Der Kulturmanager Matthias Schröder haderte schon lange mit dem Preis
„Ein Marketinginstrument“

Münster -

Der Musikpreis Echo ist seit Ende April Geschichte, um eine Nachfolge-Auszeichnung wird jetzt wohl monatelang gerungen. Zu jenen Experten, die dem Echo keine Träne nachweinen, gehört der Musiker und Kulturmanager Dr. Matthias Schröder, unter anderem Leiter der Konzertreihe in der Steinfurter Bagno-Konzertgalerie. „Der Echo war immer schon ein großes Marketinginstrument", sagt er im Redaktionsgespräch, „es wurden immer mehr Spezialpreise erfunden, damit noch mehr Musiker und Labels eine Auszeichnung bekamen – man konnte das kaum noch durchschauen.“

Dienstag, 15.05.2018, 15:05 Uhr

Dr. Matthias Schröder leitet die Bagno-Konzerte.
Dr. Matthias Schröder leitet die Bagno-Konzerte. Foto: Bernd Schäfer

Gerade um diesen Durchblick ging es ihm als Dozent für Musikmanagement an der Hochschule in Detmold. Schon mehrmals stand der Echo, auch auf Wunsch der Studierenden, in den letzten Semestern auf dem Seminarplan. Mit zum Teil entlarvenden Ergebnissen: „Im vergangenen Jahr wurde nach der Kritik, dass es beim Echo nur um Verkaufszahlen geht, eine Jury eingeführt, deren Wertung aber nur zu maximal 50 Prozent in das Ergebnis einfloss. Meine Studenten haben aber nicht herausbekommen, wie diese Jury sich zusammensetzt und wie sie bewertet. Das war höchst intransparent und ließ Gerüchte nicht verstummen, dass hier gekungelt würde.“

Natürlich gesteht auch Matthias Schröder zumindest für den Klassik-Bereich zu, dass die meisten ausgezeichneten Interpreten tatsächlich gute Musiker waren – was soll man über die Berliner Philharmoniker oder den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt sonst sagen? Aber je stärker der Eindruck auch bei den Fernsehübertragungen vermittelt wurde „Ihr bekommt hier die besten Klassiker“, desto schlechter wurden die Marktchancen für kleinere oder weniger publikumsträchtige Produktionen und Künstler. „Als Veranstalter bekam ich immer öfter Anrufe von Managern, die für ihre Echo-Künstler warben. Solche Strategien bargen das Risiko, dass verschiedene Konzertreihen in verschiedenen Städten immer austauschbarer wurden. Schröder spricht gar von einer „Echoisierung der Programme mit immer denselben Nasen“ – eben weil ein Marketinginstrument als Qualitätskriterium verkauft wurde.

Gewisse Tendenzen des Klassikmarktes wurden durch den Echo verstärkt: Der optisch ansprechende Mainstream dominierte, Erscheinungen wie der greise Pianist Menahem Pressler bildeten nur die willkommene Ausnahme von der Regel. Um so glücklicher ist Schröder darüber, dass das Publikum etwa im Bagno so großartige Nicht-Echo-Künstler wie die „Königin des Barock-Gesangs Emma Kirkby honoriert – oder das Angebot von Liederabenden und Barockkonzerten, vor denen andere Veranstalter zurückscheuen.

„Wo ein Gitarrist mit Echo einen Vertrag hatte, brauchten die anderen gar nicht mehr anzufragen“, bringt Matthias Schröder das Dilemma um den Echo auf den Punkt. Deshalb ist für ihn die Devise eines künftigen Musikpreises klar: „Ich hoffe auf eine Neubesinnung.“

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