Wer wird nach Bruno Ganz nächster Träger des Iffland-Rings?
Ein geheimnisvolles Schmuckstück

Münster/Wien -

Der Mann, dessen legendenumrankter Ring die Freunde des Theaters elektrisiert, ist heute zwar nicht vergessen, aber doch selbst für Kulturfans keine unmittelbar greifbare Gestalt. Doch jetzt, nach dem Tode des Schweizer Schauspielers und Iffland-Ring-Trägers Bruno Ganz, taucht der Name August Wilhelm Iffland (1759-1814) wieder auf.

Montag, 18.02.2019, 16:18 Uhr
Der Schauspieler Bruno Ganz nahm 1996 im Burgtheater als erster Schweizer den Iffland-Ring aus den Händen von Kunstminister Rudolf Scholten entgegen.
Der Schauspieler Bruno Ganz nahm 1996 im Burgtheater als erster Schweizer den Iffland-Ring aus den Händen von Kunstminister Rudolf Scholten entgegen. Foto: dpa

Der 1759 in Hannover geborene Iffland , von seinen Eltern eigentlich für das Theologiestudium bestimmt, floh als 18-Jähriger aus seiner Heimatstadt und schloss sich in Gotha einer Schauspielertruppe an. Sein Leben widmete er der Bühne. Der Publizist Oliver vom Hove würdigte Iffland vor fünf Jahren in der Wiener Zeitung, als sich dessen Tod zum 200. Mal jährte, mit diesen Worten: „Er war dabei, als der junge Schiller zu seinem kometenhaften Aufstieg auf deutschen Bühnen ansetzte. Für Goethe wurde er später in Weimar der große Anreger für die Umgestaltung des Theaterwesens. Da war August Wilhelm Iffland bereits der gefeiertste Schauspieler auf deutschen Bühnen. In Berlin hatte er ab 1796 als Leiter des Königlichen Nationaltheaters auf dem Gendarmenmarkt eine bislang unerreichte Theaterbegeisterung entfacht. Seit 1811 im Rang eines ,Direktors der königlichen Schauspiele’, war Iffland bereits zu Lebzeiten als Schauspieler, Dramenverfasser und Theaterleiter gleichermaßen eine Epochengestalt.“

Fast 23 Jahre ist es nun her, dass der Schweizer Bruno Ganz den legendären Iffland-Ring als bester deutschsprachiger Schauspieler entgegennahm. „Gerührt und mit weichen Knien“, wie der damals 55-jährige im Mai 1996 während der Festmatinee im Wiener Burgtheater gestand. Der Iffland-Ring – ein diamantenbesetzter Eisenring mit einem Porträt Ifflands – soll eben an jenen Berliner Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland erinnern. Zu den mit diesem Ring geehrten Bühnenakteuren gehörten zuvor Albert Bassermann (1867-1952) und Werner Krauß (1884-1959).

Die Exklusivität der Auszeichnung lässt vermuten, dass es bei der Auswahl in erster Linie nicht um Quote oder vordergründige Popularität und schon gar nicht um Hollywood-Erfolge geht, sondern um herausragende Bühnenpräsenz und Persönlichkeit. Wer den Ring bekommt, muss sich innerhalb von drei Monaten bereits für einen Nachfolger entscheiden und den Namen in einem versiegelten Kuvert im österreichischen Kunstministerium deponieren. Der österreichische Volksschauspieler Josef Meinrad, Ringträger seit 1959, hatte seine letzte Verfügung angeblich 1984 geändert: „Mein Wunsch ist es, dass nach meinem Tode Bruno Ganz den Iffland-Ring erhält“, hieß es in dem Brief ohne jeden weiteren Kommentar.

Bruno Ganz soll, wie gemutmaßt wird, seinen fast gleichaltrigen Bühnenkollegen Gert Voss als Nachfolger bestimmt haben, der schon bei Josef Meinrads Tod als Kandidat gehandelt worden war. Voss starb aber 2014 – es wird also nun ein anderer in die Reihe der Iffland-Ringträger kommen. Nun wäre noch die Frage, ob Bruno Ganz eher einen gleichaltrigen Kollegen ehren wollte, oder ob er eher die mittlere Generation in den Blick nahm. Aus der Reihe der Gleichaltrigen stammen etwa Schauspieler wie Peter Simonischek (72) oder Klaus Maria Brandauer (75). In etwas jüngeren Altersriege kämen Akteure wie Ulrich Tukur (61), Ulrich Matthes (59), Lars Eidinger (43), oder Devid Striesow (45) in Frage.

Damals, in der Zeit des Namensgebers Iffland, fand eine Abkehr vom ausgestellten, manieristischen Spiel auf der Bühne statt. Oliver vom Hove charakterisierte das so: „Als Schauspieler folgte Iffland dem Leitstern einer nuancenreichen, ebenso wohldurchdachten wie klar festgelegten Charakterdarstellung. Damit trug er wesentlich dazu bei, die hochstilisierte Manier der französischen Künstlichkeit von den deutschen Bühnen zu verbannen.“ Es ging Iffland um zeitlose und heute noch aktuelle Authentizität auf der Bühne. „Die Franzosen geben Vorstellungen. Die Deutschen Darstellungen. Ihre Gemälde der Leidenschaften sind prächtig, unsere wahr“, schrieb Iffland in seinen Theaterschriften, die als Brevier einer neuen Schauspielkunst galten.

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