Natalia Wörner: Routine
Es hätte etwas mehr sein dürfen

Münster -

Am Ende überwog die Enttäuschung: über eine Natalia Wörner, die dem erwartungsfrohen Publikum im ausverkauften Kleinen Haus nichts weiter bot als, nun ja, Dienst nach Vorschrift.

Sonntag, 18.11.2018, 16:27 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 15:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 18.11.2018, 16:27 Uhr
Natalia Wörner las auf Einladung von Weverinck.
Natalia Wörner las auf Einladung von Weverinck. Foto: Lüttmann

Dabei hätte das Buch, das die vielseitige Schauspielerin für ihre Lesung in der Reihe „Meister des Wortes“ ausgesucht hat, reichliche Anlässe für ein paar einführende, oder warum nicht, auch persönliche Worte geboten: Wer mag die große Unbekannte sein, die sich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante verbirgt? Wie sollen wir uns das Leben im Neapel der 50er Jahre vorstellen, die Armut, die männerdominierten Tage, das Wüten der Camorra? Was macht „Meine geniale Freundin“ und die drei Folgebände zum literarischen Meisterwerk, dessen unermessliche Strahlkraft Leser und Kritiker gleichermaßen loben? Und was fasziniert sie, Natalia Wörner, an diesem zupackenden Epos – das hinreißende, mitunter verwirrend vielfältige Personal, das schillernde Sittengemälde oder die weltverändernde Kraft der Freundschaft zwischen Lila und Elena? 

Wer eine Lesung besucht, erwartet vielleicht erst mal nicht mehr als einen Vorleser und ein Buch. Wenn der, respektive die Vorleserin aber eine so film- und fernsehbekannte Persönlichkeit ist wie Natalia Wörner (und ja: auch die Lebensgefährtin des Außenministers), dann wünscht man sich insgeheim doch den ein oder anderen Satz und ein bisschen mehr als nur vorgelesen zu bekommen. „Die Reihe heißt doch Meister des Wortes, aber nur aus einem Buch vorlesen?“, ärgerte sich in der Pause eine Zuhörerin, die es dann vorzog, den zweiten Teil des Abends zu versäumen. Etliche andere taten es ihr gleich und ließen ihre Stühle frei.

Abgesehen von einigen in dieser Hinsicht enttäuschten Erwartungen muss man der Vorleserin Natalie Wörner aber zugute halten, dass sie ihre ganze schauspielerische Routine aufbrachte und sich ganz und gar zurücknahm, um der Autorin Elena Ferrante eine Stimme zu leihen, die einfühlsam, besonnen, und unterschwellig empathisch eine große Geschichte erzählte; ach was – Geschichte: eine Saga, ein epochales Literaturereignis, das weitaus mehr ist als ein Frauenroman, in dem die Seelenreste einer an den Männern zerschellenden Weiblichkeit zusammengefegt werden. In makellos komponierten Sätzen, die jedes unachtsame Weghören bestrafen, oszilliert der Strom ungezählter Träume ungelebter Frauenleben.

Vielleicht rührte das Unbehagen an der Lesung aber auch daher, dass uns die Szene – eine fast leere Bühne, ein grau verhangener Tisch, ein Stuhl, ein Mensch und ein Buch – wie eine aus der Zeit gefallene Episode erscheint, ein Gruß vom Damals, als die Welt noch schwarz-weiß war. Trotzdem, oder eben deshalb wäre ein bisschen mehr tatsächlich mehr gewesen.

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