Storno: Kult-Kabarett vor 46.000 Zuschauern
Die Rechnung, bitte!

Münsterland -

Eigentlich wollten Jochen Rüther, Harald Funke und Thomas Philpzen 2005 nur ein kleines regionales Kabarett-Projekt starten, um näher bei den Familien zu sein. Der Name: „Storno“. Doch aus der Idee wurde Kult. Bis heute fällt es den Helden der Geschichte schwer zu erklären, woran das eigentlich liegt...

Mittwoch, 16.05.2018, 14:05 Uhr

Storno: Kult-Kabarett vor 46.000 Zuschauern: Die Rechnung, bitte!
Foto: Wilfried Gerharz

Beim Soundcheck machten sie vorhin noch einen netten, seriösen Eindruck. Harald Funke , Jochen Rüther und Thomas Philipzen werkelten auf der Bühne vor sich hin, zupften an Gitarrensaiten, drückten auf Keyboard-Tasten, sprachen über den Tag mit der Familie und die Fußball-Bundesliga . Alles ganz gesittet.

90 Minuten später ist nichts mehr, wie es war. Philipzen redet sich um Kopf und Kragen, Rüther schimpft und zetert, Funke fällt dem Wahnsinn anheim: „Wenn hier jemand aus dem Zusammenhang gerissen ist, dann ja wohl ich“, verkündet er im Brustton der Überzeugung und erntet Jubelstürme im Publikum. Willkommen bei „Storno“ - dem wohl größten Kleinkunstprojekt, das es im Münsterland je gegeben hat!

Hinter den Kulissen von „Storno“

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  • Storno ist das wohl größte Kleinkunstprojekt, das das Münsterland je gesehen hat. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wir haben bei den Vorbereitungen für einen Auftritt in Münster einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • An mehr als 70 Abenden spielen Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther vor insgesamt 46.000 Zuschauern.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Storno ist das wohl größte Kleinkunstprojekt, das das Münsterland je gesehen hat.

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  • An mehr als 70 Abenden spielen Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther vor insgesamt 46.000 Zuschauern.

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  • An mehr als 70 Abenden spielen Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther vor insgesamt 46.000 Zuschauern.

    Foto: Wilfried Gerharz
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    Foto: Wilfried Gerharz
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    Foto: Wilfried Gerharz
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  • An mehr als 70 Abenden spielen Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther vor insgesamt 46.000 Zuschauern.

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  • Storno ist das wohl größte Kleinkunstprojekt, das das Münsterland je gesehen hat.

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    Foto: Wilfried Gerharz
  • An mehr als 70 Abenden spielen Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther vor insgesamt 46.000 Zuschauern.

    Foto: Wilfried Gerharz

Storno ist würziges Polit-Kabarett und süßer Quatsch mit Soße, ein Jahresrückblick, der seinesgleichen sucht. Abende mit Funke, Rüther und Philipzen sind begehrter als ein Rendezvous mit Angelina Jolie (die im Programm übrigens auch mitspielt) und schneller ausgebucht, als man bis drei zählen kann. 46 .000 Menschen wollen Storno in diesem Jahr sehen, verteilt auf über 70 Auftritte zwischen November und April. Ein Ende des Booms? Nicht in Sicht.

800 Menschen sind allein an diesem Abend ins Hörsaalgebäude am Schlossplatz in Münster geströmt, um sich von Storno die Jahresabschluss-Leviten lesen zu lassen. Für viele ist das ein liebgewordenes Ritual, ähnlich wie „Dinner for one“ zu Silvester, nur echter, näher und allemal überraschender. Ferdi zum Beispiel, ein Mann im braunen Sakko, ganz weit vorne im Publikum, steht plötzlich im Rampenlicht: Zwei der drei Stornisten haben ihn kurzerhand zum „Superreichen“ erkoren - und damit zum Sinnbild für das immer dramatischere Wohlstandsgefälle in unserer Gesellschaft. Nur Funke spielt beim Reichen-Bashing nicht mit: „Hört mir auf, den Ferdi zu mobben!“

Rampensäue mit Schlips und Kragen

Drei Typen, die unterschiedlicher kaum sein können, schlüpfen bei Storno in Rollen, die kontrastreicher kaum sein können: Philipzen mimt den Quirligen, Funke den schrägen Vogel mit mindestens ebenso schrägen Blicken, Rüther den miesepetrigen Besserwisser. Die – vorgeblichen – Missverständnisse und Konflikte zwischen den drei Rampensäuen mit Schlips und Kragen sind der Nährboden für viele komische Momente. Das Spiel mit dem Publikum setzt dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf. „Das ist jeden Abend anders“, erzählen Harald Funke und Thomas Philipzen in einem ruhigen Moment in der Garderobe des Hörsaalgebäudes, einem kleinen Raum direkt neben dem Damenklo. „Die Zuschauer sind wie Dirigenten, sie geben uns den Rhythmus vor.“

Zusammen bilden Storno und Publikum eine verschworene Gemeinschaft. Man kennt sich und weiß, was man voneinander hat. Funke, Philipzen und Rüther suchten von Anfang an die Provinz, die kleineren Hallen, die kleineren Veranstalter. Storno sollte familiär und ein echtes Heimspiel werden: „Wir wollten näher dran sein an zu Hause“. Daraus wurde das größte kulturelle Kleinprojekt, das die Region je gesehen hat. Und bis heute fällt es den Helden der Geschichte schwer zu erklären, woran das eigentlich liegt.

Party mit dem Publikum

„Ich weiß nicht“, sagt Funke nachdenklich, „vielleicht ist es einfach glückliche Fügung, dass da drei so unterschiedliche Typen auf der Bühne stehen, die mit ihren jeweiligen Stärken auch die Kollegen stärker machen.“ Er, der Texter des Trios, würde sich zum Beispiel von alleine „nie trauen, Musik auf der Bühne zu machen“. Gemeinsam mit den Kollegen aber sprengt er seine Grenzen – und wie: Mit Angela-Merkel-Perücke auf dem Kopf singt er „Herz über Kopf“, hüpft ekstatisch und feiert mit dem Publikum seine ganz eigene Party.

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Zwölf Storno-Jahrgänge haben Funke und Co. bereits auf die Bühne gebracht. Und weil sie wissen, „was für ein Schatz das ist, den wir da gefunden haben“, hegen und pflegen sie ihre Show genauso wie sich selbst. „Ich mache keinen Skiurlaub mehr und setze beim Radfahren sogar den Helm auf“, erzählt Jochen Rüther. „Ohne Quatsch.“

Die Sorge, den Herausforderungen körperlich nicht mehr gewachsen zu sein, ist größer als die Angst, eines Tages vom Publikum nicht mehr geliebt zu werden. „Kein Problem“, scherzt Philpzen. „Dann machen wir halt Tanztheater. Nackt!“

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