Interview mit Autor Frank Schätzing
„Ich stelle mein Buch filmreif vor“

Münster -

„Der Schwarm“ hat Frank Schätzing vor 14 Jahren berühmt gemacht. Sein neuer Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein Krimi, der sich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Am Samstag (20. Oktober) präsentiert der Bestsellerautor im Großen Haus das Buch in einer multimedialen Inszenierung. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit ihm gesprochen.

Mittwoch, 17.10.2018, 19:08 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 19:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 19:08 Uhr
Lesungen des Schriftstellers Frank Schätzing sind immer faszinierende Events, bei denen auch Filmeinspieler die Texte multimedial unterfüttern.
Lesungen des Schriftstellers Frank Schätzing sind immer faszinierende Events, bei denen auch Filmeinspieler die Texte multimedial unterfüttern. Foto: SchaetzingF©Paul Schmitz Hintergrund sdecoret_Shutterstock.com

Ihr neuer Roman ist ein Sci-Fi-Thriller, der sich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz” auseinandersetzt. Sehen Sie KI eher als Fluch oder als Segen für die Gesellschaft?

Frank Schätzing: Eine spezialisierte KI – zum Beispiel ein Navi oder eine Diagnostik-KI in der Medizin – bringt den Menschen nur Vorteile. Eine allgemeine KI hingegen, die sich selbst fortbildet und die durch Zugang zum WWW unbegrenzte Lernmöglichkeit hat, birgt beides zugleich. Ob Fluch oder Segen überwiegen wird, liegt derzeit noch in unserer Hand: Heute kommt es darauf an, die Weichen richtig zu stellen. Hier und jetzt und in naher Zukunft werden wir darüber entscheiden müssen, wie wir eine solche KI programmieren.

Im kommenden Jahr sollen die Dreharbeiten zur Serie, die auf Ihrem Buch „Der Schwarm“ basiert, beginnen. Wie ist es für Sie, sich nach fast 15 Jahren wieder mit dieser Materie zu beschäftigen?

Schätzing: Ich freue mich! Hab ja lange genug gewartet. Es ist auch darum ein Vergnügen, weil ich mit faszinierenden Menschen zusammen arbeiten darf – allen voran Frank Doelger, Chefkreativer von Games of Thrones, mit dem ich die Outlines für die Folgen entwerfe. Es war immer mein Credo, dass der Schwarm nur auf höchstem Niveau produziert werden darf.

Auch in „Der Schwarm” geht es ja um die Bedrohung der Menschheit. Sind Szenarien à la Terminator und Skynet denn realistisch, oder sind sie lediglich überspitzte Mittel zur Spannungserzeugung?

Schätzing: Terminator ist hochunterhaltsam und zugleich völliger Unsinn. Sollten Maschinen die Welt beherrschen, werden sie intelligentere Wege finden, uns loszuwerden, als Roboter mit Knarren hinter uns herlaufen zu lassen, die noch dazu ständig danebenschießen. In unserer heutigen Realität sind KI-Dystopien fast durchweg überspitzte Mittel zur Spannungserzeugung. Aber die rasante Entwicklung im Bereich der KI lässt erahnen, dass weit mehr im Bereich des Möglichen liegen wird, als wir uns heute vorstellen können. Also auch Szenarien, in denen superintelligente Maschinen unserer Kontrolle entgleiten und ein Eigenleben entwickeln – möglicherweise ohne dass wir es bemerken, denn irgendwann werden wir nicht mehr nachvollziehen können, was in einer solchen KI vor sich geht.

Eine realere Bedrohung ist der Klimawandel. Jüngst wurde noch einmal darauf verwiesen, dass sich bei einer durchschnittlichen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius – und nicht erst bei zwei Grad – eine in Teilen der Erde unaufhaltsame Klimaveränderung in Gang setzt. Wie kann man Ihrer Meinung nach diejenigen überzeugen, die das Ganze immer noch für „heiße Luft” halten?

Schätzing: Wir leben leider in einer Welt, in der vernünftige, maßvolle und sachliche Argumentation immer mehr populistischer Agitation weicht. Noch vor einigen Jahren hätte ich eine politisch derart reaktionäre Konstellation, wie sie in der westlichen Welt heute gegeben ist, nicht für möglich gehalten. Da hilft nur stetiges, besonnenes Gegenhalten. Verheerende Bilder, Schlagzeilen über Unwetter, Schlammlawinen, Überflutungen tun das ihre dazu. Davon werden wir mehr sehen. Kleiner Hoffnungsschimmer: Inzwischen räumt selbst Trump den Klimawandel ein.

Zum Thema

Samstag um 20 Uhr im Theater Münster, Infos: 0251/59 09 100. Es gibt noch Restkarten. 

...

Buchvorstellungen sind meistens Wasserglas-Lesungen. Warum gehen Sie den Weg einer multimedialen Inszenierung?

Schätzing: Da ich beim Schreiben immer einen Film vor Augen habe, inszeniere ich auch eine Buchvorstellung filmreif. Das ist kein Plädoyer gegen die Wasserglas-Lesung. Aber ich mag’s eben gern aufwendig und lebendig.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6129457?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Keine Chance auf weiße Weihnachten im Münsterland
Wetter-Vorhersage: Keine Chance auf weiße Weihnachten im Münsterland
Nachrichten-Ticker