegegnungsstätte hat 1996 die Trägerschaft des Bürgerhauses übernommen
Jubiläumsfeier war schon vorbereitet

Freckenhorst -

Der Verein Freckenhorster Bürgerhaus wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Doch das Jubiläumsprogramm kann aus bekannten Gründen nicht stattfinden. So blicken Peter Marberg, Vorsitzender des Vereins, und seine Stellvertreterin, Paula Rose, im Gespräch mit dieser Zeitung auf ein Vierteljahrhundert Bürgerhausverein zurück.

Samstag, 01.05.2021, 08:26 Uhr aktualisiert: 01.05.2021, 08:30 Uhr
Das Freckenhorster Bürgerhaus auf einer alten Postkarte.
Das Freckenhorster Bürgerhaus auf einer alten Postkarte.

Daran, dass der Verein Freckenhorster Bürgerhaus auch das Corona-Jahr überstehen wird, hat dessen Vorsitzender Peter Marberg keinen Zweifel. Dass der Verein allerdings seinen 25. Geburtstag in diesem Jahr so feiern kann, wie ursprünglich geplant, hält er für fraglich.

„Wir hatten das Programm schon fertig“, erzählt Marbergs Stellvertreterin Paula Rose . So seien Konzerte mit Nic und Jan Koray sowie Alacoustic, quasi die Bürgerhaus-Band um Marie Meibeck, geplant gewesen. Ferner eine Lesung mit Beate Osthues, Maria Tönne und „Kleine Töne“, eine Ausstellung mit Werken ehemaliger Aussteller und eine offizielle Feier mit geladenen Gästen Mitte März.

Frauen und Männer der ersten Stunde sollten dazu eingeladen werden, Bilder und Videos hätten Erinnerungen an ein Vierteljahrhundert Bürgerhausverein wachrufen sollen.

Wir hatten das Programm schon fertig.

Paula Rose

Der Grundstein zur Gründung des Vereins liegt bereits 26 Jahre zurück. Damals, 1995 wurde das frisch restaurierte Bürgerhaus an der Gänsestraße eröffnet. Ende der 1980er-Jahre hatte die Stadt Warendorf Alfred Bergermann das Haus abgekauft. Längst waren die letzten Bewohner, die Familie Hennemann, ausgezogen. Das Haus stand leer. Für die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses habe die Stadt damals erhebliche Fördermittel, rund 1,5 Millionen D-Mark, erhalten, erinnert sich Marberg.

Dass das Gebäude, eigentlich ein Mehrfamilienhaus mit zwei Kaminanlagen, getreu der historischen Nutzung rekonstruiert wurde, ist Egon Klaus vom Amt für Denkmalschutz, und dem Freckenhorster Architekten Horst Pawlowski zu verdanken. Beide hätten hier ihre „Meisterstücke“ abgeliefert, findet Marberg. Auch für die Handwerker sei die Restaurierung des Fachwerkhauses eine Herausforderung gewesen.

Auch wenn sich Harald Nilles, scherzhaft der „Stadtdirektor von Freckenhorst“ genannt, als erster Verwalter des Hauses betätigte, sei sehr bald klar gewesen, dass das Gebäude in die Trägerschaft einer Organisation übergeben werden sollte. „Erste Wahl war der Heimatverein“, erinnert sich Marberg. Doch dessen damaliger Vorsitzender, Friedel Rose, habe abgewinkt. Daher hätten ein paar „inspirierte Männer aus dem Bezirksausschuss“ einen Trägerverein ins Leben gerufen, der sich eine Satzung gab und zu zwei Bürgerversammlungen einlud. Ein Nutzungsvertrag des „Arbeitskreises Bürgerbegegnungsstätte“ legte 1995 fest, dass das Haus auch für eine privatwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen sollte. Zum Unmut der Wirte übrigens, die eine Art Schwarzgastronomie befürchteten.

Erste Wahl war der Heimatverein.

Peter Marberg

1996 übernahm der Verein, von der Stadt mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 10 000 Mark unterstützt, das Haus. Erster Vorsitzender des neu gegründeten Bürgerhausvereins wurde Dr. Volker Gutberlet, zweiter Vorsitzender Alfons Averhoff. Den Vorstand komplettierten Hermann Röer, Marianne Reinker, Peter Marberg und als Beiratsvorsitzender Peter Horstmann, Vater des heutigen Warendorfer Bürgermeisters.

In den ersten Jahren sei das Haus intensiv auch privat genutzt worden, so dass der Verein alle Kosten, einschließlich der Hausmeisterkosten, aus den Einnahmen bestreiten und Investitionen in Bestuhlung oder dämmende Vorhänge im Eingangsbereich tätigen konnte.

Im Laufe der Jahre sei die private Nutzung, die leider auch immer wieder zu Konflikten mit den Nachbarn führte, zwar zurückgegangen, aber für Frühschoppen, Kinderkommunionen, Kaffeetrinken der Nachbargemeinschaften oder Geburtstage von Menschen im reiferen Alter würden hier immer noch gerne gefeiert, erzählen Marberg und Rose. Die Ferienspieltage, organisiert von Mechtild Pawlowski finden in dem Fachwerkhaus ebenso statt wie einmal jährlich die SPD-Hobbybörse. Außerdem ist das Haus während des Freckenhorster Herbstes eine beliebte Anlaufadresse für Familien, die hier bei Kaffee, Kuchen oder Leberkäse eine Pause einlegen. Das Kreisjugendamt nutze das Haus, in dem die historisch-kulinarischen Stadtrundgänge der Werbegemeinschaft ihren Abschluss finden, für Seminare für Pflegeeltern. Auch Bezirksausschuss-Sitzungen finden hier gelegentlich statt. Außerdem wird das Haus für standesamtliche Hochzeiten genutzt. „15 bis 20 Trauungen im Jahr finden hier statt“, schätzt Marberg. Bis vor sieben oder acht Jahren habe man allen Vereinen das Haus kostenfrei zur Verfügung gestellt, berichtet er. Inzwischen erhebe man eine Betriebskostenpauschale, die allerdings unterhalb der Selbstkosten liege.

Von Anfang an habe auch festgestanden, dass das Haus einer kulturellen Nutzung zugeführt werden sollte. Musikveranstaltungen und Lesungen sollten möglichst von regionalen Gruppen und Einzelpersonen bestritten werden. So hielten unter anderen Klaus Gruhn, Franz-Josef Risse und Theo Zwoll Vorträge. Es gab Lesungen mit Beate Osthues und Maria Tönne, außerdem Weinproben. „Wir hatten auch einmal eine Lesung mit Kehrer“, erinnert sich Paula Rose. Der Verein organisiere zwischen zehn und 14 Veranstaltungen im Jahr mit, bezogen auf alle Veranstaltungen, 250 bis 300 Besuchern, weiß Peter Marberg. Die meistbesuchte Veranstaltung sei der Vortrag von Dr. Thomas Cierpka gewesen, der von seinen Erlebnissen als Schiffsarzt berichtete. Marberg: „Wir hatten 80 Besucher im Haus und dazu 20 Stehplatze. Draußen vor der Tür stand wutschnaubend die gleiche Anzahl an Besuchern, die wir wegschicken mussten.“

Draußen vor der Tür stand wutschnaubend die gleiche Anzahl an Besuchern, die wir wegschicken mussten.

Peter Marberg

Bei der Auswahl der Künstler, die das familiäre Ambiente schätzen und laut Marberg gerne wiederkommen, verlässt sich das Vorstandsteam auf „Künstlerchefin“ Karin Wichmann, die die auftretenden Künstler nicht nur fair bezahlt, sondern auch hegt und pflegt. Stark frequentiert würden die Ausstellungen von Malern und Bildhauern. „Einige Exponate haben wir erworben und so eine kleine eigene Kunstsammlung angelegt“, erzählt „Vereinsfossil“ Peter Marberg.

Er hatte vor fünf Jahren den Vorsitz übernommen, nachdem die Frauen im Vorstandsteam dem „Quotenmann“ versprochen hatten, dass er nur da zu sein habe und die Arbeit schon erledigt werde, hatte Horst Wohlgemuth den Vorsitz etwa acht Jahre innegehabt. Seine Vorgängerin war Marianne Reinker, die das Amt zehn Jahre bekleidete und von Volker Gutberlet übernommen hatte.

Im Jubiläumsjahr hat der Verein 150 Mitglieder treue Mitglieder, die während der Coronazeit keine Mitgliedsbeiträge zahlen müssen.

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