Tänzeln über Gräbern
Uraufführung „Tot sind wir nicht“ von Svenja Viola Bungarten

Münster -

„Der Tod ist wie ein kalifornischer Schweinswal“, sagt der dynamische junge Bestatter, „man hatte ihn sich irgendwie größer vorgestellt.“ Jason Nico Nagel will, im Gegensatz zu seinem Onkel Piotr, den Job modern gestalten, will auf den Friedhofszwang verzichten. Deshalb kommt ihm die Witwe Ute K. gerade recht, die ihren verstorbenen Willi gern in den Sphären seines Lieblingsfilms „Free Willy“ bestatten würde. Andererseits braucht sie eigentlich das Geld, um mit ihrer Freundin Beate nach Okinawa zu fliegen, um dort uralt zu werden.

Sonntag, 18.11.2018, 16:30 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 15:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 18.11.2018, 16:30 Uhr
Eigentlich wollten die beiden älteren Damen (v. l. Carola von Seckendorff und Regine Andratschke) nach Okinawa ...
Eigentlich wollten die beiden älteren Damen (v. l. Carola von Seckendorff und Regine Andratschke) nach Okinawa ... Foto: Oliver Berg

Es ist ein skurriler Plot, den die Autorin Svenja Viola Bungarten für ihr Theaterdebüt „Tot sind wir nicht“ ersonnen hat. Denn so vielfältig Gevatter Tod allen fünf Figuren des Stückes im Nacken sitzt, so witzig wirkt ihr Umgang mit ihm. Der alte Bestatter etwa würde sich ihm am liebsten hingeben, verfügt aber nicht über die gängigen Suizid-Werkzeuge. Franka, die Frau vom Kühlhaus, spekuliert dagegen auf die Überwindung des Todes in naher Zukunft und will die Kunden zum zwischenzeitlichen Überleben einfrieren. Und das rüstige Damen-Duo trauert nicht nur um den hingegangenen Willi, sondern ebenso um seine Medikamente, mit deren Verkauf sie bislang ihr auskömmliches Geschäft machten.

Maik Priebe inszeniert für die Uraufführung im Kleinen Haus ein augenzwinkerndes Tänzchen über Gräbern. Ausstatterin Susanne Maier-Staufen schuf ihm dafür eine Landschaft von Stegen über schwarzen Gruben, und der Regisseur ordnete der Nebenfigur Franka eine besondere Rolle zu: Einem modernen Todesengel ähnlich, schleicht Schauspielerin Sandra Bezler durch die Szene und spricht kommentierend jenen Nebentext, den die Autorin zwar gesprochen haben will, den sie aber keiner Figur zuordnet. 

Wilhelm Schlotterer und Jonas Riemer sind das miteinander hadernde Bestatter-Familienduo, nah an der Karikatur, wenn der junge Schnösel das Binnen-I von Bestatterkolleg­Innen betont. Carola von Seckendorff und Regine Andratschke wiederum bleiben durch alle skurrilen Handlungen und Dialoge hindurch ein liebenswert-schrulliges Damen-Pärchen, das rührend über die Abgründe balanciert: Selbst finanzielle Not und Beates Krebskrankheit nehmen ihnen nicht die Würde, wenn sie am Ende in Kimonos den Lebensabend-Traum fortspinnen und ihre Zigarette rauchen. Den künstlichen Orca übrigens, der als Willis Sarg vom Schnürboden herabfährt, hatte man sich irgendwie größer vorgestellt.

Und da ist noch Bernward Bitter als toter Willi: Wenn die beiden Damen über die Höhe ihrer Renten reden, muss selbst er, der Leichnam, kurz lachen. Herzlicher Applaus.

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Nächste Vorstellungen im Kleinen Haus: 24. November, 1. und 15. Dezember

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