Kunstmuseum Ahlen
Die Absurditäten des Kunstbetriebs

Ahlen -

Schätze aus der eigenen Sammlung des Kunstmuseums treffen auf die provokanten Werke Laas Abendroths. Mit der Ausstellung „Sammlung PLUS / Kunst muss wieder weniger werden“ bietet das Haus eine sehenswerte Gesamtpräsentation.

Montag, 23.05.2016, 16:05 Uhr

Es kratzte und knirschte: Laas Abendroth spielte mit einem Violinenbogen auf einem Stück Styropor zur Ausstellungseröffnung, zu der Museumsdirektor Burkhard Leismann auch die Vorsitzende des Förderkreises, Silke Linnemann, sowie Meinolf Wiesehöfer und Cornelia Glaser von der Theodor-F.-Leifeld-Stiftung begrüßte (kl. Foto v.l.).
Es kratzte und knirschte: Laas Abendroth spielte mit einem Violinenbogen auf einem Stück Styropor zur Ausstellungseröffnung. Foto: Christian Feischen

Zwischen Leinwandarbeiten Adolf Luthers aus den 1960er Jahren und provokant beschrifteten schwarzen Wandtafeln des Zeitgenossen Laas Abendroth: Bis auf den letzten Sitzplatz war das Erdgeschoss des Kunstmuseums am Sonntagvormittag gefüllt, als Burkhard Leismann die Ausstellung „Sammlung PLUS / Kunst muss wieder weniger werden“ eröffnete. Der Museumsdirektor betonte in seiner Einführung, dass dies eine außergewöhnliche Präsentation in neuem Format sei. Sie gebe nicht nur einen Einblick in die mittlerweile zehnjährige Sammlungstätigkeit des Hauses, sondern thematisiere gleichzeitig mit den Werken Laas Abendroths „die Absurditäten des Kunstbetriebs – mal subtil, mal sehr direkt“.

Seit seiner Gründung 1993 hatte das Kunstmuseum bis vor zehn Jahren zunächst ausschließlich Wechselausstellungen gezeigt. Erst seit Herbst 2006 habe sich ein Sammlungskonzept entwickelt, das sich, so Leismann, bewusst nicht – wie bei anderen Museen – auf einen einzigen „großen“ Künstler konzentriere. So sind nun im Altbau des Museums Werke rheinisch-westfälischer Künstler zu sehen. Darunter beispielsweise die Aktmalereien von Hans Bloch aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts im Übergang von Impressionismus zu Expressionismus. Ein zweiter Aspekt der Sammlung zeigt die konkret-konstruktive Kunst in Nordrhein-Westfalen nach 1945, dabei das Neonlicht-Objekt „Torso“ von Timm Ulrich und neu erworbene Ar­beiten von Heinrich Siepmann sowie zahlreiche Werke von Herm Dienz (1891-1980). Die künstlerische Entwicklung des Malers und Grafikers hin zum Abstrakten stehe beispielhaft für die Programmatik des Kunstmuseums, das in seiner Sammlung einen facettenreichen Blick auf die Kunst des 20. Jahrhunderts werfe und zudem auch die Entwicklungen zeitgenössischer Kunst nicht auslasse, führte Burkhard Leismann weiter aus.

Sammlung auf 2000 Werke angewachsen

Ausdrücklich bedankte er sich bei den Förderern der Sparkasse Münsterland Ost, der stetigen Unterstützung des Förderkreises des Kunstmuseums, am Sonntag vertreten durch die Vorsitzende Silke Linnemann, sowie bei Meinolf Wiesehöfer und Cornelia Glaser vom Vorstand der Theodor-F.-Leifeldt-Stiftung, deren Engagement der Museumsdirektor besonders hervorhob. So konnte die Sammlung auf mittlerweile 2000 Werke anwachsen. In Zukunft sollen alle zwei Jahre Neuerwerbungen im Kontext des Eigenbestandes präsentiert werden.

„Wir hätten die Sammlung auch ‚einfach so‘ zeigen können“, meinte Leismann. Die Arbeiten von Laas Abendroth hinterfragen in der Gesamtpräsentation aber zusätzlich auf widerspenstige Weise den Kulturbetrieb vom Mäzenatentum über das Museum bis hin zum Sammler und dem Künstler selbst: „Das lasse ich mir von einem Museum nicht aufwerten“, lautet ein Statement auf den Wandtafeln im Erdgeschoss. Nicht nur im Neubau, überall trifft der Besucher nun auf die konterkarierenden Setzungen Laas Abendroths.

Der Autodidakt, Jahrgang 1967, ist der erste zeitgenössische Künstler, der im Rahmen des neuen Ausstellungsformats seine Arbeiten im Kunstmuseum zeigt. Dabei stellt er mit über 600 Einzelstücken die meisten Werke aus, die bisher von einem Künstler im Kunstmuseum zu sehen waren.

Der Mühlheimer stimmte am Eröffnungstag die Besucher auf spezielle Weise ein, indem er mit einem Violinenbogen auf einem Stück Styropor spielte. Da kratzte und knirschte es – und stellte so mit ungewöhnlichen Klän­gen herkömmliche Kunstauffassungen genauso elementar in Frage wie seine Objekte, Videoinstallationen und Gemälde zwischen Dadaismus und Pop-Art.

Das Kunstmuseum sei ein „Ort der Freude und des Nachdenkens“, merkte zum Schluss Burkhard Leismann noch an, um die Kunstinteressierten zum Rundgang und zur Auseinandersetzung mit den zahlreichen Exponaten einzuladen.

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