Kaya Yanar plaudert in Münster über Alltagstücken, Politik und ESC
Er kommt aus dem Staunen nicht heraus

Münster -

Die Gladiatoren der Neuzeit heißen Comedians und verwandeln Stadthallen in Arenen. Anstelle von Trommelwirbeln krachen Mega-Boxen wie eine Raketenabschussrampe. Kaya Yanars neue Show „Planet Deutschland“ dagegen beginnt fast kammermusikalisch. 

Donnerstag, 18.05.2017, 14:05 Uhr

Rollt mit den Augen und kaspert sich durch viele deutsche Dialekte: Kaya Yanar, Türke mit Wohnsitz Schweiz.
Rollt mit den Augen und kaspert sich durch viele deutsche Dialekte: Kaya Yanar, Türke mit Wohnsitz Schweiz. Foto: -mosi-

Die Kulissen-Leinwand zeigt Yanar , der sich als Deutschland-Adler über eine Mixtur-Skyline mit Brandenburger Tor, Kölner Dom und Kohlenzeche aufschwingt. Dann springt der Deutsch-Türke-Wahlschweizer auf die Bühne und gibt als Warm up ein paar Statements zu Münster („Schöne Stadt, schöne Frauen!“) und „Schnellsprechen“ („Bin ich zu schnell, schnell klatschen!“). Applaus.

Früher landete Yanar zum Zwischenstop immer in der Türkei, heute ist es die Schweiz: „Meine Freundin will da nicht raus!“. Als verliebter Verlobter legt sich Yanar mit dem „Schwiizerdütsch“ an, gurgelt und spült Silben und Konsonanten wie beim Zähneputzen, bis sie in einer Endlosschleife explodieren: „Ret chanidrog durüte dra chach“. Fazit: „Da verstehen mich sogar meine Kinder nicht mehr!“ Die sechshundert Blitzautomaten nur im Kanton Zürich (!) nerven den bekennenden Schnellfahrer Yanar: „Soviel gibt’s nicht in ganz Deutschland!“. Sein Leben als „deutscher Ausländer“ ramponiert Yanar zudem den Promi-Bonus: Im Land der Eidgenossen reiche es für den Star nur für eine Pause zwischen zwei (Kassensignalen): „Tuut, Tuut – Tuut, Tuut“. Dabei beugt sich Yanar über ein imaginäres Laufband, blickt sprachlos auf – und lässt die Pause kommentarlos passieren. Der Gag zündet lautlos.

Auf der Suche danach, was „typisch deutsch“ sei, plaudert Kaya im Yanar-Prestissimo über den Nikolaus („Eigentlich ein Türke“), um schließlich Goethe als „prototypischen Deutschen“ festzunageln: „Der hat doch ‚Faust‘ geschrieben, oder?“ Dann folgt diskrete Politkritik: „Zweimal standen die Türken vor Wien. Die haben gedacht: Später schaffen’s wir nicht mehr in die EU “. Restlos euphorisiert lässt er sich mitreißen von Turbulenzen deutscher Dialekte, vom Schwäbischen über das Bayerische bis zum Sächsischen zelebriert er ein perfektes Dialekt-Karaoke.

Der ESC wird mitleidslos niedergemetzelt: „Wo finden die diese Leute? Auf dem Parkplatz? Hey, kannst du singen? Nö? Super, du vertrittst Deutschland!“ Die Augen weit aufgerissen scheint Yanar selbst am meisten zu staunen über Komik und Crash, Witz und Aberwitz seiner Planetenreise. Yanar und die Tücken des Alltags: Ein Gladiator im Flohzirkus.

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