Ausstellung „Diskretion“
Preziosen aus Paderborner Privathäusern

Paderborn -

Eine ungewöhnliche, aber reizvolle Idee trug die Leiterin der Städtischen Galerie in der Reithalle Paderborn, Dr. Andrea Wandschneider, seit langer Zeit mit sich herum: Sie wollte einmal den Kunstbesitz privater Sammler Paderborns im Museum ausstellen. Natürlich unter Wahrung der nötigen Diskretion! Etliche Sammler kannte sie persönlich, denn diese unterstützen seit Jahren die museale Arbeit. Auf einen Aufruf hin gab es prompt viele Rückmeldungen. Andrea Wandschneider konnte schließlich aus 380 Werken aus fünf Jahrhunderten 130 Arbeiten für die Ausstellung aussuchen.

Freitag, 26.05.2017, 16:05 Uhr

„A n sicht des Barkenhoffs“ von Heinrich Vogeler (1926)  ist ein besonders schönes Stück aus Privatbesitz.
„A n sicht des Barkenhoffs“ von Heinrich Vogeler (1926)  ist ein besonders schönes Stück aus Privatbesitz. Foto: Städtische Galerie

Manches gute Stück aber musste die Museumsdirektorin zurücklassen, weil es die Gesamtkonzeption der Schau gestört hätte. In zehn Kapitel gliederte sie die Leihgaben. Gediegen hebt die Ausstellung an mit den alten Meistern aus dem 16. und 17 Jahrhundert, unter denen auch Rembrandt, Aldegrever, Pieter Molijn und Philips Wouwerman vertreten sind. Daran schließen sich Worpsweder Künstler an: Ein Werk von Otto Modersohn mit dem Titel „Überschwemmung“ überzeugt mit seiner wunderbaren Spiegelung der Landschaft im Wasser. Der „Barkenhoff“ von Heinrich Vogeler , der zunächst die Familie Vogeler beherbergte und der von einem wunderschönen Garten umgeben war, ist hier in einer Version von 1926 zu sehen, die durchaus noch expressionistisch wirkt. Breite Pinselspuren überziehen das ganze Bild: Und doch bleibt auch in dieser Spätphase noch etwas von dem Hauch des Jugendstils, als die Familie Vogeler hier noch glücklich war.

„Kühe im Wind – und andere Tierporträts“ lautet die Überschrift für ein anderes Kapitel. Hier finden sich die stilisierten Kühe des Bildhauers Ewald Mataré, die in einer schützenden Vitrine liegen, denn sonst würden sie zur Berührung reizen. Zum Schmunzeln bringt den Betrachter ein damals renommierter Künstler, der in der Schau mit einem Wildschweinkopf – Öl auf Porzellan, um 1870 – vertreten ist. Zu seiner Zeit fand diese Arbeit und Ähnliches den vollen Zuspruch des Publikums. Auch eine sozialkritische und aufrüttelnde Arbeit von Käthe Kollwitz wird gezeigt: „Brot! Deutschlands Kinder hungern!“

Plastiken von Gerhard Marcks und Ernst Barlach haben ihren Platz im ersten Stock der Galerie gefunden und überzeugen durch ihre immer noch große Aktualität. Der Blick reicht bis in die Jetztzeit und schließt auch die außereuropäische Kunst mit ein. Insgesamt bietet die Ausstellung einen kleinen Gang durch die Kunstgeschichte und zeigt die besondere Vorliebe der Sammler. Ihre Passionen werden in der Paderborner Schau deutlich erkennbar. Es ist keine thematische Schau, eher definiert sie sich durch eine zufällige Note. Vermieden wurde eine didaktische Überfrachtung, Paderborner Künstler wurden fast konsequent ausgespart. „Die“, so sagt die Leiterin der Galerie, „werden immer in speziellen Ausstellungen gezeigt.“

Zum Thema

Diskretion! Werke aus Paderborner Privatbesitz. Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloss Neuhaus, bis 25.6.2017, Di-So 10-18 Uhr, auch Pfingstsonntag und Pfingstmontag ist die Ausstellung geöffnet.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4878876?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Nachrichten-Ticker