Der scheidende Festivaldirektor präsentiert in Berlin das Programm der 69. Berlinale
Altmeister und Streamingdienste

Berlin -

Dieter Kosslick nimmt Abschied von der Berlinale. Die 69. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals wird seine letzte sein. 400 Filme warten auf das Urteil der Jury und des Publikums.

Dienstag, 29.01.2019, 15:56 Uhr aktualisiert: 29.01.2019, 17:12 Uhr
Dieter Kosslick ist auch bei einem seiner letzten großen Berlinale-Auftritte nicht um Marketing und Werbeeffekte verlegen: Hier präsentiert er einen Kuschelbären und eine Berlinale-Kaffeetasse.
Dieter Kosslick ist auch bei einem seiner letzten großen Berlinale-Auftritte nicht um Marketing und Werbeeffekte verlegen: Hier präsentiert er einen Kuschelbären und eine Berlinale-Kaffeetasse. Foto: dpa

Es war ein Auftritt ohne Abschiedspathos. Im bewährt schwäbelnden Dampfplauderertonfall stellte Dieter Kosslick gestern das Programm der anstehenden Berlinale vor – wie jedes Jahr, aber doch zum letzten Mal. Seit 2001 ist er Direktor der Internationalen Filmfestspiele, und ohne ihn, den Gute-Laune-Onkel auf dem Roten Teppich im Schneetreiben am Potsdamer Platz, kann man sich das Festival kaum mehr vorstellen. Die 69. Berlinale aber, deren Eröffnung am Donnerstag kommender Woche ansteht, wird seine letzte sein.

Dass der 70-Jährige gern geblieben wäre, war unüberhörbar, als Kulturstaatsministerin Monika Grütters seinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte. Zu seinen designierten Nachfolgern Carlo Chatrian (künstlerischer Leiter) und Mariette Rissenbeek (Geschäftsführerin) habe er aber ein gutes Verhältnis: „Wir werden die Übergabe so machen, dass jeder sieht, dass wir Freunde sind.“

Filme und Jury

Die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden am 7. Februar mit „The Kindness of Strangers“ eröffnet. Unter der Regie der Dänin Lone Scherfig spielen Zoe Kazan, Andrea Riseborough und Bill Nighy. Bis zum 16. Februar konkurrieren 17 Filme um den Goldenen und diverse Silberne Bären. Wer diese gewinnt, darüber entscheidet die Jury um Präsidentin Juliette Binoche, die vor 22 Jahren selbst schon mal einen Berlinale-Bären überreicht bekam. Ihr zur Seite stehen Schauspielerin Sandra Hüller, die Regisseure Sebastián Lelio und Trudie Styler, Filmkurator Rajendra Roy und die US-Kritikerkoryphäe Justin Chang. Insgesamt sind auf der Berlinale bis zum Publikumstag am 17. Februar 400 Filme zu sehen. Nichts wie hin!

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Mit bewährter Routine ratterte er dann die Stars unter, die diesmal erwartet werden: Catherine Deneuve und Tilda Swinton sind wie immer dabei, „Hobbit“ Martin Freeman kommt, Bill Nighy, Andrea Riseborough , Stellan Skarsgard und so ziemlich alles, was in der deutschsprachigen Filmbranche Rang und Namen hat, von Sophie Rois und Lars Eidinger bis hin zu Tom Schilling und Burghart Klaußner, die in Heinrich Breloers Dramatiker-Porträt „Brecht“ den jungen und den alten Bertolt verkörpern.

Mit dem vielbeklagten Mangel an Glamour hat das ohnehin eher für seine realismuslastigen Themenfilme berühmte Festival auch diesmal wieder zu kämpfen – die Oscarverleihung findet nur eine Woche nach der Berlinale statt, was die größten Stars beharrlich vom winterlichen Berlin fernhält. Immerhin hat Christian Bale sein Kommen angesagt – er wird die für acht Oscars nominierte Polit-Dramödie „Vice“ (über Dick Cheney) persönlich vorstellen.

Die wahren Stars (gemessen an der mittlerweile wichtigsten Währung: Instagram-Followern) residieren derzeit sowieso woanders, in Indien und China. Aus der Volksrepublik treten dieses Jahr gleich zwei Filme im Wettbewerb um den Goldenen Bären an, einer davon stammt von Altmeister Zhang Yimou. Messen lassen muss er sich zum Beispiel neuen Filmen von François Ozon oder Agnieszka Holland und an den drei deutschen Beiträgen: „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt, „Ich war zuhause, aber“ von Angela Schanelec und „Der Goldene Handschuh“ von Fatih Akin. Letzterer kehrt mit der Verfilmung des Heinz-Strunk-Romans (über Serienmörder Fritz Honka) 15 Jahre nach „Gegen die Wand“ in den Berlinale-Wettbewerb zurück.

Auch eine Art Tabubruch gibt es zu vermelden. Nachdem in Venedig mit „Roma“ eine Netflix-Produktion den Goldenen Löwen gewonnen hatte, zieht die Berlinale jetzt nach: Der spanische Wettbewerbsbeitrag „Elisa & Marcela“ ist ebenfalls ein Werk jenes Streamingdienstes. „Dieses Thema verändert derzeit die audiovisuelle Welt“, räumt Kosslick ein. „Aber in unserem Wettbewerb laufen nur Filme, die auch fürs Kino geeignet sind.“ Nett gesagt, nutzt Netflix Festivals und Kurz-Kinostarts doch vor allem, um das eigene Prestige aufzuwerten.

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