„Rock am Ring“
Champions League mit „Muse“

Münster/Nürburg -

Es war mehr als nur ein Murren, was sich Veranstalter Marek Lieberberg im Vorfeld von Rock am Ring hatte anhören müssen. Die Preise zu hoch, die Campingregeln zu restriktiv und ein Line up, das nur wenig Spektakel zu versprechen schien. Doch aller Unkenrufe zum Trotz zeigte sich während der drei Tage am Nürburgring vor allem eins: Die legendäre Veranstaltung in der Eifel ist einfach ein richtig gutes Festival.

Sonntag, 03.06.2018, 16:02 Uhr

Trotz kritischer Stimmen im Vorfeld erlebten die Besucher von Rock am Ring 2018 ein äußerst gelungenes Festival am Nürburgring. Die Band „Muse“ mit ihrem Frontman Matthew Bellamy zählte zu den Höhepunkten des Konzertreigens.
Trotz kritischer Stimmen im Vorfeld erlebten die Besucher von Rock am Ring 2018 ein äußerst gelungenes Festival am Nürburgring. Die Band „Muse“ mit ihrem Frontman Matthew Bellamy zählte zu den Höhepunkten des Konzertreigens. Foto: dpa

Dabei war es deutlich zu spüren, dass in diesem Jahr weniger Rockfans zum Nürburgring gepilgert waren. Nur rund 70 000 Tickets waren laut Veranstalter verkauft worden. Mindestens 15 000 weniger also als in den Jahren zuvor. Vor allem am Freitag ist in der sonst dicht gedrängten Boxengasse merklich weniger los als üblich. Zumal der eine oder andere noch mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen hat, das die Camper in der Nacht zuvor heimgesucht hat. Ausgerechnet Rapper Casper schließt dann gegen Abend als erster die Rock-Reihen. Er spielt ein starkes Konzert, in dessen Verlauf auch Kraftklub-Sänger Felix Brummer auf die Bühne geholt wird. Zuvor hat bereits Jonathan Davis , Frontmann der Band Korn, für einen ersten Festivalhöhepunkt gesorgt – den viel zu viele, offenbar noch vor ihren Zelten, verpassen. Richtig gut aufgelegt ist Freitagnacht Schock-Rocker Marilyn Manson. Der Auftritt des Headliners Thirty Seconds to Mars wird dagegen weit weniger in Erinnerung bleiben. Die Musiker um Jared Leto bringen ihre Show nicht auf den Punkt, eine Enttäuschung.

Auch am Samstag versetzen zunächst die vermeintlich kleineren Acts das Publikum in Wallung. Bei einigen Fans von Beth Ditto fließen Tränen, als die Musikerin zu ihnen vor die Bühne steigt, Umarmungen und Küsse verteilt und noch ein deutsches Schunkellied anstimmt. Und auch bei Rapper Ice-T wird es persönlich. Der 60-Jährige hat neben den Rockern von Body Count nicht nur seinen erwachsenen Sohn, sondern auch seine erst zweijährige Tochter und seine Frau Coco mit auf die Bühne gebracht. Im Handstreich wischt er etwaige Diskussionen beiseite, um welche Musik es sich denn bei dem Programm handele. „Rap? Metal? Whatever? Body Count ist Body Count. Wir machen einfach, was wir wollen“, sagt er bevor die Sirenen einsetzen und ein paar Tausend Besucher in den besten Jahren zu Liedern springen, die sie ganz offenbar schon während ihrer Jugend in den 90-er Jahren gehört haben.

Rock am Ring und Rock im Park 2018

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  • Frontmann Jared Leto tritt mit seiner Band "30 Seconds To Mars" auf der Hauptbühne des Musikfestivals "Rock am Ring" auf.

    Foto: Thomas Frey
  • Rund 80 Bands treten am Nürburgring auf drei Bühnen auf.

    Foto: Thomas Frey
  • Thirty Seconds to Mars, Schock-Rocker Marilyn Manson, die Foo Fighters und die britischen Gorillaz sind die Headliner der Zwillingsfestivals.

    Foto: Nicolas Armer
  • Der Sänger der Band "Foo Fighters", Dave Grohl, während des Auftritts beim Musikfestival "Rock im Park".

    Foto: Nicolas Armer
  • Bis zum 03.06.2018 findet das Musikfestival "Rock im Park" in Nürnberg statt.

    Foto: Nicolas Armer
  • Im vergangenen Jahr jubelten rund 87.000 Fans den Musikgrößen bei «Rock am Ring» zu. In diesem Jahr sind es laut Veranstalter nur etwa 70.000 Besucher.

    Foto: Thomas Frey
  • Der deutsche Rapper Casper tritt auf der Hauptbühne des Musikfestivals "Rock am Ring" auf.

    Foto: Thomas Frey
  • Am Freitag wirkte die Stimmung auf beiden Festivals entspannt.

    Foto: Thomas Frey
  • Ein Teich hat sich nach einem kräftigen Gewitterregen auf dem Campinggelände der Musikfestivals „Rock am Ring“ gebildet.

    Foto: Thomas Frey
  • Der Sänger der Band "Rise Against", Tim McIlrath, während des Auftritts beim Musikfestival "Rock im Park".

    Foto: Nicolas Armer
  • Wer auf Punkrock mit politischer Message steht, ist bei der US-Band Rise Against genau richtig.

    Foto: Nicolas Armer
  • Eine Festivalbesucherin reckt vor der Hauptbühne des Musikfestivals "Rock am Ring" einen Gummistiefel in die Luft.

    Foto: Thomas Frey
  • Rockfans drängen sich vor der Hauptbühne des Musikfestivals "Rock am Ring".

    Foto: Thomas Frey
  • Gitarrist Antonio Felix Greger (l) und Frontmann Clemens Rehbein treten auf der Hauptbühne des Musikfestivals "Rock am Ring" mit der deutschen Folktronica-Band Milky Chance auf.

    Foto: Thomas Frey
  • Der Sänger der Punk-Rock-Band Bad Religion, Greg Graffin, beim Musikfestival Rock im Park.

    Foto: Nicolas Armer
  • Bei frühsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein drehte bei «Rock im Park» etwa die Punk-Rock-Band Bad Religion auf.

    Foto: Nicolas Armer
  • Strömender Regen fällt vor Beginn des Einlasses auf das Gelände des Musikfestivals "Rock am Ring".

    Foto: Thomas Frey

Als am Abend die britische Band Muse auf der Hauptbühne steht, lösen sich sämtliche Restzweifel am Festival in Luft auf. Champions League würde das im Fußball heißen – oder gleich „Weltklasse“, wie Besucher Fabian Dietz befindet. Das gilt auch für die Bands, die noch kommen. Wer nach Parkway Drive und Alexisonfire noch immer fragt, warum denn da angeblich so wenig Rock am Ring sei, der hat einfach nicht aufgepasst.

Der Sonntag beginnt mit strahlendem Sonnenschein und bringt musikalische Highlights. Die Punkrocker von Bad Religion haben schon im Vorfeld angekündigt, ihr vor 20 Jahren erschienenes Erfolgsalbum „Suffer“ komplett zu spielen. Rise Against stimmen am Abend auf die Foo Fighters ein. Für viele ist es der am meisten ersehnte Auftritt – auf einem Festival, um das stets emotional diskutiert wird. Nicht etwa, weil es nicht gut wäre, sondern weil es einfach etwas ganz Besonderes ist. Auch noch 2018.

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