Kaya Yanars Zeitdiagnosen in der Halle Münsterland
Ausraster sind nichts für Anfänger

Münster -

Donald Trump kann es, Heidi Klum kann es, Jürgen Klopp kann es, die Kamikaze-Kritiker im Internet können es am besten: ausrasten! Darin, blitzschnell die Nerven zu verlieren, scheint fast jedermann ein Profi zu sein – aber Kaya Yanar im Congress Saal bot mit „Ausrasten für Anfänger“ genau das: Show-Nachhilfe für klassische Ausraster.

Sonntag, 27.05.2018, 16:04 Uhr

Unter Smileys: Comedian Kaya Yanar zieht gegen ganz viele Tücken des Alltags und nervige Mitmenschen zu Felde.
Unter Smileys: Comedian Kaya Yanar zieht gegen ganz viele Tücken des Alltags und nervige Mitmenschen zu Felde. Foto: Moseler

Nicht zufällig hingen vier Smileys als Vollmondlampions über der Bühne, Tränen lachend bis Zähne fletschend, tauchte unsichtbar der Name „Erdogan“ auf: „Ich möchte auf drei Sendern gleichzeitig ausgestrahlt werden, wie im türkischen Staatsfernsehen“, ätzte Yanar , kaum dass er die Bühne geentert hatte. Fotoposen fürs Publikum, dann startete die Safari durch Ausraster ohne Grenzen.

„Ich bin jetzt alterswild und hab’ weniger Toleranz für Bullshit“, erklärt Yanar und schleppt sich wie ein Verdurstender durch einen imaginären Ikea-Marathon: „Für ein einziges Möbelstück kilometerlang laufen!“. Er hetzt durch Verkehrsarenen, wo Handy-Zombies blindlings alles umrennen, zu Papa, dessen Brachialpädagogik („Willst duh misch beladigen?“) trickreich pariert wird: Die Kinder müssen ihm erklären, was er ihnen erklären will, damit er es erklären kann. Die schöne neue Hightech-Welt verpasst wie magischer Hokuspokus dem analogen Analphabeten Kaya beim Duschen eiskalt den technischen K.o.: „Das Wasser kommt heute aus Richtungen, die man nicht erwartet!“ Selbst das Fernsehen, früher kinderleicht, provoziert einen Überlebenskampf gegen den Größenwahn toxischer Technik: „Ich will nur fernsehen und die Fernbedienung fragt mich, ob ich Radio hören will!“

Natürlich imitiert Yanar wieder tausend Sprachen und Dialekte, erklimmt das Schweizerische, fällt aus hysterischen Falsett-Höhen in dröhnende russische Basstiefen. Er hadert mit „Popcornfressern“ im Kino, poltert gegen Gewaltorgien in Blockbustern und plädiert für einen Sex-Führerschein. Mitunter fixiert sich der Comedian per aufklärerischen Rückwärtssalto auf allzu fixe Diagnosen: „Vergewaltiger in den Knast? Warum nicht Tatwaffe weg?“ Applaus. Hinter jedem Ausraster lauert ein Wolf auf fette Beute. Am Ende ist klar: Ausraster sind nix für Anfänger, nur für Profis!

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