Serie: Häuser für Gott
Flintruper Kapelle

In unserer Serie „Häuser für Gott“ stellen wir die Kirchen und Kapellen in Warendorf und den Ortsteilen vor. Wie sind sie entstanden, was macht sie aus und wie sieht ihre Zukunft aus? Heute: Die Flintruper Kapelle.

Samstag, 14.12.2019, 12:26 Uhr aktualisiert: 14.12.2019, 12:30 Uhr
Serie: Häuser für Gott: Flintruper Kapelle
In unserer Serie "Häuser für Gott" stellen wir die Flintruper Kapelle vor. Foto: Hagemeyer

Manchmal verbergen sich auf kleinem Raum große Geschichten. Zum Beispiel in der Kapelle in Flintrup, die in ihrem jahrhundertelangen Leben schon mindestens zweimal wiederbelebt wurde.

Die Lebensretter stammten vermutlich alle aus denselben Familien, von den Höfen rundherum. Heute sind es 14 Familien, die sich um den Erhalt der kleinen Kapelle kümmern. Jeder Nachbar hat im Jahr für vier Wochen “Dienst”. Das bedeutet: Aufschließen, Blumenschmuck organisieren, ein bisschen putzen, das Gebäude in Ordnung halten. "Das funktioniert ganz wunderbar", sagt August Finkenbrink .

Seit fünf Jahren sind die Nachbarn sogar in einem Verein organisiert, dem Flintruper Kapelle e.V. Sowieso ist die Flintruper Kapelle weniger ein von oben verwaltetes Kirchenobjekt, sondern vielmehr ein Nachbarschaftsprojekt, ein Treffpunkt und der Kitt, der die Flintruper zusammenhält. Vermutlich seit Jahrhunderten, ganz sicher aber in den letzten Jahrzehnten.

Wie alt die Kapelle genau ist, lässt sich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich ist es inzwischen bereits die dritte an dieser Stelle, und dass es den Ort des Glaubens schon zur Gründung des Klosters Freckenhorst im Jahr 851 gab, liegt nahe.

Sicher ist, dass die erste Kapelle nach Ende des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) verfallen war. 1670 wurde eine neue gebaut, aus Fachwerk. Der nahmen sich die Damen des Freckenhorster Damenstifts an, davon zeugen zahlreiche sakrale Gegenstände, die sie über die Jahre gespendet haben.

Doch mit der Säkularisierung und dem Ende des Stifts Anfang des 19. Jahrhunderts war diese “Patenschaft” vorbei. Die Fachwerk-Kapelle verfiel, 1895 wurde sie abgerissen - um Platz zu machen für einen Neubau aus Backstein, der vor genau 120 Jahren eingeweiht wurde, am 13. Juni 1899. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kapelle genutzt, aber nur leidlich instand gehalten. 1980 lief wieder Wasser an den Innenwänden herunter, das Dach war undicht.

Eine Beerdigung war der Anlass, dem Gebäude neues Leben einzuhauchen. Die Trauerfeier für einen Nachbarn fand in der ruinösen Kapelle statt, und noch an diesem Tag taten sich die Anwohner zusammen und beschlossen, das Projekt Kapellenrenovierung anzugehen.

“Uns war von Anfang an wichtig, dass alle Entscheidungen einstimmig getroffen werden”, erzählt Finkenbrink. Einstimmigkeit herrschte schnelle, allen war klar, dass das Dach die wichtigste Baustelle war. Die Kapelle wurde eingerüstet, neue Pfannen aufgelegt, und weil sie gerade dabei waren, wurde der Bau von außen neu verfugt. “Das war alles Eigenleistung, zeitweise standen 22 Nachbarn auf dem Gerüst und haben die Fugen ausgepickt”, erinnert sich Finkenbrink.

Zu Erntedank 1980 organisierten die Nachbarn ein Fest -- und wurden von Unterstützern fast überrannt. “Damit hatten wir nicht gerechnet, das war eine Völkerwanderung nach Flintrup”, sagt Finkenbrink lachend.

Dabei kam genug Geld zusammen, um die Fenster zu erneuern. Dann wurde der Dielenboden durch amerikanische Roteiche ersetzt, die organisierte ein Nachbar, der in der Holzindustrie tätig war. Vor 20 Jahren, zum 100. Geburtstag, bekam der Altar eine neue Gestaltung und der Glockenturm wurde saniert.

Gestrichen wurde auch, dazu fanden sich auf dem Dachboden von Maler Krass sogar noch die Schablonen, die beim Bau 1899 verwendet worden waren. So sieht man heute diese originalgetreuen Muster wieder.

Die Flintruper hegen und pflegen ihre Kapelle nicht nur für die Pilgerer, die des Weges kommen, sondern nutzen sie vor allem selbst. Für Feiern aller Art, für Messen, Andachten. Und besonders im Advent, wenn die Kinder aus der Nachbarschaft gemeinsam die Lindenholz-Krippe unter dem Weihnachtbaum aufbauen, den der Graf spendiert. “Dieses Drumherum, der Nachbarschaftsgeist, das macht die Kapelle aus”, sagt Finkenbrink. Schon seit Jahrhunderten.

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