Kulturschaffende wollen am 10. November ein Signal setzen
Für Europa – gegen Nationalismen

Wien/BERLIN/Münster -

Im November jähren sich das Ende des Ersten Weltkriegs und die deutsche November-Revolution 1918/19 zum 100. Mal. Nicht nur für Politiker, vor allem für Kulturschaffende ist dies Anlass genug, mit Sorge auf Europa zu blicken, das sich mit einem Wiedererstarken nationaler Tendenzen, einer Werte-Erosion und hassgeprägten Debatten auseinandersetzen muss.

Dienstag, 30.10.2018, 15:22 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 15:22 Uhr
Der österreichische Autor Robert Menasse, Träger des Deutschen Buchpreises 2017, ist einer der Haupt-Initiatoren für das Europäische Balkon-Projekt, das die Werte Europas neu beleben will.
Der österreichische Autor Robert Menasse, Träger des Deutschen Buchpreises 2017, ist einer der Haupt-Initiatoren für das Europäische Balkon-Projekt, das die Werte Europas neu beleben will. Foto: dpa

Viele Künstler wollen am 10. November um 16 Uhr in ganz Europa von mindestens 100 Theaterbalkonen aus oder auf öffentlichen Plätzen symbolisch die „Europäische Republik“ ausrufen. In einem Manifest werde ein Europa ohne Nationen und ohne Grenzen gefordert und damit ein Zeichen gegen das Wiedererstarken der Nationalismen gesetzt, betonten die Organisatoren am Dienstag in Wien. Zu ihnen gehört auch der österreichische Schriftsteller Robert Menasse (64), der 2017 für seinen Europa-Roman „Die Hauptstadt“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Ziel des „European Balcony Projects“ als künstlerisch-politische Performance ist eine breitenwirksame Debatte über die Zukunft Europas. Sie soll gerade im Hinblick auf die im Mai 2019 anstehenden Europawahlen Wirkung entfalten und Menschen an die gemeinsamen Werte und Wurzeln Europas erinnern.

Vor 100 Jahren endete nicht nur der Erste Weltkrieg, der heute als verheerender Zivilisationsbruch und grausiger Brandsatz für das 20. Jahrhundert der Vernichtungskriege und Völkermorde gilt. Zeitgleich gingen damals die Monarchien alter Prägung unter, es entstanden Republiken. In Büchern setzen sich Historiker in Deutschland gegenwärtig vor allem mit der Frage auseinander, ob die Deutsche Revolution von 1918/19, die zur ersten Demokratie modernen Zuschnitts in Deutschland führte, eine geglückte oder nur eine halbherzige und daher stets in ihrer Wirkung auf die Weimarer Republik begrenzt war. In Deutschland wird für die Aktion am 10. November laut Organisatoren das Rote Rathaus in Berlin Schauplatz der Ausrufung sein. Weitere Aktionen sind in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Dortmund und Essen geplant. Auch das Theater Münster wird sich laut Auskunft von Sprecher Wolfgang Türk zu Wort melden. Details werden noch festgelegt.

In dem Manifest wird der „Verrat“ an der europäischen Idee angeprangert, die vor allem durch den Binnenmarkt und eine gemeinsame Währung begründet sei. „Der Binnenmarkt und der Euro konnten ohne politisches Dach zur leichten Beute einer neoliberalen Agenda werden, die der Idee der sozialen Gerechtigkeit widerspricht“, so das Manifest. „Wir haben keine Rechtsgleichheit für Bürger“, sagte die deutsche Politologin und Publizistin Ulrike Guérot. An die Stelle der Souveränität der Staaten soll laut Manifest die Souveränität der Bürger treten. Es gehe um den Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit jenseits von Nationalität und Herkunft.  

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