Stadt muss voraussichtlich 80 Millionen Euro in die Hand nehmen
Marode vom Kabel bis zur Kasse

Münster/Osnabrück -

Sanierung oder Neubau? Diese Frage stellt sich offenbar auch in Osnabrück, wo der Rat der Stadt in den nächsten Wochen endgültig über ein 80-Millionen-Euro-Projekt entscheiden muss. Es geht darum, das Theater am Domhof kernzusanieren und damit für die nächsten 25 bis 30 Jahre bespielbar zu halten. Baubeginn soll 2024 sein. Der Wiedereinzug ist für 2027 geplant.

Dienstag, 05.02.2019, 16:10 Uhr
Von außen betrachtet ist das Theater Osnabrück, das 1909 vollendet wurde, ein schmuckes Jugendstil-Gebäude. Doch beengte Raumverhältnisse und eine veraltete Technik zwingen die Osnabrücker Stadtväter nun zur Totalsanierung.
Von außen betrachtet ist das Theater Osnabrück, das 1909 vollendet wurde, ein schmuckes Jugendstil-Gebäude. Doch beengte Raumverhältnisse und eine veraltete Technik zwingen die Osnabrücker Stadtväter nun zur Totalsanierung. Foto: Marius Maasewerd

Deutschland hat die vielfältigste und dichteste Theaterlandschaft der Welt. Das wissen Künstler und Publikum zu schätzen. Viele Häuser in den größeren Städten kommen jetzt allerdings in eine Phase, wo sich eine grundsätzliche Frage stellt: Sanierung oder Neubau? Diese Frage stellt sich offenbar auch in Osnabrück, wo der Rat der Stadt in den nächsten Wochen endgültig über ein 80-Millionen-Euro-Projekt entscheiden muss. Es geht darum, das Theater am Domhof kernzusanieren und damit für die nächsten 25 bis 30 Jahre bespielbar zu halten. Baubeginn soll 2024 sein. Der Wiedereinzug ist für 2027 geplant.

Offenbar ist, wie die Stadt Osnabrück schon Ende November 2018 auf einer Pressekonferenz mitteilte, die Kernsanierung des Theaters für rund 80 Millionen noch die finanziell günstigste von drei Möglichkeiten, welche die Experten in Stadt und Theater geprüft haben. Die zweitgünstigste wäre danach ein Neubau, und am teuersten käme es offenbar, sich so wie bisher mit Reparaturen Jahr für Jahr über die Runden zu retten.

Sanierungsschritte

Was steht in Osnabrück an? Es geht um eine Komplettsanierung der Haustechnik, vor allem der Elektrotechnik und Lüftungstechnik inklusive Brandschutzklappen. Im Zuge der technischen Sanierung muss das komplette Gebäude in den Rohbauzustand versetzt werden. Die Probebühnen in Osnabrück haben nicht die notwendige Größe; es fehlen die Nebenräume (Garderoben, Sanitäranlagen, Lagerräume). Deshalb ist der Bau eines externen Probenzentrums nötig. Der Brandschutz entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Auch die sicherheitstechnischen Anlagen sind stark veraltet und abgängig. Außerdem müssen noch ein neues Foyer und ein neuer Theaterkassenraum her.

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„Tun wir nichts, laufen wir Gefahr, über kurz oder lang das Theater schließen zu müssen“, bilanziert Oberbürgermeister Wolfgang Griesert laut Pressemitteilung der Stadt. „Die baulichen Mängel des in die Jahre gekommenen Gebäudes am Domhof mit seiner komplizierten, aber veralteten technischen Ausstattung sind inzwischen unübersehbar, so dass wir für die Zukunft des Theaters jetzt sorgen müssen. Allerdings ist mit einem Baubeginn frühestens in fünf Jahren zu rechnen. Wir kalkulieren mit einer Bauzeit von drei Jahren, so dass das Theater frühestmöglich 2027 wiedereröffnet werden kann.“ „Vorher müssen wir noch viel planen, diskutieren und überzeugen und insbesondere auch Drittmittel einwerben“, ergänzt der zuständige Vorstand der Stadtverwaltung, Wolfgang Beckermann. „Wir stehen erst ganz am Anfang eines ziemlich langwierigen und komplizierten Prozesses mit ersten Kostenschätzungen und Zeitplänen. Insbesondere stehen wir am Anfang der Diskussion mit dem Rat und der Öffentlichkeit.“ Nun geht es darum, so Matthias Köhn, Kaufmännischer Direktor des Theaters, Drittmittel einzuwerben. Der Osnabrücker Rat werde dann hoffentlich in absehbarer Zeit eine endgültige Entscheidung fällen. Intendant Ralf Waldschmidt: „Die anstehende Sanierung ist ein Generationenprojekt zur Sicherung der kulturellen ‚Grundversorgung’ der Stadt und der Region.“

Theater und Sanierungsfälle in Deutschland

Das Bild der Theater- und Orchesterlandschaft in Deutschland wird wesentlich durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater bestimmt, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen. Hinzu kommen rund 220 Privattheater, etwa 130 Opern-, Sinfonie- und Kammerorchester und rund 70 Festspiele, etwa 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus.Über die deutschen Theater schwappt gerade eine riesige Sanierungswelle. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass viele Neubauten in den 1950er Jahren in aller Eile entstanden und heute, 60 oder 70 Jahre später, nicht mehr den modernen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Gravierende Baumängel kommen hinzu. Die Kostenprognose für die Städtischen Bühnen Köln liegt mittlerweile bei bis zu 570 Millionen Euro. Die Sanierung von Oper und Schauspiel in Frankfurt könnte mit mehr als 800 Millionen Euro teurer werden als die neue Elbphilharmonie in Hamburg.

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Ein Blick nach Münster zeigt, dass es sich gelohnt hat, sukzessive zu renovieren. Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann listet das auf: Unter anderem wurde die Außenfassade des denkmalgeschützten Großen Hauses saniert. Es gab eine neue Bestuhlung und ein neues Kassenfoyer. Ab 2020/21 steht für 3,9 Millionen Euro eine Erneuerung der Ober- und Untermaschinerie auf den Bühnen an. 2020 soll der Querriegel in Höhe des Personaleingangs auf zwei Etagen mit rund 300 Quadratmetern für zusätzliche Arbeits- und Büroräume aufgestockt werden. Das kostet 1,7 Millionen. 

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