„Intermezzo 2017“ im Kunstmuseum
Maler und Nicht-Maler

Ahlen -

Dreidimensinalität in der Kunst zeigt die neue Ausstellung „Intermezzo 2017 – Farbe & Körper im Raum“ im Kunstmuseum. Im Rahmen des 8. Ahlener Museumstags wurde sie am Sonntag eröffnet.

Montag, 22.05.2017, 14:05 Uhr

Bei Christoph Dahlhausens raumgreifendem Werk „Stabilizing Light“ malt das Licht und es tun sich neue Räume auf.
Bei Christoph Dahlhausens raumgreifendem Werk „Stabilizing Light“ malt das Licht und es tun sich neue Räume auf. Foto: Christian Feischen

Wie vielfältig dreidimensionale Kunst im Raum wirken kann, zeigt das Kunstmuseum mit Arbeiten von Christoph Dahlhausen und Peter Stohrer in seinem diesjährigen „Intermezzo“, der Ausstellungsreihe über die Sommermonate.

Die Eröffnung der Doppelausstellung, die auf den ersten Blick gegensätzliche künstlerische Positionen unter dem Titel „Farbe & Körper im Raum“ präsentiert, fand zum 8. Ahlener Museumstag am Sonntagvormittag im Forum des Kunstmuseums statt. Dort begrüßte Museumsdirektor Burkhard Leismann rund 100 Gäste, den Künstler Christoph Dahlhausen, Peter Stohrers Ehefrau Dana Savič sowie den Kunsthistoriker Michael Stockhausen und die freie Kuratorin Bettina Pelz, die in ihren einführenden Reden einen Leitfaden zum Verständnis der ausgestellten Arbeiten gaben.

Bettina Pelz arbeitet als Hochschuldozentin in Saarbrücken mit dem Schwerpunkt „Licht in der Bildenden Kunst“. Sie wies darauf hin, dass der aus Bonn stammende Christoph Dahlhausen, der sich als „nicht malender Maler“ versteht, unter anderem auch durch die Verwendung von industriellem Material wie Leuchtstoffröhren oder Fotolinsen ein spannungsvolles Zusammenspiel von Licht und Schatten kreiere.

Nicht nur die raumfüllende Installation „Stabilizing Light“ aus beleuchteten Gerüstbaustangen im Erdgeschoss zeigt das eindrucksvoll. Auch bei den „Bodies“, monochromen Bildwerken mit reflektierendem Autolack, setze Dahlhausen „Licht als Material im Wechselspiel mit der Umgebung“ ein, so Bettina Pelz. Der Betrachter spiegelt sich im Werk und nimmt Veränderungen wahr. Auf diese Weise schärfe Christoph Dahlhausen mit den 53 Arbeiten seiner Ausstellung „Lichtblicke“ die Sinne. Kunstbetrachtung werde so zum Prozess. „Bitte lassen Sie sich darauf ein!“, lud Bettina Pelz die Besucher ein.

Dass man sich auf Gegenwartskunst einlassen sollte, machte auch Michael Stockhausen bei seiner Einführung zu Peter Stohrers „Farbräumen“ deutlich. Sie sei manchmal „schwierig zu vermitteln“, meinte der Kunsthistoriker. Gegenwartskunst folge nämlich immer einer eigenen Logik, die durch „Zeit, Hingabe und lange Arbeit“ des Künstlers entstanden sei.

Das erkenne man auch bei Peter Stohrer, dessen konkrete Malerei auf Reststoffmaterial wie etwa Holzabfällen in raumgreifende dreidimensionale Bildwerke mündet. Der in Essen lebende und arbeitende Künstler selbst bezeichnet sie als „Malkörper“, die nun im Altbau des Kunstmuseums zu sehen sind. „Frisch“ rieche es dort, bemerkte Michael Stockhausen: „Man kann die vielen Farbschichten förmlich riechen, die der Künstler aufgetragen hat.“

Darüber hinaus fand der an der Universität Bonn wirkende Kunsthistoriker noch weitere Aspekte, die Stohrers Gegenwartskunst interessant machen: Die „Malkörper“ seien zum einen mutig gehängt, lobte Stockhausen, zumal etwa ein Bildwerk mit dem Titel „Taurus“ auf Kniehöhe tatsächlich wie ein angreifender Stier wirke. Zum anderen könne Peter Stohrers Kunst auch politisch verstanden werden.

Die Frage, wie man einen Raum aufteilen kann und mit der sich Stohrer durch seine „Malkörper“ immer auseinandersetze, sei schließlich eine urdemokratische. Auch der Künstler, der ins Atelier geht und sich die Freiheit nimmt zu malen, handle schon politisch – und der die Kunst Betrachtende ebenso. „Seien Sie also politisch und gehen Sie ins Museum“, resümierte Michael Stockhausen in seiner anschaulichen Einführungsrede am Museumstag.

Burkhard Leismann hatte eingangs von zwei völlig gegensätzlichen Künstlern mit Peter Stohrer als „malendem Maler“ an der Grenze zwischen Malerei und Skulptur und Christoph Dahlhausen als „nicht-malendem Maler“, der sich mit der Wirkung des Lichts beschäftigt, gesprochen. Nach den Einführungen von Bettina Pelz und Michael Stockhausen sei er nun doch auf einige Schnittmengen im Werk beider Künstler aufmerksam geworden, so Leismann.

Christoph Dahlhausen und Dana Savič, die Ehefrau von Peter Stohrer, der selbst nicht an der Ausstellungseröffnung teilnehmen konnte, bedankten sich zum Schluss der Vernissage für die gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern des Kunstmuseums, wobei Dahlhausen hervorhob: „Ich freue mich, hier in Ahlen ausstellen zu können.“

Die „Lichtblicke“ Dahlhausens und die „Farbräume“ Stohrers und damit die Vielfältigkeit dreidimensionaler Kunst im Raum, ist bis zum 16. Juli zu sehen, bevor im August das „Intermezzo 2017“ mit Werken von Michael Cleff und Werner Pokorny fortgesetzt wird.

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