„Mutter Courage“ im Borchert-Theater
Komische Typen und Kriegsgewinnler

Münster -

Der Dreißigjährige Krieg dauert und dauert und dauert. Kein Wunder, dass die sich dehnende Zeit sich auch bei „Mutter Courage“ widerspiegelt, welche sich und ihren Bollerwagen im Schlepptau der Heere von Stadt zu Stadt bewegt. Knapp drei Stunden dauert denn auch die Inszenierung, die Intendant Meinhard Zanger nun in „seinem“ Borchert-Theater auf die Bühne brachte. Zangers Mischung aus Werktreue und humoriger Distanz überzeugte das Premierenpublikum auf ganzer Linie.

Freitag, 01.03.2019, 18:26 Uhr
Mutter Courage (Monika Hess-Zanger) schleppt sich mit einem typischen Münster-Gefährt durch Krieg und Zeit.
Mutter Courage (Monika Hess-Zanger) schleppt sich mit einem typischen Münster-Gefährt durch Krieg und Zeit. Foto: Klaus Lefebvre

Zur Werktreue zählt das Musikkonzept: Drei Musiker – alle als Schauspieler eingebunden – bespielen wie von der einer Burgmauer herab die Szenen. Mit verfremdetem Klavier ( Manfred Sasse ), Querflöte (Pavel Tseliapniou) und Schlagzeug (Wolfgang Ekholt) wird Paul Dessaus Musik zwar „abgespeckt“, aber angemessen dargeboten. Zwischen Bänkelsang und schrägem Volksliedton kommentieren die Lieder das Geschehen, geben den Figuren Tiefe und bitteren Humor.

Diesen aber konterkariert die Regie mit humoriger Verfremdung, die Brechts „epischem Theater“ gerecht wird, aber auch Elemente des Kabaretts aufnimmt und mittels weiß geschminkter Gesichter teils in Gefilde der Commedia dell’arte führt. Wenn der Koch (herrlich süffisant: Jürgen Lorenzen) wie im Kasperle-Theater schräg aus der Tür ragt oder sich mit dem Feldprediger (herrlich bigott: Heiko Grosche) ein Gockel-Duell um Mutter Courages Gunst liefert, hätte sich Regisseur Zanger wohl noch ein paar Lacher mehr gewünscht.

Die Courage-Rolle ist bei Monika Hess-Zanger in besten Händen. Ein fast gruselig „patentes“ Muttertier, das die eigenen Kinder zwar beschützt, aber vor allem ihre Geschäfte im Blick hat. Und die Kinder? Auch Heißsporn Eilif (Florian Bender), Trantüte Schweizerkas (Johannes Langer) und die stumme Kattrin (Rosana Cleve) sind rundum überzeugend. Ivana Langmajer spielt die Lagerhure Yvette anrührend.

Die eigentliche Hauptrolle spielt der Krieg. Brecht ging es zwar um die Mahnung an Skandinavien, nicht mit Hitlerdeutschland kommerziell zu paktieren. Aber diese Mahnung ist auch zeitlos, denn irgendwo ist immer Krieg. Und irgendwer verdient immer daran.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6434432?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Die Römer sind auf dem Vormarsch
Angriff!Grimmig gucken können die Freizeit-Legionäre Ralf Koritko, Carsten Kraft und Niels-Benjamin Hahn (v.l.) schon. Wilfried Gerharz Wilfried Gerharz
Nachrichten-Ticker