Die kleine Ausstellung „Surreale Bücher“ im Picassomuseum
Träume, Texte und Bilder

Münster -

Ist das noch Malerei, ist das schon Schrift? Bei Joan Miró kann man nicht immer sicher sein. „Die Surrealisten haben, wie man weiß, den Tod der Malerei verordnet“, schrieb er in den 1920er Jahren. „Ich will den Mord. Ich will zerstören, alles zerstören, was die Malerei ausmacht ... Ich benutze nur das übliche Malerwerkzeug, um die besten Wirkungen zu erzielen.“

Mittwoch, 07.11.2018, 13:18 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 13:18 Uhr
Joan Miró und Tristan Tzara: Parler seul, 1950
Joan Miró und Tristan Tzara: Parler seul, 1950 Foto: 9

So aggressiv kennt man den katalanischen Schöpfer fröhlich-bunter Bilder kaum. Im Kunstmuseum Pablo Picasso kann man ihn jetzt auf diese Weise erleben – jedenfalls, wenn man die Texte der Ausstellung „Surreale Bücher von Picasso bis Miró“ liest, die als kleinere Schau aus Eigenbestand den derzeitigen Chagall-Blockbuster ergänzt. Aber keine Sorge: Die Bilder Mirós, die hier gezeigt werden, wirken längst nicht so mordlüstern wie seine Zeilen.

Texte waren es, so Ausstellungsmacher Alexander Gaude, die den surrealistischen Künstlern zunächst als Ausdrucksmittel dienten, um ihre durch Freuds Traumdeutung geprägte Weltsicht darzustellen – die Schauerliteratur von Walpole über Poe bis hin zu Lautréamont kam ihnen gerade recht. Doch in ihrer Zeitschrift „La Revolution Surréaliste“ und eigenen literarischen Werken gesellten sich Fotos und Illustrationen zu den Texten, und Großmeister André Breton propagierte im Jahr 1925 schließlich mit den Worten „Das Auge lebt im Urzustand“ eine surrealistische Malerei.

Kein Wunder also, dass das Künstlerbuch als Symbiose von Dichtung und Bildender Kunst innerhalb der surrealistischen Bewegung florierte. Einige schöne Blüten zeigt das Picasso-Museum jetzt in der feinen Schau – besonders interessant natürlich die Beiträge des „Hausherrn“ Picasso in einem Malerbuch zu Balzacs „Das unbekannte Meisterwerk“: Punkte und Striche, Bilder wie Sternkarten, die sich auf Guillaume Apollinaires „Der gemordete Dichter“ beziehen.

Ein bisschen abseits des Weges ist der Amerikaner Man Ray als Fotograf und Filmemacher. Doch laut Alexander Gaude gilt das mit Paul Éluard geschaffene Fotobuch „Facile“ als surrealistisches Künstlerbuch ersten Ranges. Derselbe Éluard schrieb ein Gedicht, dessen Bildwelt von der katalanischen Landschaft angeregt wurde und zu einem Malerbuch führte, dessen Bildteil aus Joan Mirós Holzschnitten besteht. Der Anlass war ein trauriger, denn der französische Dichter hatte gemeinsam mit seiner Frau Gala den Maler Salvador Dalí besucht – und sie an ihn verloren. Schön nur für Museumsbesucher, wenn Liebesleid, ganz ohne Mordgedanken, so schöne künstlerische Blüten treibt.

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Die Ausstellung läuft bis zum 20. Januar im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

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