Dramatisches Sinfoniekonzert in Münster
Gar nicht nett und freundlich

Münster -

Es ging alles andere als nett und freundlich zu beim Sinfoniekonzert am Dienstag in Münsters Theater! Immerhin lagen am Ende zumindest virtuell etliche Leichen auf der Bühne. Zuerst die der hingerichteten Brautwerber, die vergeblich die Rätsel der Prinzessin Turandot zu lösen versucht hatten. Dann jener „wunderbare Mandarin“, der im Rotlichtmilieu der Großstadt sein Vergnügen findet – mit tödlichem Ausgang.

Mittwoch, 31.10.2018, 19:54 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.10.2018, 19:54 Uhr
Golo Berg dirigierte das Sinfonieorchester Münster.
Golo Berg dirigierte das Sinfonieorchester Münster. Foto: Rüdiger Wölk

Münsters GMD Golo Berg entpuppte sich aber nicht als Oberhaupt einer kriminellen sinfonischen Orchestervereinigung sondern als messerscharf inszenierender Klangregisseur. Die ganze Dramatik galt es zu entfalten, mit der Ferruccio Busoni den „Turandot“-Stoff und – mehr noch – Béla Bartók den des „Mandarin“ musikalisch in Szene gesetzt haben. Hier geht es ganz handfest zur Sache, woran Golo Berg auch keinen Zweifel ließ. Wo Busoni noch „schöne Töne“ zulässt, im „Frauengemach“ etwa oder beim „nächtlichen Walzer“, schildert Bartók knallhart realistisch das älteste Gewerbe der Menschheit, weshalb die Vorlage der „Mandarin“-Suite, eine einaktige Tanzpantomime, nach ihrer Uraufführung 1926 in Köln vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer sofort verboten wurde. Von Bartóks Musik wird der sicher nicht viel begriffen haben. Aber kann man sich deren Sogkraft überhaupt entziehen? Sicher nicht in der Lesart, die Berg in diesem Konzert mit Münsters Sinfonieorchester entwickelte. Das war schlichtweg atemberaubend – und ließ nirgends spüren, wie höllisch vertrackt Bartóks Partitur umzusetzen ist. Chapeau!

Eine Ruheinsel für das Publikum gab es denn doch auch an diesem Abend. Eine (ent)spannende. Denn die Solistin Zhou Yi entführte mit dem „Song of the Pipa“ in Welten jenseits von Gut und Böse, Mord und Totschlag. Mit der Pipa, dem chinesischen Pendant zur europäischen Laute, die ihr auch optisch durchaus ähnelt. Bun-Ching Lam, 1954 in China geboren, hat sich als Komponistin intensiv mit diesem Instrument beschäftigt. Ihr „Song“ verbreitet eine mitunter mystische Atmosphäre und rekurriert dabei auf Verse, die vor mehr als 1200 Jahren gedichtet worden sind, geprägt von Gefühlen der Einsamkeit und Melancholie. Die Zeit schien stillzustehen!

In krassem Gegensatz dazu Bun-Ching Lams „Sudden Thunder“ („Plötzlicher Donner“), das zweite Stück mit Zhou Yi an der Pipa. Der Titel des Werkes ist Programm: es donnert, es blitzt. Und im Orchester ist jede Menge los, ohne dass die filigranen Töne der chinesischen Laute dabei permanent zugedeckt würden. Das hat Bun-Ching Lam perfekt austariert! Zusammen mit Zhou Yi und Golo Berg erntete sie stürmischen Beifall.

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Das Konzert wird am Sonntag (4. November) um 18 Uhr im Theater Münster wiederholt.

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