Westfälisches Landesmuseum
Ausstellung zu 100 Jahren Bauhauskunst

Münster -

Funktionales Design, quadratische Häuser mit Flachdach, schicke Möbel aus Stahlrohr? Die schnellen Expertisen über das Bauhaus, seine Denker, Architekten und Künstler stimmen. Aber das Landesmuseum in Münster zeigt nun in einer spektakulären Ausstellung, dass das Bauhaus noch viel mehr ist.

Donnerstag, 08.11.2018, 21:05 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 17:26 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 21:05 Uhr
Robert Irwin (*1928) schafft 1968/69 mit Licht dieses fantastische Kunstwerk. Seine Formensprache lebt vom Bauhaus.
Wenn sich die Bilder bewgen: Die Ausstellung zeigt, dass Bauhaus oft mehr ist, als die schnellen Expertisen Foto: Jürgen Christ

Funktionales Design, quadratische Häuser mit Flachdach, schicke Möbel aus Stahlrohr? Die schnellen Expertisen über das Bauhaus, seine Denker, Architekten und Künstler stimmen. Aber nur oberflächlich betrachtet. Denn das „Staatliche Bauhaus“, 1919, also vor nunmehr fast 100 Jahren, von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet, war zugleich die pure „Lust am Experiment“. Das zeigt das Westfälische Landesmuseum in Münster in einer spektakulären Präsentation, in der 150 Objekte und Bilder von 50 Künstlern zum Staunen einladen.

Schon im ersten Raum zeigt sich, dass die Bauhäusler in den 1920er Jahren spartenübergreifend dachten und deshalb ihre neue Formensprache auch und gerade für das Theater und die Bewegung auf der Bühne nutzen wollten. Ein weiterer Aspekt der Schau kommt hier ebenfalls zum Tragen: Der Besucher sieht die Originale der Bauhäusler und trifft auf Künstler unserer Zeit, die das Denken und die Formensprache der Bauhäusler fasziniert aufgriffen. Oskar Schlemmers (1888–1943) „Figurinen“, geschaffen für das „Spielzeug-Ballett“, eine Adaption des Nussknackers am Sächsischen Staatstheater Dresden, werden von dem 44-jährigen Künstler Marcel Dzama zitiert.

Sechs bunte Blechfiguren

Er hängte sechs bunte Blechfiguren an ein Karussellgestänge, so dass diese sich in seinem Objekt „Merry go round“ scheppernd im Kreise drehen. Aber immer nur für ein paar Minuten, dann müssen sie sich schonen. Die bunten Figurinen Wassily Kandinskys (1866-1944) in diesem Raum hat später auch der münsterländische Bauhaus-Künstler Heinrich Neuy (1911-2003), dessen Werke in Borghorst in einem eigenen Museum zu sehen sind, aufgegriffen.

Raum zwei führt den Besucher, der unbedingt Schaulust, Beobachtungsgabe und Muße mitbringen sollte, bereits in die Vereinigten Staaten, wo viele der emigrierten Bauhäusler, vor allem Xanti Schawinsky (1904-1979), Ideen für multimediale Theaterinszenierungen entwickelten, die hier in Schwarz-Weiß-Videos zu sehen sind.

Ausstellung im Landesmuseum: 100 Jahre Bauhauskunst

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  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern. Die bunten Blechfiguren stammen von Oskar Schlemmers.

    Foto: Jürgen Christ
  • „Bauhaus und Amerika“ ist die Ausstellung überschrieben.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Verantwortlichen vor der Ausstellungseröffnung (v.l.): Dr. Hermann Arnhold, Frank Tafertshofer, Matthias Löb und Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die bunten Blechfiguren stammen von Oskar Schlemmers.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum widmet sich der Bauhauskunst und zeigt 150 Objekte von 50 Künstlern.

    Foto: Jürgen Christ

Licht und Bewegung

Johanna Reich (*1977), die an der Kunstakademie Münster studierte, setzt hier den modernen Kontrapunkt, indem sie Malerei, Licht und Bewegung miteinander verbindet und Videosequenzen einer Salz oder Sand ausstreuenden Hand über ein Ölgemälde projiziert. Das experimentelle Spiel mit Licht, Bewegung und Film findet sich exemplarisch in Raum drei, wo ein quadratischer Projektionskasten von Ludwig Hirschfeld-Mack (1893-1965) abstrakte Licht-Muster an die Wand wirft.

„Wenn ich male, sehe ich vor allem Farbe, aber Farbe als Bewegung“: Das ist ein zentraler Satz des für Westfalens bedeutendsten Bauhauskünstlers, des Malers, Kunsttheoretikers und Kunstpädagogen Josef Albers (1888-1976). Er lässt im vierten Raum der Ausstellung seine Quadrate und Farbflächen vibrieren, so dass der Betrachter manchmal seinen Augen nicht traut.

Das Programm

Die Ausstellung im Landesmuseum konzen­triert sich nicht nur auf Positionen des Bauhauses und seiner amerikanischen Nachfolgeinstitutionen, sondern zeigt auch Werke europäischer und deutscher Künstlerinnen und Künstler der 1950er Jahre bis in die Gegenwart. Darunter sind Arbeiten von Tauba Auerbach, Daria Martin, Barbara Kasten, Marcel Dzama und Johanna Reich. Eigens für die Ausstellung entwickeln die beiden Choreografen Matthias Markstein und Isaac Spencer die Tanzperformance „MESH“, die an acht Terminen im Foyer aufgeführt wird. Das  TanzTheater Münster hat mit „Unknown Territories“ einen spartenübergreifenden Abend entwickelt.

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Bewegende Kraft der Farben

Von dieser bewegenden Kraft der Farben ist es letztlich kein weiter Weg zu materialisierten Bildern im fünften Raum, deren metallene Schraffuren, Webfäden (etwa von Sue Fuller, 1914-2006) oder Linien das Licht reflektieren, oder bis zu jenen reinen Lichtskulpturen eines Robert Irwin (*1928), wie sie hier in unterschiedlichster Ausprägung zu sehen sind. Hier wurden künstlerische Terrains und sinnliche Schau­erfahrungen abgesteckt, die später dann wieder die in Münster so bekannten und beliebten Zero-Künstler wie Heinz Mack (*1931) oder eben Otto Piene (1928-2014) beflügelten und uns heute etwa in der Silbernen Frequenz an der Fassade des Landesmuseums entgegenleuchten.

Die Schau mündet im sechsten Raum in dem faszinierenden Feld experimenteller Fotografie, die vor allem der Bauhaus-Meister László Moholy-Nagy (1895-1946) als Pionier anstieß.

Zum Thema

„Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung“. Bis zum 10. März. Katalog: 27 Euro.

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