Fantastisch surreal: Theo Fransz’ „Co-Starring“ vom Jungen Theater im U 2
Höhen und Tiefen der Pubertät

Münster -

Ein junger Mann in buntem Glitzer-Jackett steht auf der dunklen, kleinen U 2-Bühne und blickt in einen imaginären Spiegel. Immer größer wird Cos Entsetzen, als er erkennt, dass er sich über Nacht völlig verändert hat: Das Gesicht entstellen Pickel, an den Beinen, unter den Achseln, überall wachsen Haare. Was tun, wenn die Hormone „werkeln“ und aus einem Kind plötzlich ein „Mann“ wird? Ganz einfach: Superstar werden. Für Co ist klar, dass er viel zu lange eine Nebenrolle in seinem Leben gespielt hat. Der Kuschelhase des Jungen ist passé. Ab sofort wird Co zum „Mittelpunkt des Universums“ – zumindest nimmt er sich das vor ...

Sonntag, 03.02.2019, 15:37 Uhr
Der Kuschelhase des Jungen ist passé. Ab sofort wird „Co“ zum „Mittelpunkt des Universums“. Die Herausforderungen, die die Pubertät an den Heranwachsenden stellt, sind nämlich gewaltig.
Der Kuschelhase des Jungen ist passé. Ab sofort wird „Co“ zum „Mittelpunkt des Universums“. Die Herausforderungen, die die Pubertät an den Heranwachsenden stellt, sind nämlich gewaltig. Foto: OLIVER BERG

Was sich nach einer kuriosen Superhelden-Geschichte anhört, ist der Versuch, die überschäumenden Gefühle in den Griff zu bekommen. Erste Liebe, Gewalt und Erniedrigung, Selbstzweifel, aber auch fantastische Höhenflüge wechseln in Theo Fransz’ surrealen Szenen, die irgendwo zwischen Gangster-Geschichte, romantischem Liebeskitsch und Tragikomödie angesiedelt sind. Mit einfachsten Mitteln bringt Regisseurin Sylvia Sobottka , die auch die Ausstattung verantwortet, ein wahres Feuerwerk von Emotionen zum Ausdruck. „Co-Starring“ lässt den grandiosen Benedikt Thönes vom verunsicherten Jungen, der sich vor lauter Peinlichkeit selbst als „behaarter Hosenscheißer“ oder „hässliche Neonleuchte“ beschimpft, zum romantischen Helden mutieren, dann wieder zum Prügelknaben und wütenden Selbstmörder, bis der Junge als hoffnungslos Verliebter in den Mittelpunkt romantischer Selbstüberhöhung gerät.

Benedikt Thönes zieht in diesem bezwingenden Solostück alle Register seiner Schauspielkunst, leiht dem Erzähler seine Stimme, gibt schmachtende Liebeslieder zum Besten, trippelt in der Rolle einer rosa Diva über die Bühne oder steht als bärbeißiger Busfahrer im Rampenlicht. Dabei umschifft er geschickt manche Peinlichkeit, wenn er wie selbstverständlich den Unterschied zwischen Orgasmus und Samenerguss erklärt, bevor sich das „Monster“ in Cos Hose verselbstständigt und den Jungen im irren Hin und Her in die Öffentlichkeit zwingt.

Humorvoll, temporeich und selbstironisch wirkt die Inszenierung, stets auf Augenhöhe mit dem jungen Publikum und ganz nah an den Höhen und Tiefen der Pubertät, die das Leben auf märchenhafte Weise aus den Angeln heben, bis sich Co fühlt wie Rotkäppchen: so gänzlich vom Weg abgekommen, dass nur noch Beten hilft.

Unterstützt wird Thönes in seinem rasanten Spiel von Komponist und Musiker Lukas Oechtering, der mit Klavier und Mundharmonika für sich einnimmt, als Beatboxer seine Qualitäten beweist, die Szenen hier und da kommentiert, jedoch vor allem für die stets passende musikalische Untermalung sorgt.

Ein rundum gelungener Abend aus Tiefgang und Unterhaltung, der nicht zuletzt die Gelegenheit bietet, endlich mal wieder mit dem „Kind“ ins Theater zu gehen.

 

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