Leipzigs Oper präsentiert Puccinis selten gespielte „Fanciulla“
Unter singenden Goldgräbern

Leipzig -

Giacomo Puccinis 160. Geburtstag in diesem Jahr war für das Leipziger Opernhaus Anlass, mit der selten gespielten Oper „Das Mädchen aus dem Goldenen Westen“ die Saison zu eröffnen. „La Fanciulla del West“ war lange als Western-Oper übel beleumdet, voller handfester Dramatik und unverblümter Sentimentalität. Gleichwohl wird von Puccini-Spezialisten die leitmotivisch angelegte, an Debussy orientierte und farbenreiche Partitur als Puccinis interessanteste Schöpfung angesehen.

Mittwoch, 07.11.2018, 13:18 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 13:18 Uhr
Die Goldgräber hängen sichtlich an ihrer Wirtin Minnie (Meagan Miller).
Die Goldgräber hängen sichtlich an ihrer Wirtin Minnie (Meagan Miller). Foto: Tom Schulze

Ein kalifornisches Goldgräber-Lager zur Zeit des Goldrausches um 1849 in einer skrupellos nach Gewinn strebenden Gesellschaft bildet den Hintergrund des Geschehens. Korrespondierend mit der wirklichkeitsnahen Darstellung des rauen Milieus bevorzugt der Komponist hier einen gleichsam naturalistischen Deklamationsstil. Zudem spielt das Orchester in dieser Oper eine betont wichtige Rolle. Die Uraufführung an der Metropolitan Opera 1910 unter Arturo Toscanini markierte wohl den größten Triumph Puccinis.

Ein großer Tag für Leipzigs Oper war es jetzt, als Dirigent Ulf Schirmer und Regisseur Cusch Jung die Rarität auf die Bühne brachten. Wobei der Regisseur eine klischeehafte Wild-West-Szenerie weitgehend meidet. Bedrückend zu erleben, wie da im ersten Akt, der tristen Schenke eines Goldgräber-Lagers, das Dasein der nach Gold grabenden, das vermeintliche Glück suchenden Männer, die sich in einem gleichsam „geschlossenen System“ befinden, erzählt wird. Und bewegend, wie in diesen entwurzelten Gestalten unterschwellige Sehnsüchte nach Heimat und Familie schlummern. Wovon der Bänkelsänger Jake Wallace in seinem Heimweh-Lied berührend Kunde gibt.

So wie der Leipziger Opernchor dank seines vokalen und darstellerischen Vermögens den Aktionen Eindringlichkeit verlieh, so sinnfällig agierte auch das Solisten-Ensemble. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Minnie, Inhaberin der Schenke „Zur Polka“, der Sheriff Jack Rance sowie der hier fremde, Minnie jedoch von einer früheren Begegnung bekannte Dick Johnson – der gejagte Räuberhauptmann wider Willen. Die hervorragende amerikanische Sopranistin Meagan Miller vermochte mit facettenreichen Stimmfarben der Titelgestalt glaubhaftes Profil zu verleihen. Ihr ebenbürtig der Tenor Gaston Rivero, der der Figur jenes Johnson mit flexibler und höhensicherer Stimme beeindruckende Konturen gab und der unter Minnies Einfluss sich wandelt vom Räuber zum guten Menschen. Mit dem markigen Bariton Simon Neal war auch für den Sheriff der rechte Mann zur Stelle. Aber auch die kleinen Rollen waren typgerecht besetzt.

Fesselnd, wie das Gewandhausorchester unter Ulf Schirmer die vehement-dramatischen, auch grellen Passagen der Partitur ausformte, ebenso aber auch den empfindsamen Stellen atmosphärischer Schilderung bestechende klingende Gestalt gab.

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Nächste Aufführungen: 10. und 24. November, 2. Dezember, Info: '  03 41/1 261 261

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