Das Gitarrenquartett „Los Romeros“ faszinierte im Bagno
Spanische Nächte in Steinfurter Gärten

Steinfurt -

In den Händen der Romeros verwandeln sich Gitarren in wundervolle, berückend poetische Stimmen. Im Bagno betörten Celin, Pepe, Lito und Celino Romero damit das Publikum und zelebrierten brillante Technik, phänomenale Musikalität, künstlerische Perfektion und feenhafte Virtuosität. „Die königliche Familie der Gitarrenmusik“, wie sich das Ensemble ganz unbescheiden nennt, versteht es noch immer, sich als Wunderfamilie der Konzertgitarre in Szene zu setzen.

Sonntag, 10.06.2018, 16:04 Uhr

Vier Spanier, vier Gitarren: „Los Romeros“ schufen mediterrane Stimmungen.
Vier Spanier, vier Gitarren: „Los Romeros“ schufen mediterrane Stimmungen. Foto: Klaus Spellmeyer

Auch an diesem andalusisch temperierten Samstag stellte das spanische Familienunternehmen mit Fingerfertigkeit, klanglicher Noblesse und Musizierfreude seine Alleinstellung unter Beweis. Auf ihrer musikalischen Reise nahmen die vier ihre Zuhörer mit zur Alhambra, der Perle maurischer Baukunst, streiften mit Joaquin Turina durch Sevilla, die Prinzessin der Städte, ließen Paloma, die bekannteste Taube der Welt, durch den Barocksaal flattern (Sonderapplaus für Celino ), besuchten Heitor Villa-Lobos, den Vater der brasilianischen Musik, auf den Straßen von Rio (auf deren Pflastersteinen Celin ein wenig ins Straucheln geriet) und tanzten am Ende eine lodernde Flamenco-Suite.

Die Verbindung von spanischer Folkore mit neoklassizistischen Elementen kommt dem Temperament der Romeros entgegen wie kein anderer Musikstil. Hier können sie ihre Fähigkeiten, Töne glasklar zu spielen und melodische Phrasen präzise herauszuarbeiten, genauso zur Geltung bringen wie das lyrische Erbe ihrer iberischen Seele. Selbst bei dem bedauernswerten Luigi Boccherini, von dem wohl nichts bekannter ist als die Ulkversion seines Ohrwurm-Menuetts („Anneliese komm, wir woll’n ins Kino geh’n ...“). Mit dem D-Dur-Fandango-Quintett, einem von zwölf Boccherini-Quintetten für Streicher und Gitarre, stellten sie den italienischen Vorklassiker wieder auf sein verdientes Podest.

An diesem spanischen Abend im westfälischen Steinfurt träumten die Zuhörer von schönen Frauen und hitzigen Tänzen, von rotweinigen Sommernächten in Malaga, glosender Liebe, Rührung und Rausch. Wenn dieses Quartett die Gitarren erzählen lässt, erlebt man Maler, die Farben tupfen: Da streichen die Hände mal zärtlich und nachfühlend über die Saiten, schlagen dann mit selbstbewusstem Sentimento gebrochene Akkorde und verlieren sich mit erzählerisch-fliegendem Ton in leise perlenden Klangfolgen. So fein gesponnen waren Fernweh, Schwärmerei und Schwermut lange nicht; so tosend die Ovationen wohl auch nicht.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5806675?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Nachrichten-Ticker