Raum für Musik lässt Raum für Träume
Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters holen sich Rat bei Franz Xaver Ohnesorg

Münster -

Passende Größe mit etwa tausend Plätzen, gute Erreichbarkeit, urbaner Anschluss mit Restaurant und Einkaufsmöglichkeiten, Multifunktionalität, Einbindung vieler Kultur- und Bildungsträger: Was diese Essentials angeht, sind sich Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters Münster mit ihrem Vorsitzenden Heiko Winkler über die Anforderungen für einen „Raum für Musik“ einig. 

Mittwoch, 17.05.2017, 06:05 Uhr

Franz Xaver Ohnsorg hält einen multifunktionalen Musikhallenbau in Münster für wünschenswert und machbar.
Franz Xaver Ohnsorg hält einen multifunktionalen Musikhallenbau in Münster für wünschenswert und machbar. Foto: loy-

Ganz bewusst vermeiden sie dabei den Begriff „Halle“, denn die „Halle für alle“, so firmierte sie damals, wurde in einem Bürgerentscheid 2008 hinweggefegt. Nicht nur in Münster, sondern auch in Düsseldorf, von wo aus Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sogar signalisiert hatte, den Platz vor dem Schloss dafür kostenfrei zur Verfügung zu stellen, dachten viele Kulturfreunde damals: So dämlich kann man nur in Münster sein.

Ob sich die münstersche Bürgerschaft auch weiterhin bei diesem Thema aufregen, aufreiben und Soziales gegen Kultur aufrechnen will, das werden die nächsten Jahre zeigen. Zuletzt jedenfalls nahm die Diskussion wieder langsam Fahrt auf. Schützenhilfe für ihre Überlegungen holten sich die Freunde und Förderer jetzt beim Musik-Manager Franz Xaver Ohnesorg (69).

Der verwies vor 70 Gästen im Theaterfoyer sogleich auf spannende Großprojekte in Hamburg und Dresden und führte neben dem Pierre- Boulez-Saal in Berlin, den Daniel Barenboim ins Leben rief, das neue Musikhaus in Bochum als gutes Referenzobjekt für Münster auf. Etwa tausend Plätze, überschaubare Kosten von etwa 35 bis 38 Millionen Euro und ein breites Zustimmungs- und Finanzfundament in der Bochumer Bevölkerung, für das nicht zuletzt Dirigent Steven Sloane die Werbetrommel gerührt hatte.

„Der Weg zu einem Konzerthaus ist gar nicht so schwierig, wenn man es richtig macht“, führte Ohnesorg aus. Damit meint er vor allem auch eine enge Abstimmung zwischen Bauherr, Architekt und Akustiker, damit man später keine Überraschungen erlebe. An Bochum, das sich für einen prima klingenden Konzertsaal im Schuhkarton-Format entschied, fasziniert Ohnesorg vor allem der „Community“-Gedanke, der auch ein intelligentes Raumkonzept umfasse. So sei es wichtig, die Vertreter der Kultur- und Musiklandschaft einer Stadt einzubinden und das Konzerthaus vielfältig zu nutzen.

In der abschließenden Diskussion bemühten sich die Freunde und Förderer zwar, die Standortdebatte für ein Konzert- und Kulturhaus gänzlich zurückzustellen. Dennoch wurde deutlich, dass die von Stadt und Universität ausgefalteten Pläne für einen Musik-Campus in Nähe des Coesfelder Kreuzes kaum als ideal betrachtet werden – wegen fehlender städtischer Anbindung. „Da werden ja abends die Bürgersteige hochgeklappt“, hieß es lapidar aus dem Plenum. Als Hoffnungsanker für Musikhallen-Pläne gilt momentan die innerstädtische Brachfläche Hörster Parkplatz.

Heiko Winkler hofft, dass spätestens 2019, wenn Sinfonieorchester, Musikhochschule und Westfälische Schule für Musik ihren 100. Geburtstag feiern, ein politischer Grundsatzbeschluss für ein ambitioniertes Projekt gefällt oder sogar schon ein Grundstein gelegt wird.

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